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Universitätsstudie : Der 1. Mai ist der gefährlichste Tag des Jahres

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Raser vor Raps: Am 1. Mai packen viele ihr Motorrad wieder aus. Bild: Picture-Alliance

Endlich Frühling, endlich frei! Am 1. Mai versuchen viele, so viel Sonne und Lebensfreude wie möglich einzufangen. Das hat Folgen: Am Maifeiertag passieren die meisten schweren Unfälle – und zwar überwiegend Männern.

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          Eigentlich sollte man denken, dass in der dunklen Jahreszeit die Unfallgefahr am höchsten ist: Dann sind die Straßen oft vereist und die Sichtverhältnisse trüb. Doch der gefährlichste Tag des Jahres mit den meisten lebensgefährlichen Verletzungen ist der erste Mai - und zwar mit großem Abstand zu den Wintertagen.

          An diesem Tag werden bundesweit die meisten Schwerverletzten in Krankenhäuser eingeliefert, sagt der Statistiker Rolf Lefering von der Universität Witten/Herdecke, der für eine Studie die Daten von knapp 31.600 Unfällen mit lebensgefährlichen Verletzungen ausgewertet hat. Die Daten stammen aus dem TraumaRegister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, in der mehr als 150.000 dokumentierte Einzelfälle registriert sind.

          Die ersten Runden nach dem Winter

          „Der erste Mai ist der Tag, an dem der Frühling viele Menschen nach draußen lockt“, erklärt der Professor für Versorgungsforschung in der Operativen Medizin. Viele Fußgänger seien unterwegs, und es werde gern auch mal etwas tiefer ins Glas geschaut. Besonders gefährdet sind Motorradfahrer, die auffallend häufig in schwere Unfälle verwickelt sind: „Sie drehen dann wieder die ersten Runden nach dem Winter, oft in großen Gruppen, in denen jeder zeigen will, was er noch drauf hat“.

          Motorräder würden oft mit Saisonzulassungen gefahren, sagt auch der Verkehrspsychologe Peter Kiegeland vom Bund Deutscher Psychologen und Psychologinnen: „Dann ist der erste Mai der erste Tag, an dem man mit dem Motorrad überhaupt wieder unterwegs sein darf“. Nach der langen Winterpause hätten die Fahrer aber oft einiges verlernt und die Maschine nicht mehr richtig im Griff. „Zudem ist man bei gutem Wetter euphorisch, dann ist vielleicht noch Alkohol im Spiel, was die Unfallgefahr deutlich erhöht.“

          Weniger Vorsicht als an Silvester

          Das statistische Risiko, am ersten Mai einen schweren Unfall zu haben, ist laut Rolf Lefering vier Mal höher als etwa an Weihnachten. „Betrachtet man das Ranking der Jahrestage, dann fällt auf, dass zwischen Weihnachten und Neujahr erstaunlich wenige Unfälle passieren“, sagt der Professor. Bei schlechten Straßen- und Sichtverhältnissen komme es eher zu Blechschäden, wenn man etwa auf einer vereisten Straße in ein anderes Fahrzeug hineinrutsche.

          Auch sei am ersten Mai die Vorsichtshaltung lange nicht so ausgeprägt wie an Weihnachten oder Silvester, erklärt Peter Kiegeland: „Da weiß man, dass man abends noch nach Hause kommen muss, und plant das ein.“ Der erste Mai dagegen sei längst kein so markanter Tag wie etwa Silvester: „Da werden aus einem Bier schnell drei.“

          Auch am dritten Oktober passieren besonders viele Unfälle: Dann wollen viele Menschen noch einmal nach draußen und etwas erleben, bevor der Winter hereinbricht. Generell sind die Sommermonate die gefährlichsten Monate des Jahres: Vor allem durch Motorrad- und Fahrradunglücke sind die Unfallzahlen fast doppelt so hoch wie im Winter.

          72 Prozent der Verletzten sind Männer

          „Für Fußgänger hingegen sind die Monate November und Dezember am gefährlichsten, offensichtlich, weil es dann am dunkelsten ist“, erläutert Lefering. Verkehrsunfälle machten 60 Prozent der lebensgefährlichen Unfälle aus, der Rest setzt sich Stürzen, Sportunfällen und anderen Verletzungen zusammen.

          Die Unfallhäufigkeit hängt auch maßgeblich von der Tageszeit ab: „Werktags zwischen 17 und 19 Uhr, wenn viele müde und gestresst sind und schnell nach Hause wollen, passieren die meisten schweren Unfälle“, sagt Lefering. Wie gefährdet man ist, hängt maßgeblich vom Geschlecht ab: 72 Prozent der schwer verletzten Unfallopfer sind den Daten zufolge Männer.

          „Selbstüberschätzung ist allgegenwärtig“

          Seine Ergebnisse können Kliniken dabei helfen, sich auf besondere Stoßzeiten in der Notaufnahme vorzubereiten. „Und für die Verkehrsteilnehmer kann es gesund sein, im Hinterkopf zu haben, dass auf dem Nachhauseweg doppelt so viele Unfälle passieren wie morgens“, sagt Lefering.

          Auch Peter Kiegeland glaubt, dass das Wissen um statistische Unfallrisiken dazu beitragen kann, „dass sich reflektierte Menschen vorsichtiger in ihr Auto setzen“. Motorradfahrern rät er dazu, am ersten Mai nicht einfach drauflos zu fahren, sondern zuvor ein Sicherheitstraining zu absolvieren oder sich zumindest erst langsam wieder mit dem Motorrad vertraut zu machen. „Fast 90 Prozent der Verkehrsteilnehmer halten sich für sehr gute Fahrer“, sagt Kiegeland. „Selbstüberschätzung ist allgegenwärtig.“

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