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Concorde-Prozess : Zehn Jahre Warten auf das Ende der Trauer

Bild: afp

Vor knapp zehn Jahre stürzte der legendäre Überschalljet Concorde kurz nach dem Start in Paris ab. 113 Menschen, unter ihnen 97 deutsche Urlauber, kamen ums Leben. In Paris hat am Dienstag der Strafprozess begonnen, der klären soll, wie es zu der Katastrophe kam.

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          Am 25. Juli 2000 kommt es am Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle zu einer Reihe von Zufällen - manche harmlos, andere tragisch. Zu den harmlosen gehört, dass der damalige Präsident jener Republik, die so stolz war auf ihr Überschallflugzeug, zwei Minuten vor dem Abflug der Todesmaschine in unmittelbarer Nähe in einem anderen Passagierflugzeug landete. „Zu ihrer Linken können sie gleichen den Start der Concorde miterleben“, meldete der Pilot des Flugzeugs von Jacques Chirac und seiner Frau Bernadette. Es sollte ein ebenso kurzes wie trauriges Schauspiel werden.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Kurz nach dem Start schlagen lange Flammen aus den Treibstofftanks des linken Flügels. Der Chefpilot Christian Marty versucht, die brennende Maschine zum nahegelegenen Flughafen Le Bourget zu steuern, doch nicht einmal zwei Minuten nach dem Start gibt er die lakonische Meldung „zu spät“ an den Tower von Roissy durch. Die Maschine stürzt mit hundert Passagieren und neun Besatzungsmitgliedern auf ein Hotel bei der Kleinstadt Gonesse, 16 Kilometer nördlich von Paris. 113 Menschen kommen ums Leben, alle Insassen und vier am Boden. 97 Opfer kamen aus Deutschland; sie wollten von New York aus an einer Kreuzfahrt teilnehmen. Welche Zufälle führten zu dem Absturz? Das soll ein Strafverfahren herausfinden, das am Dienstag im Pariser Vorort Pontoise eröffnet wurde.

          Continental Airlines auf der Anklagebank

          Auf der Anklagebank unter dem Vorwurf des Totschlags ohne Tötungsabsicht sitzt nicht die französische Fluggesellschaft Air France, die den Concorde-Flug angeboten hatte, sondern der amerikanische Konkurrent Continental Airlines mit zweien seiner Mitarbeiter. Angeklagt sind auch zwei frühere Angestellte des Concorde-Herstellers Aérospatiale und ein ehemaliger Direktor der französischen Luftfahrtbehörde DGAC.

          Wann genau geriet das Flugzeug in Brand? Die startende Unglücks-Concorde am 25. Juli 2000.

          Die Staatsanwaltschaft hat sich nach fast zehn Jahre langen Untersuchungen die Theorie der staatlichen französischen Unfallanalyse-Behörde BEA zu eigen gemacht. Danach fuhr die Concorde mit der Flugnummer AF 4590 am Nachmittag des 25. Juli 2000 auf der Startbahn über eine rund 40 Zentimeter lange und vier Kilogramm schwere Titan-Lamelle, die wenige Minuten zuvor eine DC 10 von Continental beim Start verloren hatte. Das Metallteil zerschlug die Reifen, und die Kautschukfetzen durchdrangen die Kerosintanks; aus diesen floss der Treibstoff, der sich sofort entzündete und die Triebwerke außer Kraft setzte, so die Anklage.

          Die Verteidigung von Continental dagegen zitiert 25 Zeugen, unter ihnen Flugkapitäne und Feuerwehrleute, die gesehen haben wollen, wie sich das Flugzeug schon mindestens 700 Meter vor Erreichen des Metallteils brannte. Nach ihrer Theorie wurde der Reifen schon beim Überfahren eines Spalts in der Startbahn beschädigt. Dies gelte umso mehr, als die Concorde rund 1,5 Tonnen schwerer war als erlaubt. Zudem hätten die Mechaniker vor dem Start die Montage eines Abstandhalters im linken Fahrgestell vergessen. Eine Schutzvorkehrung gegen das Eindringen von Wasser habe sich losgerissen und die Kerosintanks beschädigt, behauptet die Verteidigung. Air France bestreitet nicht das Fehlen des Abstandhalters, meint jedoch, dass dies nicht zum Unfall führte.

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