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Vor Unfällen mit Lastwagen : Dieses Warnsystem soll Radfahrer schützen

Die drei Lampen des „Bike Flash“ sollen künftig LKW-Fahrer auf Radler hinweisen. Bild: dpa

Am Morgen wird eine Sechzehnjährige von einem Lastwagen überfahren und stirbt. Nur wenige Kilometer weiter wird am Nachmittag ein Warnsystem vorgestellt, das genau solche Unfälle verhindern soll: Wie funktioniert es?

          In Burgdorf bei Hannover ist am Freitagmorgen eine 16 Jahre alte Schülerin von einem Lastwagen überfahren worden. Sie hatte mit ihrem Fahrrad an einer Kreuzung vor einer roten Ampel gewartet. Als es grün wurde, fuhr die Jugendliche geradeaus über die Kreuzung. Ein Lastwagen bog nach rechts ab; der Fahrer hatte sie nicht gesehen und erfasste sie. Die Schülerin starb noch an der Unfallstelle.

          Ganz in der Nähe wurde am Freitag das erste „Bike Flash“-System in Deutschland eingeführt, das Radler im toten Winkel vor abbiegenden Lastwagen schützen soll. Vier Leuchten alarmieren nun in Garbsen die Fahrer von Autos und Lastwagen, wenn sich in ihrem toten Winkel ein Radler befindet. Von einer Entfernung von 40 Metern an erfasst ein Wärmesensor auf einem Mast, ob ein Radfahrer neben einem Fahrzeug fährt. Die Ausstattung für das Pilotprojekt habe 34.000 Euro gekostet, sagt Benjamin Irvin, der Sprecher der Stadt Garbsen.

          „Radfahrer sind oft die Schwächeren“

          Amazon hat in Garbsen gerade ein neues Logistikzentrum eröffnet. Die Straßenführung wurde neu gestaltet, und die Stadt entschied sich, auch etwas für die Sicherheit der Radfahrer zu tun. An einem Zubringer zum Amazon-Gelände steht nun der „Bike Flash“. Die Kreuzung ist kein Unfallschwerpunkt, aber zum Weihnachtsgeschäft werden viele Laster die Stelle passieren. Das Projekt soll auch wissenschaftlich ausgewertet werden. Bei der Einführung des Systems war auch der Unfall, der kurz zuvor wenige Kilometer östlich geschehen war, ein Thema. „Es ist schrecklich und zeigt, dass Radfahrer oft die Schwächeren sind“, sagt Irvin. In Garbsen habe es in jüngster Zeit keine schweren Unfälle gegeben. Im vergangenen Jahr sind in Deutschland jedoch 382 Radler bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen. 76 Radfahrer starben bei Kollisionen mit Lastwagen, häufig wenn diese abbogen. Nur jeder fünfte Radfahrer habe in den Fällen die Hauptschuld getragen.

          Abbiege-Assistenten im Fahrzeug können den Fahrer warnen. Noch sind sie aber nicht vorgeschrieben. Eine Pflicht zu erlassen ist politisch schwierig: Für die Einführung braucht es eine europäische Abstimmung. Der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, nimmt an, dass es noch mindestens zehn Jahre dauern wird, bis alle Lastwagen einen Assistenten an Bord haben.

          Brockmann ist skeptisch, was die Wirksamkeit des „Bike Flash“ angeht. „Es ist entscheidend, dass er wenig Fehlalarme hat“, sagt er. Sonst nutze sich die Warnwirkung schnell ab. Der „Bike Flash“ steht an einer Straße, an der wenige Räder unterwegs sind. Brockmann würde ihn stattdessen an einen Unfallschwerpunkt stellen, um ihn verlässlich zu testen. Wenn er funktioniere, könne er wirklich helfen: An kritischen Punkten könnte er dann sofort eingesetzt werden, lange bevor die Assistenten kommen.

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