https://www.faz.net/-gum-olol

Columbia-Absturz : Der besorgte Blick zum Himmel

  • -Aktualisiert am

Die letzten Bilder der Columbia Bild: dpa

Vor einem Jahr stürzte die Raumfähre "Columbia" ab - jetzt faßt die Nasa langsam wieder Tritt. Neue Raumflüge sind zum Ende des Jahres geplant - in zeitlicher Nähe zum amerikanischen Wahlkampf.

          7 Min.

          Vor einer Stunde ist die Sonne über dem hügeligen, bewaldeten Osten Texas' aufgegangen. Es ist schneidend kalt, aber klar. Flugzeuge glänzen als kleine silbrige Punkte im Sonnenlicht am Himmel; sie ziehen lange, gleißend weiße Kondensstreifen hinter sich her. Am frühen Morgen des 1. Februar 2003, es war ein Samstag, sei es auch so kühl und klar gewesen, erinnert sich Don Redfern. Er war damals mit dem Auto auf dem Weg in die Kreisstadt Nacogdoches unterwegs. Aus dem Wagenfenster nahm er einen besonders dicken Kondensstreifen wahr, dachte sich aber zunächst nichts dabei. Als er dann mehrmals ein Grollen und schließlich einen dumpfen Knall hörte, habe er wieder in den Himmel geblickt. Der Kondensstreifen hatte eine Zickzackform angenommen, und Redfern sah, daß er in mehrere Teile zerfallen war, die zur Erde wiesen.

          Auf John Andersons Grundstück an der Landstraße 155 weht noch heute das Sternenbanner auf halbmast. Der 60 Jahre alte ehemalige Ingenieur saß an jenem Morgen vor einem Jahr am Frühstückstisch, als auch er das Grollen hörte. Kurz darauf sahen er und seine Frau erschreckt, wie auf ihrem gepflegten Rasen qualmende Trümmer niedergingen. "Wir sind hinausgelaufen", berichtet Anderson, "und sahen, wie verglühende Metallteile und schwarze, fast rechteckige Objekte den Rasen ansengten." Auch auf dem asphaltierten Hof der Grundschule von Nacogdoches regnete es damals Trümmer. Der Sheriff des Landkreises, Thomas Kerss, erinnert sich, wie kurz nach acht Uhr morgens auf einmal die Telefone in seiner Einsatzzentrale nicht mehr zu klingeln aufhörten. Überall aus dem Kreis meldeten Einwohner, daß verkohlte, qualmende Trümmer vom Himmel gefallen seien.

          „Roger“, dann Funkstille

          Noch wußten weder der Sheriff noch Don Redfern, was passiert war. Lediglich John Anderson hatte eine Vermutung, die er aber nicht auszusprechen wagte. Er hatte oft die Ausstellungen der Weltraumbehörde Nasa in Houston besucht. Vor allem die Hitzekacheln der Raumtransporter faszinierten ihn. Die schwarzen, eckigen Objekte, die nun auf seinem Rasen lagen, so sagte er seiner Frau mit Schaudern, sähen diesen Kacheln furchtbar ähnlich. Selbst im Kontrollzentrum der Nasa in Houston waren sich die Techniker in den Minuten kurz nach acht Uhr noch nicht darüber im klaren, was geschehen war.

          Die Raumfähre "Columbia" sollte an jenem Morgen nach einem sechzehn Tage langen Orbitalflug in Florida landen. Von Houston aus hatten die Nasa-Fachleute das Schiff scheinbar sicher aus seiner Umlaufbahn in einem weiten Bogen über den Ostpazifik und dann über die Bundesstaaten Kalifornien, Nevada, Arizona, Neu-Mexiko und den Westen von Texas geleitet. Als die "Columbia" in einer Höhe von 63 Kilometern die Stadt Dallas südlich überflog, brach die Funkverbindung ab. "Roger", die Formel zur Bestätigung eines Funkkontaktes, war das letzte Wort, das Shuttle-Kommandant Rick Husband sagte. Danach herrschte Funkstille.

          Überall improvisierte Kreuze

          Wenige Minuten später hatte die Nachricht vom endgültigen Schweigen die Redaktionen und Fernsehstudios überall auf der Welt erreicht. Die Raumfähre "Columbia" war mit sieben Astronauten an Bord verglüht; die bemannte Raumfahrt erlebte die schwerste Katastrophe seit der Explosion des Schwesterschiffes "Challenger" am 28. Januar 1986. Nacogdoches war gleichsam das Epizentrum des Absturzes. Der Trümmerregen ging auf ein Gebiet nieder, das sich in einem in Richtung Ostsüdost verlaufenden, etwa 550 Kilometer langen Streifen zwischen den Großstädten Dallas und Baton Rouge in Louisiana erstreckte. Das insgesamt knapp 40 000 Quadratkilometer große Gebiet hatte die Form einer langgestreckten Ellipse, in deren Mitte der Landkreis Nacogdoches lag.

          Topmeldungen

          Je mehr Privatpatienten in einem Gebiet, desto mehr Ärzte lassen sich dort nieder. Aber liegt das am Geld oder am sozialen Umfeld?

          Gesundheitswesen : Abschaffung der Privatkassen soll Milliarden sparen

          Der Beitrag für jeden gesetzlich Versicherten könnte um 145 Euro im Jahr sinken, wenn die Privatkassen abgeschafft würden. Das behauptet eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Beamte, Ärzte und Wissenschaftler halten die Berechnungen für hanebüchen.
          In verschneiter Landschaft haben Flüchtlinge in Azaz im Norden der syrischen Provinz Idlib Zelte aufgebaut.

          Flüchtlinge in Idlib : Tod in der Kälte

          Hunderttausende Menschen sind im Nordwesten Syriens auf der Flucht vor der Offensive des Assad-Regimes. Gefahr droht ihnen inzwischen auch von der Kälte: Die Menschen erfrieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.