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Tod vor 20 Jahren : War Dianas Unfallwagen schon vor dem Unglück schrottreif?

Unfallwagen: Am 31. August 1997 wird das Wrack des Mercedes geborgen, in dem Prinzessin Diana verunglückt war. Bild: dpa

In der Nacht von Dianas Tod organisierte der Nachtdienst eines Hotels bei einem kleinen Limousinen-Dienst das Unfallauto – einen fragwürdigen Mercedes mit bewegter Geschichte. Er soll schon vor dem Unglück einen Totalschaden gehabt haben.

          In der französischen Hauptstadt, wo das turbulente Leben von Prinzessin Diana sein Ende fand, verblasst die Erinnerung an den Todestag langsam, aber sicher. Um die Skulptur von der Flamme der amerikanischen Freiheitsstatue am Tunneleingang des Pont de l’Alma sind am Mittwoch nur einige Dutzend Blumen und Fotos von Diana niedergelegt worden. Viele tragen die Aufschrift „Déjà 20 ans“ – schon 20 Jahre ist es her. Ein koreanisches Fernsehteam, das am Unfallort nach Trauerbesuchern suchte, fand kaum Interviewpartner.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Vergessen ist auch, dass in einem Hinterhof des Stadtviertels Marais einst ein Garten im Gedenken an die „Prinzessin der Herzen“ eröffnet wurde. Eine Tafel „in the memory of Diana“ hing am Eingang des Jardin du Clos des Blancs-Manteaux, den 2001 der damalige Pariser Bürgermeister Jean Tiberi und der britische Botschafter einweihten. Heute ist der Garten mit seinen aus dem Mittelalter stammenden Pflanzen noch da, doch die Gedenktafel so wie jede andere Erinnerung an Diana sind verschwunden.

          Der Reigen von Enthüllungen, Spekulationen und Theorien über Unfallursache wie Unfallhergang ist indes nicht abgebrochen. Besonders viel Aufmerksamkeit erzeugte unlängst die Recherche über den Unfallwagen, den schwarzen Mercedes S280. Die Journalisten des französischen Magazins „Paris Match“, Jean-Michel Caradec’h und Pascal Rostain, fanden heraus, dass der Wagen eine sehr bewegte Vergangenheit hatte. Unterlegt mit zahlreichen Quellen, behaupten sie, dass die Limousine ein höchst unsicheres Gefährt war.

          „Bei 60 Stundenkilometern blieb er nicht mehr in der Spur“

          1995, zwei Jahre vor Dianas Tod, war der Mercedes nach ihren Angaben in Paris gestohlen worden. Ein Strafgefangener auf Freigang soll ihn sich für eine Spritztour geschnappt haben. Diese endete mit einem Unfall, bei dem sich der Wagen überschlug und einen Totalschaden erlitt. Die Versicherung erklärte das Auto offiziell zu einem Wrack und gab es für die Verschrottung frei. Doch findige Tüftler in der Banlieue von Nordparis bauten den schwer beschädigten Wagen wieder zusammen und verkauften ihn. Nach Aussagen seiner späteren Fahrer und Besitzer behielt er indes schwere Macken. „Bei mehr als 60 Stundenkilometern blieb er nicht mehr in der Spur“, sagte ein Chauffeur und warnte vor seiner Benutzung. Darüber hinaus wurde der Wagen vier Monate vor Dianas Unfall in Paris vor einem Luxus-Restaurant abermals gestohlen. Erst gut zwei Wochen später fand man ihn verlassen an einer Autobahn wieder. Mehrere mechanische und elektrische Teile sowie Stücke der Karosserie hatten die Diebe mitgenommen.

          In London ist die Erinnerung an Diana noch wacher als in Paris. Hier schauten sich William und Harry am Mittwoch die vielen Blumen und Fotos an, die in Erinnerung an ihre mutter vor dem Kensington Palace abgelegt worden waren.

          In zwei Jahren war das Auto 14 Mal in der Werkstatt. Dennoch blieb es im Einsatz, womöglich mit fatalen Folgen. In der Todesnacht des 31. August 1997 soll Dodi Al Fayed, Dianas damaliger Geliebter, die Idee gehabt haben, die vor dem Hôtel Ritz wartenden Fotografen mit einer Finte abzuhängen: Am Vordereingang sollten zwei Autos ohne Diana und Dodi Al Fayed abfahren, während das Liebespaar das Hotel heimlich durch den Hintereingang verließ und sich in einem dritten Fahrzeug davon machte. Dafür musste Hals über Kopf eine Limousine her, doch die Wagen des Hotels waren alle ausgebucht. Daher organisierte der Nachtdienst bei einem kleinen Limousinen-Dienst den fragwürdigen Mercedes S280. Und mit Henri Paul musste auch ein extra Chauffeur auf die Schnelle gefunden werden.

          Ein neuer Baustein zur Klärung des Dramas?

          Über die Place de la Concorde steuerte er die Insassen mit hoher Geschwindigkeit an der Seine entlang – auf einem Boulevard, der unpassender Weise „Cours la Reine“ – Straße der Königin heißt. Als Henri Paul den Pont de l’Alma erreichte, verlor er die Kontrolle über den Wagen. Der Mercedes raste ausgerechnet gegen den 13.Betonpfeiler der Unterführung. Prinzessin Diana, Dodi Al Fayed sowie der Chauffeur Henri Paul kamen ums Leben. Von den Insassen überlebte nur der Leibwächter Trevor Rees-Jones.

          Nach dem Tod Dianas ging ein Aufschrei um die ganze Welt, der sich zunächst gegen die Paparazzi richtete. Doch bald kamen die entscheidenden Unfallursachen heraus: Der Chauffeur Henri Paul hatte Medikamente genommen und war betrunken (1,75 Promille), als er durch den Tunnel raste. Diana und Dodi Al Fayed waren zudem nicht angeschnallt gewesen. Henri Paul hatte zwar versucht, einer Gruppe von Fotografen zu entkommen, doch nach übereinstimmenden Zeugenaussagen hatte er diese wegen seiner hohen Geschwindigkeit schon weit vor dem Tunnel abgehängt. Die Ermittlungsbehörden in Frankreich und Großbritannien hatten den Wagen nach dem Unfall untersucht, aber keine Mängel festgestellt. Er war auch nicht, wie Verschwörungstheoretiker behaupteten, manipuliert worden.

          Die Autoren der jüngsten Enthüllungen über den Unfallwagen wollen nach eigenen Angaben keine neue Verschwörungstheorie aufstellen. Ausdrücklich erkennen sie die etablierten Unfallursachen an. Dennoch meinen sie einen neuen Baustein zu liefern, der zur Klärung des Dramas beitragen könne.

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