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Schiffsunglück : Schettino sagt zur Havarie der „Concordia“ aus

  • -Aktualisiert am

Rechtfertigt sich: Francesco Schettino am Dienstag vor Gericht Bild: AFP

Er ist wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung angeklagt. Doch vor Gericht sieht der „Costa Concordia“-Kapitän seine Kursänderung als richtig an. Er wollte „drei Fliegen mit einer Klappe schlagen“.

          Der frühere Kapitän Francesco Schettino hat am Dienstag vor dem Gericht im toskanischen Ort Grosseto die Kursänderung der „Costa Concordia“ gerechtfertigt. Auch aus wirtschaftlichen Gründen habe er den Kreuzfahrtriesen so nah an die Insel Giglio gelenkt, sagte der 54 Jahre Schettino knapp drei Jahre nach der Havarie am 13. Januar 2012 bei seiner ersten Aussage zur Sache.

          Er habe die Reederei nicht über den Kurs informieren müssen, denn die „Verbeugung“ vor Giglio sei als Attraktion für die Reisenden üblich gewesen: „Ich wollte drei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, sagte Schettino, der im grauen Anzug und mit Sonnenbrille in das zum Gerichtssaal umgebaute Teatro Moderno gekommen war.

          Er habe auch einem befreundeten Kapitän von Giglio die Ehre erweisen und einem früheren Steward von dort einen Gefallen tun wollen. Es sei ihm hingegen nicht darum gegangen, Domnica Cemortan zu beeindrucken. Die Moldauerin Domnica Cemortan war die Geliebte des Kapitäns - ein Gratisgast in Schettinos Kabine. Sie soll auf der Brücke gewesen sein, als das Unglück geschah. Anderen dort und in der Leitzentrale warf Schettino vor, sie hätten ihn nicht gewarnt.

          Ausgerutscht und in ein Rettungsboot gefallen

          Schettino muss sich unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und wegen des vorzeitigen Verlassens seines Schiffes in Seenot rechtfertigen. 4200 Menschen waren an Bord, als die „Costa Concordia“ vor der Insel an einem Felsen leckschlug. Schettino lenkte daraufhin das Schiff noch näher an die Insel direkt vor den Hafen, wo es kenterte und sich auf den felsigen Ufergrund legte.

          32 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, unter ihnen zwölf Deutsche. Schettino hatte das Schiff verlassen, als noch nicht alle Passagiere geborgen waren. Er sei ausgerutscht, in ein Rettungsboot gefallen und dann an Land geblieben, um von dort die Bergung zu koordinieren, rechtfertigte er sich. Im Sommer war das Wrack der „Costa Concordia“ zum Verschrotten in das 350 Kilometer entfernte Genua geschleppt worden.

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