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Achtjähriges Mädchen tot : Debatte über Verantwortung nach Rodelunfall in Italien

  • -Aktualisiert am

Viele Urlauber verbringen ihren Winterurlaub in Österreich (Symbolbild) Bild: dpa

Beim Rodeln in Südtirol ist ein acht Jahre altes Mädchen aus Italien gestorben, ihre Mutter liegt auf der Intensivstation. Der Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen die Betreiber des Skigebiets.

          Am Freitag wurde Emily Formisano in ihrer Heimatstadt Reggio Emilia beerdigt. Der weiße Sarg war mit weißen Rosen bedeckt. Eine Woche zuvor war das achtjährige Mädchen bei einem Unglück beim Rodeln nahe Bozen in Südtirol ums Leben gekommen. Emilys 38 Jahre alte Mutter liegt noch immer auf der Intensivstation eines Krankenhauses.

          Mit ihrem Schlitten waren die beiden mit der Gondel zur Bergstation des Rittner Horns auf rund 2000 Metern Höhe gefahren. Von dort führen zwei Skipisten für geübte Skifahrer ins Tal, eine schwierige „blaue“ und eine extrem schwierige „schwarze“. Und es gibt einen sanft abfallenden Rodelweg sowie eine Langlauf-Loipe. Mit ihrer Tochter vorn auf dem Schlitten geriet die aus Polen stammende Mutter irrtümlich auf die besonders schwierige Piste „Schwarzsee II“. Die ist für Schlittenfahrer eigentlich gesperrt: „Rodeln verboten“ steht auf Deutsch auf einem gelben Schild, daneben ist ein rotes Piktogramm mit einem durchgestrichenen Schlitten zu sehen.

          Nach wenigen Metern prallte der Schlitten mit hoher Geschwindigkeit jenseits der Piste gegen einen Baum. Emily war auf der Stelle tot. Die Mutter musste am Unglücksort wiederbelebt werden, wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Hospital nach Bozen geflogen. Die beiden hatten keine Helme getragen. Die Staatsanwaltschaft ließ zur Ermittlung der Unglücksumstände die Piste sperren.

          Emilys Vater Ciro Formisano erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Betreiber des Skigebiets Rittner Horn. „Wäre das Schild auch auf Italienisch beschriftet gewesen, wäre meine Tochter noch am Leben“, sagte er dem Fernsehsender Rai. Auch in manchen italienischen Medien wurde das Fehlen einer Warnung in italienischer Sprache als mögliche Ursache für das Unglück genannt. Rund zwei Drittel der Einwohner der autonomen Provinz Südtirol sind deutschsprachig. Der Südtiroler Heimatbund hat davor gewarnt, aus dem tragischen Unfall aus „nationalistischen Gründen politisches Kapital zu schlagen“.

          Inzwischen haben die Betreiber des Skigebiets eine zusätzliche Warnung auf dem Schild an der Bergstation anbringen lassen: „Vietato slittare“. Das heißt, worauf italienische Medien hinweisen, eigentlich „Schleudern verboten“. In korrektem Italienisch müsse es heißen: „Vietato andare in slitta“. Die Staatsanwaltschaft hat am Wochenende die Sperrung der Piste „Schwarzsee II“ aufgehoben. Auch die Ermittlungen gegen den Betreiber des Skigebiets wurden eingestellt. Die Warnhinweise und Sicherungseinrichtungen entlang der Piste seien ausreichend gewesen. Gegen die Mutter, die um ihr Leben ringt, wird weiter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.

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