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Debatte nach Unfall in Berlin : „Bei Tempo 50 ist egal, ob es ein SUV oder ein Smart ist“

Vor zehn Jahren war die Zahl der Verkehrstoten unter SUV-Insassen in den Vereinigten Staaten sehr hoch: Wegen ihres hohen Schwerpunkts neigen SUVs zu Überschlägen, und einige amerikanische Modelle hatten damals sehr schlechte Überrollcrash-Eigenschaften. Die A-Säule ist wegen des hohen Gewichts der Fahrzeuge eingeknickt, inzwischen wurden sie verstärkt. Dennoch sind SUVs nicht per se sicher, auch wenn ihre Masse natürlich von Vorteil ist, hier ist das Sicherheitskonzept mindestens genauso wichtig. Natürlich kann es sein, das Lieschen Müller sich in einem SUV sicherer fühlt. Dass SUV-Fahrer deshalb allgemein schneller fahren, glaube ich nicht. Wegen der Sitzhöhe kommt vielen die Geschwindigkeit höher vor. Wir haben bislang nicht festgestellt, dass SUVs überproportional häufig in Unfälle verwickelt sind. Die Raser sitzen eher in anderen Autos.

Ist die Sitzhöhe also eher ein Vorteil?

Im Verkehr und beim Ausparken bringt das Vorteile für den Fahrer, weil er über andere drüber gucken kann. Aber auch Nachteile für andere, wenn er beispielsweise am Straßenrand parkt. SUVs haben noch dazu oft getönte Scheiben, wenn da jemand aus der Ausfahrt fahren möchte, guckt er im Prinzip auf eine schwarze Wand.

Auch die hohe Motorfront von SUVs wird kritisiert.

Die SUVs müssen ja auch die Fußgängercrashnorm erfüllen. Da gibt es immer höhere Anforderungen. Zum Beispiel ist es besser, wenn die Motorhaube sich bei einer Kollision aufstellt und so eine Knautschzone zwischen Kopf und Motorblock schafft, als eine Kurzhaube beim Kleinwagen, bei der der Fußgänger direkt in die Windschutzscheibe oder gegen die A-Säule prallt. Aber letztlich sind Kollisionen für Fußgänger nicht optimal, mit welchem Fahrzeug auch immer. Hier gilt es den Verkehr zu trennen oder die Geschwindigkeiten zu senken.

Ein anderer Kritikpunkt ist die Breite. Kommt es dadurch zu mehr Unfällen?

Alle Fahrzeuge sind breiter geworden. Das liegt an den Seiten-Crashtests: So wird Überlebensraum für Insassen auf der getroffenen Seite geschaffen. Viele Fahrzeuge sind deshalb zehn bis 15 Zentimeter breiter als früher. Das ist kein reines SUV-Problem. Es gibt sehr sichere SUVs sowohl für Insassen als auch für Fußgänger, und es gibt sehr unsichere Kleinwagen. Das ist alles hochkomplex. Wenn wir in der Stadt etwas erreichen wollen, müssen wir ans Tempo und die Kontrollen. Da sind nicht nur die SUVs die Bösen. Der CO2-Ausstoß und Parkplätze sind natürlich eine andere Geschichte.

Was kann neben Geschwindigkeitsbegrenzungen noch getan werden?

Unfallforscher, Mediziner, Städteplaner und Autobauer müssen gemeinsam überlegen, wie man gefährliche Situationen entschärfen kann. Extremfall ist das sogenannte Geo-Fencing: In bestimmten Gebieten wird die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs automatisch gedrosselt, sodass es gar nicht zu schnell fahren kann. Auch ein sogenanntes Emergency Assist kann insbesondere von Bedeutung sein, wenn jemand beispielsweise einen epileptischen Anfall, einen Herzinfarkt oder ein Coma diabeticum hat und dabei das Gaspedal durchdrückt. In Berlin wird ja auch ein medizinischer Notfall beim Fahrer als Ursache in Betracht gezogen. Viele Hersteller arbeiten an einer technischen Lösung, die erkennt, wenn der Fahrer fahruntüchtig ist, das Fahrzeug über Rot fährt oder den Fahrradweg kreuzt. Das Auto wird dann gestoppt und die Warnblinkanlage aktiviert.

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