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„Costa-Concordia“-Havarie : Betreibergesellschaft räumt Fehler ein

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Militärtaucher auf dem Weg zur havarierten „Costa Concordia“ Bild: AFP

Nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ mit fünf Toten hat die Betreiberfirma Fehler des Kapitäns eingeräumt. Am Sonntag waren zwei weitere Leichen geborgen worden.

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          Die Betreibergesellschaft des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ hat Fehler des Kapitäns eingeräumt. Es habe den Anschein, als ob er eine fehlerhafte Einschätzung vorgenommen habe, indem er zu nah an die Küste gefahren sei und von den Evakuierungsprozeduren abgewichen sei, hieß es laut Medienberichten in einer Erklärung des in Genua ansässigen Unternehmens Costa Crociere am Sonntagabend. Costa äußerte „sein tiefstes Bedauern über diesen schrecklichen Unfall“.

          Am Sonntag waren mehr als 24 Stunden nach der spektakulären Havarie vor der toskanischen Küste haben Taucher die Leichen zweier älterer Männer geborgen, teilte die italienische Küstenwache mit. Sie seien beide mit angelegten Rettungswesten im Restaurant des Schiffs entdeckt worden. Damit steigt die Zahl der Opfer des Schiffbruchs vor der toskanischen Küste auf fünf.

          Am Sonntagmorgen hatten Rettungskräfte noch zwei Überlebende gerettet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa befreite ein Spezialkommando der Feuerwehr in der Nacht zum Sonntag ein koreanisches Paar aus einer Kabine im Rumpf des vor der Insel Giglio auf der Seite liegenden Schiffes. Die beiden 29-Jährigen hätten sich auf Hochzeitsreise befunden, hieß es. Es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut. An Land wurden sie mit einem Krankenwagen in eine Klinik gebracht. Auch ein peruanisches Besatzungsmitglied konnte im weiteren Verlauf des Tages lebend gerettet werden.

          Die italienischen Behörden haben unterdessen die Zahl der Vermissten nach unten korrigiert. Der Verbleib von sechs Besatzungsmitgliedern und elf Passagieren sei ungeklärt, sagte der toskanische Regionalpräsident Enrico Rossi. Einem Bericht der „Augsburger Allgemeinen“  zufolge werden auch zwei Frauen aus Baden-Württemberg vermisst. Sie sollen einer 41-köpfigen Reisegruppe angehört haben, von der nur 39 Teilnehmer wieder nach Deutschland zurückgekehrt waren. Allerdings bleibt unklar, ob die Vermissten nach der Hektik des Unglücks womöglich auf eigene Faust zurückgekehrt waren oder sogar noch in Italien sind.

          Das Außenministerium hatte am Sonntag von „einigen ungeklärten Fällen“ aus Deutschland gesprochen. Dabei könne es sich unter anderem um Menschen handeln, die kein Telefon hätten oder nach dem Unglück verwirrt seien. Die Lage an dem havarierten Kreuzfahrtriesen vor der Toskana war auch am Sonntag noch immer unübersichtlich.

          Die „Costa Concordia“ war am späten Freitagabend mit mehr als 4200 Menschen an Bord auf einen Felsen vor der Insel Giglio gelaufen. Nach starkem Wassereinbruch neigte sich das Schiff und kippte schließlich auf die Seite. Bei der Evakuierung spielten sich nach Angaben von Passagieren chaotische Szenen ab. Mindestens drei Menschen starben, 60 wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Auch etwa zehn deutsche Passagiere erlitten nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft leichte Verletzungen.

          Nach über 24 Stunden können dieser Koreaner und ... Bilderstrecke

          Kapitän Francesco Schettino wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Herbeiführung eines Schiffbruchs. Der genaue Unfallhergang ist nach wie vor unklar.

          Die mehr als 560 deutschen Passagiere der „Costa Concordia“ kehrten nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft am Samstagabend nach Deutschland zurück. Sie seien mit Linienmaschinen der Lufthansa in München oder Frankfurt gelandet und zum Teil von dort weiter in ihre Heimatorte geflogen, sagte Costa-Sprecher Werner Claasen. „Wir haben die Privatsphäre der Leute gewahrt und viele auf Wunsch abgeschirmt aus den Airports bringen lassen. Die wollten einfach nur nach Hause.“

          Widersprüchliche Angaben zum Ablauf der Havarie konnte auch die Reederei Costa Crociere in Genua bislang nicht aufklären. Zu viele Fragen seien noch nicht zu beantworten, teilte sie am Abend mit.

          Kapitän Schettino hatte gesagt, die „Costa Concordia“ sei auf dem Weg von Civitaveccia nach Savona über einen in nautischen Karten nicht verzeichneten Felsen geschrammt. Anschließend habe man das Schiff möglichst dicht an die Insel Giglio heranmanövriert, um die Rettungsmaßnahmen zu erleichtern.

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