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Busunglück von Madeira : Das Gaspedal oder die Bremsen

Neben einem Versagen der Bremsen wurde auch über eine Blockade des Gaspedals spekuliert. Die Regionalregierung warnte aber vor voreiligen Schlüssen. Der Bus sei etwa fünf Jahre alt und regelmäßig inspiziert worden. Das Unternehmen hat auf der Insel einen guten Ruf. Der verletzte 55 Jahre alte portugiesische Fahrer galt als erfahren und hatte keinen Alkohol im Blut, wie die Zeitung „Diário de Notícias da Madeira“ berichtete. Der portugiesische Ministerpräsident António Costa versprach, dass nach der Versorgung der Opfer und ihrer Angehörigen, alles getan werde, um „die Ursachen zu finden, damit dieser Unfall absolut geklärt werden kann“.

„In Rekordzeit“ noch Schlimmeres verhindert

Die portugiesische Regierung ordnete für das ganze Land bis zu diesem Samstag Staatstrauer an – als Zeichen der Solidarität und des Mitgefühls mit Deutschland, in diesem „für alle sehr traurigen Moment“, wie es Regierungschef Costa formulierte. Außenminister Maas brachte Psychologen und Ärzte aus Berlin mit; am Morgen war der deutsche Botschafter aus Lissabon auf der Insel angekommen. Nach Angaben des lokalen Katastrophenschutzes habe eine Reaktion „in Rekordzeit“ noch Schlimmeres verhindert. In der Klinik in Funchal meldeten sich viele Ärzte und Pfleger freiwillig zum Dienst. Ilse Berardo, Pastorin der deutschsprachigen lutherischen Gemeinde auf Madeira, lobte in Interviews die große menschliche Wärme, die Rettungskräfte und Krankenhauspersonal den Betroffenen entgegengebracht hätten. Am Karfreitag wurde am Nachmittag in einem Gottesdienst in der Presbyterianischen Kirche Opfern und Überlebenden besonderer Trost gespendet.

Maas bedankte sich für die „großartige Zusammenarbeit in einer ganz schwierigen Zeit“. Man arbeite „mit Hochdruck“ daran, die transportfähigen Verletzten nach Hause zu bringen und die Toten zu identifizieren. Um dabei keine Fehler zu machen, hatte er Beamte des Bundeskriminalamts nach Madeira mitgebracht. Erst wenn alle Angehörigen der Opfer, die nach portugiesischen Angaben zwischen 40 und 60 Jahre alt waren, informiert sind, wird es endgültige Zahlen geben. 51 Insassen des Busses hatten laut Agenturberichten ihre Reise über einen Frankfurter Anbieter gebucht, zwei bei einem Duisburger Reisebüro. An Bord des verunglückten Fahrzeugs war zudem die 30 Jahre alte portugiesische Reiseleiterin, die zu den insgesamt 27 Verletzten zählte.

Am Karfreitag kehrte langsam wieder der Alltag nach Caniço zurück. Bis Ende der sechziger Jahre war das Dorf an dem steilen Abhang über dem Atlantik ein kleines Fischernest. Dann entdeckten Touristen und Hoteliers den kleinen Ort. Unter ihnen waren auch viele Deutsche. An der Estrada Ponta da Oliveira, die zur Unfallstelle hinaufführt, stößt man auf „Klenks Café“. Nicht weit entfernt steht eine frühere deutsche Brauerei zum Verkauf. Auf der Insel haben sich etwa 400 Deutsche niedergelassen. Viele boten ihre Hilfe an und sprangen als Übersetzer für ihre Landsleute ein.

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Unser Sprinter-Autor: Thomas Holl

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