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Costa Concordia : Kapitän Schettino weist weiterhin alle Schuld von sich

Schettinos Anwälte fordern ein neues Gutachten an Bord des Wracks der Costa Concordia. Bild: dpa

Bisher gilt Kapitän Schettino als Hauptverantwortlicher für die Havarie der „Costa Concordia“. Im Gerichtssaal von Grosseto weist er weiterhin alle Schuld von sich. Seine Anwälte fordern ein neues Gutachten auf dem Schiffswrack.

          Der Prozess zum Unglück der „Costa Concordia“ gegen Kapitän Francesco Schettino ist nach der Sommerpause fortgesetzt worden. Schettino betrat am Montagmorgen mit seinen Anwälten das Gericht im italienischen Grosseto. Der 52-Jährige sitzt als Einziger wegen der Havarie der Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ auf der Anklagebank. Am heutigen Montag griff er erstmals in den Prozess ein und beschuldigte den indonesischen Steuermann seinen Befehlen nicht korrekt Folge geleistet zu haben. „In dem Moment, als ich dem Steuermann befahl, das Ruder nach links zu drehen, tat er es nicht und das Schiff beschleunigte nach der rechten Seite“, sagte Schettino laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa vor Gericht.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Die Verteidigung des ehemaligen Kapitäns hat bereits auf die Fehler des indonesischen Steuermanns hingewiesen und darauf gedrängt, die Ermittlungen auch in dieser Richtung durchzuführen.

          Expertengutachten an Bord möglich

          Das Schiff war Anfang der vergangenen Woche wieder aufgerichtet worden. Dadurch kann in den Prozess gegen Schettino neue Bewegung kommen. Seine Anwälte und die zivilen Nebenkläger hatten bereits vor der Sommerpause beantragt, eigene Gutachter auf das Wrack zu schicken. “Ein Expertengutachten an Bord der Costa Concordia zu erstellen ist nun möglich. Teile des Schiffes sind nun aufgetaucht und man kann mit der Arbeit beginnen“, sagte der Anwalt Francesco Pepe, der Schettino verteidigt, laut Ansa.Wann das Gericht über den Antrag entscheidet, war zunächst unklar.

          Die „Costa Concordia“ war im Januar 2012 vor Giglio auf einen Felsen gelaufen und teilweise gesunken. 32 Menschen starben bei dem Unglück, darunter zwölf Deutsche. Der 52-jährige Schettino gilt bislang als Hauptverantwortlicher für die Havarie. Er muss sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie dem Verlassen des Schiffs verantworten. Weitere Angeklagte hatten sich mit der Staatsanwaltschaft ohne Prozess auf ein Strafmaß geeinigt.

          Weist alle Schuld weiterhin von sich: der ehemalige Kapitän Francesco Schettino

          Bis zum kommenden Freitag sind täglich Anhörungen angesetzt, ein Urteil wird jedoch erst in einigen Monaten erwartet, bis dahin sollen mehr als 400 Zeugen gehört werden. Schettino nimmt persönlich an allen Prozesstagen teil. In den italienischen Medien ist davon die Rede, dass er die Sommerpause genutzt hat, um die Unterlagen seiner Anwälte intensiv zu studieren.

          Unterdessen gehen am dem Wrack vor der Mittelmeer-Insel Giglio die Bergungsarbeiten weiter. Zudem sollte am Montag oder Dienstag die Suche nach den zwei bis heute vermissten Opfern des Unglücks neu beginnen.

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