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Busunglück in Italien : Tiefer Sturz in den Tod

  • -Aktualisiert am

Verheerendes Bild: Die ganze Nacht hindurch versuchten Rettungskräfte Überlebende zu bergen Bild: AP

Eine Pilgerreise endet für 38 Menschen in Italien tödlich. Ihr Bus rammt mehrere Autos und stürzt 30 Meter tief von einer Brücke. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

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          Es waren Mitglieder einer Großfamilie, deren Freunde und viele Kinder, insgesamt 50 Menschen, die ein Sommer-Wochenende im Badeort Telese Terme in der süditalienischen Region Kampanien verbracht hatten und zum Schluss die Kirche des italienischen Nationalheiligen Padre Pio in Pietrelcina besuchten. Sie waren auf dem Heimweg nach Pozzuoli und anderen Nachbarorten Neapels, als ihr Bus am Sonntagabend um 20.30 Uhr auf der Autobahn 16 zwischen Avellino und Neapel außer Kontrolle geriet, mehrere Wagen an einem Stauende streifte, über die Leitplanke schoss und mitsamt des offenbar brüchigen Betons vom Straßenrand etwa 30 Meter tief in schwer zugängliches Gelände stürzte. Dabei kamen 39 Menschen, unter ihnen der Fahrer und drei Kinder, ums Leben. Acht Erwachsene und drei Kinder wurden schwer verletzt, drei befanden sich am Montag noch in Lebensgefahr.

          Italien steht unter Schock. Ministerpräsident Enrico Letta sagte bestürzt, dies sei „ein trauriger Moment für Italien“, und legte vor seiner Beteiligung an einer EU-Konferenz zur Finanzkrise eine Schweigeminute ein: „Ich habe keine Worte mehr.“ Staatspräsident Giorgio Napolitano sprach von einem „unakzeptablen Unglück“, das alle Verantwortlichen dazu verpflichte, unverzüglich „mehr für die Sicherheit auf den Straßen“ zu tun.

          Was genau geschah, sei freilich noch immer nicht ganz klar, sagte am Montag einer der führenden Feuerwehrleute, Alessio Barbarulo. „Als unsere Leute gestern Abend kurz vor neun an der Stelle ankamen, wo die Leitplanke auf einem Viadukt durchbrochen war, sahen sie im Dunkel kaum etwas. Aber sie hörten die Schreie und das Wimmern von Menschen in der Tiefe, ahnten das Wrack des Busses und wollten so schnell wie möglich helfen. Aber es war gar nicht so leicht, da runterzukommen.“ Als Erste hätten sie fünf Kinder geborgen, die verletzt, blutend und verschreckt aus hinteren Bussitzen durch zerborstene Fenster ins Freie gelangt seien. Im Krankenhaus berichtete ein Augenzeuge, wie im Rückspiegel „plötzlich Autos hinter uns in die Höhe sprangen und auf uns herunter zu regnen schienen“. Der Bus habe offenbar die Autos vor sich angeschoben, beschleunigt und zum Fliegen gebracht, sagte der Mann. „Ich hatte schon mit dem Leben abgeschlossen, als der Bus seitwärts an uns vorbeiraste, und dann war er weg.“

          Die Feuerwehrleute und andere Einsatzkräfte waren noch bis spät in der Nacht im Einsatz, um die zum Teil eingequetschten Menschen zu retten und die Toten zu bergen. Sie wurden in der Gemeinde-Sporthalle von Monteforte Irpino bei Avellino aufgebahrt, um von Verwandten identifiziert zu werden. Unter den Toten ist auch der Fahrer. Die Staatsanwaltschaft von Avellino eröffnete ein Verfahren wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Die Polizei ermittelt „in jede Richtung“. Der Fahrer verlor womöglich die Kontrolle über den Bus, weil ein Reifen geplatzt war. Einer der Passagiere will beim Einsteigen bemerkt haben, dass die Reifen kaum noch Profile gehabt hätten. Zu dem Verdacht passt auch die Aussage eines Mädchens aus der Reisegruppe, das gesehen haben will, wie vor der Katastrophe der Teil eines Reifens abgeplatzt und auf die Fahrbahn geschleudert worden sei. Der Fahrer habe wohl abzubremsen versucht, aber vergeblich. Laut Polizei fehlen jedoch Bremsspuren.

          Der Reisebus stürzte mehr als 30 Meter hinab Bilderstrecke
          Der Reisebus stürzte mehr als 30 Meter hinab :

          Der Bus rammte mehrere Autos, wobei weitere 14 Menschen meist leicht verletzt wurden. Dann schrammte er an einer Betonmauer entlang und durchbrach schließlich die Leitplanke. Die Polizei hält es für möglich, dass der Fahrer wegen plötzlichen Herzversagens die Kontrolle verlor. Noch am Montag sollte der Leichnam des Fahrers auf Alkohol und Rauschgift untersucht werden. Auch wurden die Papiere des Unfallbusses beim Busunternehmen Mondotravel beschlagnahmt. Zudem wird auf den Verdacht hin ermittelt, die Autobahn sei nicht ausreichend abgesichert gewesen. Es könnte sein, hieß es am Montag, dass der Straßenrand nicht zuletzt durch die Hitze der letzten Tage aufgeweicht gewesen sei. Womöglich seien auch die Leitplanken an der abschüssigen Stelle nicht ausreichend stark und hoch genug. Dazu kündigte Infrastrukturminister Maurizio Lupi eine Untersuchung an. Später am Montag sollte die Straße an der Unglücksstelle wieder für den Verkehr geöffnet werden.

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