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Deutsche Flughäfen : Kampf dem unsichtbaren Feind aus Japan

Alle aus Japan kommenden Flugzeuge werden mit einem Lappen abgewischt Bild: dpa

Mit schwerem Gerät rücken auf deutschen Flughäfen dieser Tage regelmäßig Feuerwehrmänner aus, um es mit einem unsichtbaren Feind aufzunehmen. Immer wenn ein Flugzeug aus Japan landet, wird es auf radioaktive Strahlung untersucht.

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          Mit schwerem Gerät rücken auf dem Frankfurter Flughafen dieser Tage regelmäßig zwei Feuerwehrmänner aus, um es mit einem unsichtbaren Feind aufzunehmen. Immer wenn ein Flugzeug aus Japan landet, steigen die beiden Männer in einen Lastwagen. Auf dem Anhänger hinter ihnen liegt ein Spezialcontainer für Strahlenschutz. Normalerweise kommt der Container und sein Inhalt zum Einsatz, wenn Gefahrgüter transportiert werden – zum Beispiel radioaktives medizinisches Isotopenmaterial. Zurzeit aber prüfen die Feuerwehrleute der Fraport AG, ob Flugzeuge aus Japan erhöhte Strahlung an oder in sich tragen. Bisher ohne Ergebnis: Seit Beginn der Tests in der vergangenen Woche wies keines der sieben Flugzeuge, die täglich in Frankfurt landen, erhöhte Werte auf.

          Auch in München, am zweiten großen deutschen Flughafen mit Direktverbindung nach Japan, wurden bisher keine bedenklichen Strahlenwerte an Flugzeugen festgestellt, wie ein Sprecher der Betreibergesellschaft sagt. In München werden sogenannte Wischtests vollzogen: Dabei wischen Flughafenmitarbeiter mit einem unbelasteten Lappen über Teile der Flugzeugaußenhaut. Danach wird der Lappen auf strahlende Teilchen untersucht. Bei einem solchen Test war am Mittwoch vergangener Woche bei einer Maschine der All Nippon Airways zwar erhöhte Radioaktivität festgestellt worden. „Wir gehen aber inzwischen davon aus, dass es sich dabei um die normale Höhenstrahlung gehandelt hat“, sagt der Sprecher. Von einer bestimmten Höhe an nehmen Flugzeuge eine gewisse Dosis kosmischer Strahlung auf.

          Die Behörden messen, und dann wird dekontaminiert

          Was die Messung der Strahlenbelastung von Passagieren betrifft, sind die Außenstellen des Bundesamts für Strahlensicherheit eine Anlaufstelle. Nach Angaben des Bundesamts haben bis Montag 14 Personen in Berlin und in Oberschleißheim bei München die Möglichkeit in Anspruch genommen, sich testen zu lassen – ähnlich wie bei den Flugzeugen allesamt mit negativem Ergebnis. „Es gab minimale Strahlenwerte, die gesundheitlich völlig unbedenklich waren“, sagt ein Sprecher. In Frankfurt bietet das hessische Umweltministerium zusätzlich zu den Flugzeugtests seit dem Wochenende ebenfalls ankommenden Passagieren die Möglichkeit, ihre mögliche Strahlenbelastung testen zu lassen. Bisher haben 14 Passagiere das Angebot wahrgenommen, sagt ein Ministeriumssprecher. Auch hier gab es ausschließlich negative Ergebnisse.

          Sollte ein Reisender in Frankfurt Symptome der Strahlenkrankheit zeigen, etwa starke Übelkeit, werde nach bundesweit gültigem Standard verfahren, sagt der leitende Arzt der Fraport AG, Walter Gaber: „Die zuständigen Behörden messen, und in Abhängigkeit der Ergebnisse wird dekontaminiert und notfalls durch medizinische Experten in ausgewählten Krankenhäusern nach Maßgabe der Gesundheitsbehörden weiter behandelt.“

          Dabei ist der medizinische Dienst am Frankfurter Flughafen nach Angaben seines Leiters auch abseits möglicher Strahlenerkrankungen auf alle Notfälle vorbereitet. Schon beim Attentat auf amerikanische Soldaten Anfang März hätten seine Mitarbeiter schnell und adäquat reagiert, sagt Gaber. „Weil ein Wagen in der Nähe war, waren wir in nur zwei Minuten am Tatort.“ Vom ersten Alarm bis zu dem Zeitpunkt, an dem die verletzten Soldaten auf dem Operationstisch in Frankfurter Krankenhäusern lagen, seien damals nur 30 Minuten vergangen. Auch bei möglichen Erkrankungen in Folge der Ereignisse in Japan könne man so schnell reagieren. Allerdings gebe es derzeit „absolut keinen Hinweis darauf“, dass Strahlenopfer in Frankfurt ankommen.

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