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General über Flutkatastrophe : Helfer hatten anfangs kein gutes Bild der Lage

Nach der Katastrophe: Soldaten räumen am 16. Juli 2021 in Hagen mit auf. Bild: dpa

Hilfe in Katastrophenfällen muss aus Sicht von General Schelleis besser koordiniert werden. Er sieht „erheblichen Handlungsbedarf zur Verbesserung der Führungssysteme“.

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          Der Nationale Territoriale Befehlshaber der Bundeswehr Martin Schelleis sieht erhebliche Mängel bei der Koordinierung der jüngsten Katastropheneinsätze in Flut- und Hochwassergebieten. Der Generalleutnant, der auch den gesamten Corona-Einsatz der Streitkräfte führt, sagte am Dienstag, es gebe „erheblichen Handlungsbedarf zur Verbesserung der Führungssysteme“. Bei den katastrophalen Ereignissen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hätten die zivilen und uniformierten Helfer anfangs kein gutes Bild der Lage gehabt und dadurch sei die Hilfe dem entsprechend schlecht koordiniert gewesen. Inzwischen habe sich das aber sehr verbessert.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Schelleis, der auch Inspekteur der Streitkräftebasis ist, begrüßte Erwägungen, auf Bundesebene eine „zentrale Koordinierungsplattform“ zu schaffen. Zudem sei, was er schon in der Corona-Krise gesagt hatte, ein „gesamtstaatliches Konzept der Krisenvorsorge“ nötig, für Gesundheitskrisen ebenso wie für die Schwerwetter-Ereignisse, aber auch für andere, zu bestimmende Fälle. „Wir haben eine Menge, aber wir müssen es besser vernetzen“, sagte der General. In einem Tagesbefehl an die Soldatinnen und Soldaten hatte er geschrieben: „Wo die Bundeswehr mit Großgerät und Personal anrückt, steigen Hoffnung und Zuversicht. Das ist eine wichtige Rückenstärkung gerade für diejenigen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen und alles verloren haben.“

          Gespräche mit THW

          Schelleis sagte, er sei bereits in direktem Gespräch mit dem Präsidenten des Technischen Hilfswerkes (THW). Mit seinen blauen Fahrzeugen stehen für Notfälle 1800 feste Angestellte und mehr als 80.000 Freiwillige zur Verfügung. Schelleis sagte, das THW habe „vielfach das in Blau, was wir in Grün haben“, also schweres Gerät, Trinkwasseraufbereitungsanlagen, die Fähigkeit, Behelfsbrücken zu errichten.

          Derzeit baut das THW in Ahrweiler eine Ersatzbrücke, das sei jedoch erst der Anfang, heißt es bei der Organisation, die dem Bundesinnenminister untersteht. Mindestens vier weitere Brücken im Landkreis Ahrweiler seien geplant. Die Bundeswehr hatte unter anderem mit Brückenlegepanzern und Pionierpanzern „Dachs“ im Notgebiet ausgeholfen. Nach wie vor sind nach Schelleis‘ Angaben fast 2000 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, aber auch in Teilen von Sachsen und Bayern. Dazu schweres Gerät und acht Hubschrauber. Schelleis berichtete, dass in der Luft zudem ein weiteres Arsenal von Unterstützung unterwegs gewesen sei, von Aufklärungsdrohnen über Tornado-Jets bis hin zu einem speziell ausgestatteten A400M. Diese Luftaufklärung half, Helfer zu koordinieren.

          Die Bundeswehrsoldaten – bis zu 2300 Soldaten, dazu ziviles Personal und Unterstützungstruppen etwa zur Verpflegung – waren auf Befehl von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im Rahmen eines bundesweiten Militärischen Katastrophenalarms (MiKatAl) aufgerufen worden. Darunter waren auch weit entfernte, besonders qualifizierte Einheiten, wie Spezialpioniere aus dem norddeutschen Husum.

          Zu den Defiziten zählen insbesondere Kommunikationsmittel, der Digitalfunk funktioniert trotz erheblicher Fortschritte nicht flächendeckend. Zudem beklagte Schelleis einen teilweise „spärlichen Informationsfluss“, oftmals sei die Übersicht über aktivierte Feuerwehren und andere Helfer-Einheiten mittels Landkarte und „Fettstift“ geschaffen worden. Die Bürgermeister der betroffenen Orte hätten oft keinen guten Überblick über die Lage haben können. Schelleis sagte, es seien auch noch hunderte Soldatinnen und Soldaten in der Corona-Hilfe tätig, 3250 insgesamt, überwiegend in Impfzentren und Gesundheitsämtern.

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