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Känguru-Insel in Australien : Eine Insel versinkt in den Flammen

Bild des Schreckens: Auf der australischen Känguru-Insel kamen durch die Buschfeuer Tausende Koalas zu Tode. Bild: Imago

Das „Galapagos“ von Australien steht vor der Vernichtung. Die Hälfte der 50.000 Koalas auf der Känguru-Insel könnte verendet sein.

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          Aufgrund der Buschfeuer blicken in diesen Tagen viele Menschen in Australien voller Sorge in den Süden und Südosten des Landes. Dort liegt südlich von Adelaide auch die Känguru-Insel, die für ihre üppige Vegetation und reiche Tierwelt bekannt ist. Sie ist darum auch als „australische Galapagos-Insel“ bekannt.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Doch auch dieses Naturparadies wird von verheerenden Feuern heimgesucht. Mindestens ein Drittel der Insel wurde schon zerstört. Zahlreiche Koalas, Kängurus und Emus sind in den Flammen umgekommen. Ein Video, auf dem zwei Jugendliche diverse Koalas in ihrem Auto retten, kursierte in den vergangenen Tagen vielfach in den sozialen Netzwerken.

          Auf der Insel ist möglicherweise die Hälfte der etwa 50.000 Koalas im Feuer zu Tode gekommen. Das ist ein besonders schwerer Schlag, da die Tiere dort nicht unter Chlamydien leiden, einer Geschlechtskrankheit, die sich in anderen Gebieten zu einer Epidemie entwickelt hat. Auf der Insel leben auch rund 4500 Menschen.

          Victoria verlängert Notstand

          Zwei Männer, ein Pilot und sein Sohn, ein bekannter Chirurg, kamen bislang ums Leben. Sie hatten tagelang gegen das Feuer angekämpft. Auf dem Weg zurück zu ihrem Grundstück waren sie offenbar im Auto von den Flammen überrascht worden. Nun werden weitere Anwohner von der Insel gebracht. Im Ort Parndana gingen laut Agenturen Soldaten von Tür zu Tür, um die Bewohner aufzufordern, ihre Häuser zu verlassen.

          Sowohl auf der Känguru-Insel als auch in den anderen Gebieten, in denen es brennt, werden für diesen Freitag Katastrophenzustände erwartet. Die Temperaturen sollen wieder auf mehr als 40 Grad steigen. Hinzu kommen starke Winde, die zur Ausbreitung der Brände beitragen können. Der Bundesstaat Victoria hat darum den Notstand, der an diesem Freitag auslaufen sollte, um 48 Stunden verlängert.

          „Wir haben das gemacht, weil wir glauben, dass es Leben retten wird, und das ist schließlich die wichtigste Sache“, sagte der Ministerpräsident von Victoria, Daniel Andrews. Er rief die Bürger dazu auf, sich den Anordnungen nicht zu widersetzen: „Wenn Sie Anweisungen bekommen zu gehen, dann müssen Sie gehen.“ Es sei gefährlich, in den Ortschaften zu bleiben. „Wir können Ihre Sicherheit nicht garantieren.“

          Polizistin klopft an das Fenster einer Anwohnerin. Die Polizei hat die Evakuierung aller Bewohner von Vivonne Bay als Vorsichtsmaßnahme angeordnet.

          Ein Regierungschef in der Kritik

          Auch Wochen nach Ausbruch der ersten Feuer ist keine Entspannung in Sicht. Nach Ansicht australischer Forscher wird es im Zuge der globalen Erwärmung künftig häufiger zu solchen Extremsommern kommen. Laut dem jährlichen Bericht des Wetteramts, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, war das Jahr 2019 das wärmste und das trockenste in Australien seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur lag im vergangenen Jahr um 1,52 Grad über dem langjährigen Mittel. Der Niederschlag lag 40 Prozent unter dem Durchschnitt.

          Die Brände haben verheerende Folgen. Bislang sind nach offiziellen Angaben 27 Personen ums Leben gekommen. Mehr als 2130 Häuser wurden zerstört. Die Brandfläche erstreckt sich auf mehr als zehn Millionen Hektar. „Morgen wird ein sehr schwerer Tag für die Staaten im Osten“, sagte Regierungschef Scott Morrison am Donnerstag. Morrison ist für seine Reaktion auf die Krise in die Kritik geraten.

          Bei einem Besuch auf der Känguru-Insel hatte er sich am Tag zuvor erleichtert darüber gezeigt, dass es keine Todesopfer gegeben habe. Als er darauf hingewiesen wurde, dass es doch zwei zivile Opfer gab, korrigierte er sich und behauptete, er habe Feuerwehrleute gemeint.

          Abgebrannte Tierstation

          Auf der Insel ist vor allem die einzigartige Natur betroffen. Wegen ihr lebt auch die Deutsche Katja Linke seit mehr als 20 Jahren auf der Insel, sie betreibt dort eine Tierstation. Nach Angaben ihres Bruders Kai Linke war ihr Haus schon am Samstag von der Katastrophe getroffen worden. „Das Haus ist komplett zerstört“, berichtete der Bruder telefonisch aus Adelaide. Kühlschrank und Ofen seien geschmolzen.

          Die Schwester und ihre Familie seien zum Glück aber schon am Abend zuvor in Sicherheit gebracht worden. Dabei habe sie nur einen sehr kleinen Teil der Tiere mitnehmen können. Einige andere seien verendet. Seine Schwester sei mit Familie bei Freunden untergekommen, musste aber wegen sich nähernden Flammen wieder umziehen. „Es herrscht Chaos auf der Insel“, sagte Kai Linke.

          Auf der Insel seien auch mehrere Farmen abgebrannt. Sie hätten Tausende Schafe und Kühe verloren. Ein Teil des Viehs musste erschossen werden. Besonders schlimm seien die Folgen für die Wildtiere. In manchen Gebieten der Insel hänge kein grünes Blatt mehr an den Bäumen, verkohlte Koalas und Kängurus lägen auf der Straße. Kai Linke sammelt nun über die Crowdfunding-Plattform „GoFundMe“ Spenden, damit seine Schwester ihre Station wieder aufbauen kann.

          Nach einer Schätzung der Universität von Sydney sind mehr als eine Milliarde Tiere in Australien von den Bränden betroffen. Der Forscher Chris Dickman hatte die Zahl zunächst auf 480 Millionen Tiere geschätzt. Nun hat er seine Schätzungen heraufgesetzt. Er sagte dem Sender NPR, das „monströse Ereignis“ sei auf den Klimawandel zurückzuführen. Es gebe einen Vorgeschmack darauf, was auch anderen Weltgegenden in Zukunft blühen könnte.

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