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Costa Concordia : „Das war ein Arbeitsunfall“

  • -Aktualisiert am

Francesco Schettino vor dem Gerichtsgebäude in Grosseto Bild: dpa

Kapitän Francesco Schettino muss sich nach der Katastrophe der Costa Concordia in mehreren Anklagepunkten verantworten. Sein Anwalt bezeichnet das Unglück als Arbeitsunfall und wirft der Öffentlichkeit vor, Schettino als Alleinschuldigen brandmarken zu wollen.

          Knapp 15 Monate nach der Schiffskatastrophe der Costa Concordia vor der toskanischen Insel Giglio haben am Montag im toskanischen Grosseto die ersten Voranhörungen begonnen. Dabei müssen die Richter über den Antrag der Staatsanwaltschaft entscheiden, gegen sechs Beschuldigte einen Prozess zu eröffnen.

          Vor allem der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes, Francesco Schettino, muss sich wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, wegen fahrlässig herbeigeführter Havarie und wegen vorzeitigen Verlassens des Schiffes verantworten.

          32 Menschen kamen ums Leben

          Die Staatsanwaltschaft hatte im Februar aber auch die Eröffnung von Prozessen gegen zwei Schiffsoffiziere gefordert, den indonesischen Steuermann, den Costa-Krisendirektor und den Hotelmanager des Schiffes. Die Anhörungen sind bis in den Juli terminiert. Ob Prozesse eröffnet werden, wird wohl erst im Frühherbst entschieden sein.

          Am 13. Januar 2012 hatten der Kapitän und der Steuermann die 290 Meter lange Costa Concordia zu nah an die Insel herangefahren. Das Schiff war gegen einen Felsen gefahren, leck geschlagen und dann an der Insel auf ein Riff gelegt worden.

          Von den 4.200 Personen an Bord kamen 32 ums Leben, unter ihnen zwölf Deutsche; zwei Vermisste wurden nie gefunden. Seither wird das gekenterte Wrack so gesichert und ausbalanciert, dass es im Herbst in einem Stück aufgerichtet und abtransportiert werden kann.

          Einer der besten Kapitäne

          Der bald nach der Katastrophe von seiner Reederei entlassene Kapitän erschien am Montagmorgen zwar braun gebrannt, aber mit betretener Mine vor dem Gericht, das im Großen Theater der Stadt tagt. Schettino äußerte sich nicht. Sein Anwalt sagte: „Hier wird grausam gegen einen Mann vorgegangen, der nur seine Arbeit gemacht hat. Man muss die Sache als Arbeitsunfall sehen.“

          Die Öffentlichkeit sei darauf aus, seinen Mandanten als einzig Schuldigen zu brandmarken. Auch die Reederei mache es sich mit dieser Beurteilung bequem, sagte der Anwalt. Schettino sei einer ihrer besten Kapitäne gewesen, er habe das Schiff geschickt vor dem Sinken bewahrt und es auch nicht fluchtartig verlassen.

          Allerdings sei dem Steuermann vorzuwerfen, dass er sich vor dem Unglück nicht an die Befehle des Kapitäns gehalten habe, ergänzte Schettinos Anwalt. Mehr als 200 Überlebende und Angehörige der Opfer sowie die Insel-Kommune Giglio und Umweltverbände wollen im Prozess als Nebenkläger auftreten.

          Ein Anwalt französischer Hinterbliebener sagte: „Meine Mandanten wollen verstehen, was sich tatsächlich ereignete und wer daran die Schuld trägt.“ Giglio verlangt 80 Millionen Euro für die Schäden, die der Gemeinde entstanden. Ein Opfer-Anwalt kündigte an, 500.000 Euro Schadensersatz für jeden Betroffenen zu fordern.

          Viele haben jedoch schon ein pauschales Entschädigungsangebot der Reederei von etwa 11.000 Euro angenommen. Gegen die Kreuzfahrtgesellschaft wird es kein Verfahren geben. Sie hatte sich in der vergangenen Woche mit dem Gericht auf einen Vergleich geeinigt und damit ihre Mitschuld anerkannt. Sie muss eine Strafe von einer Million Euro für das Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter zahlen.

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