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Buenos Aires : Ungebremst in den Kopfbahnhof

  • -Aktualisiert am

Mit 26 Kilometern pro Stunde fuhr der Zug in den Prellbock. Bild: REUTERS

Bei einem Zugunglück in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires haben mindestens 50 Menschen ihr Leben verloren, mehr als 670 wurden verletzt.

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          „Der Zug fuhr mit voller Geschwindigkeit ein“, berichtet eine Frau, die sich einen Arm gebrochen hat und im Chaos auf dem Bahnhof Once im Zentrum von Buenos Aires einen Arzt sucht. „Es gab einen heftigen Schlag. Ich fiel zu Boden, und die anderen Passagiere stürzten auf mich.“ Der Zug, im morgendlichen Berufsverkehr vollbesetzt, war mit voller Wucht gegen den Prellbock am Gleisende in dem Kopfbahnhof geprallt. Dabei wurden die ersten drei Waggons ineinandergeschoben. Mindestens 50 Menschen kamen ums Leben. Vermutlich mehr als 670 Personen wurden verletzt. Noch Stunden nach dem Unglück waren Passagiere eingeschlossen. Der Lokführer musste von der Feuerwehr aus seiner Kabine befreit werden. An den ersten Waggons öffnete die Feuerwehr das Dach, um an die Eingeschlossenen heranzukommen.

          Der Bahnhof Once

          Der argentinische Verkehrsminister Juan Pablo Schiavi bestätigte, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Bremsversagen Ursache des Unglücks ist. Der Zug sei mit 26 Kilometern pro Stunde in den Bahnhof eingefahren. Die Sicherheitskameras hätten das Unglück aufgezeichnet, das werde die Untersuchungen erleichtern. Passagiere, die unverletzt blieben, berichteten, der elektrische Triebzug habe schon in den vorangegangenen Stationen Probleme beim Abbremsen gehabt. Alle 33 Krankenhäuser von Buenos Aires sind in den Alarmzustand versetzt worden, Dutzende Krankenwagen brachten die Verletzten in die Kliniken. Zu allem Unglück war einer der Krankenwagen beim Transport eines Verletzten in einen Unfall verwickelt.

          Die Katastrophe ist das zweite schwere Eisenbahnunglück binnen weniger Monate im Regionalbahn-Netz von Buenos Aires. Im September waren elf Personen getötet und mehr als 200 verletzt worden, als ein Zug an einer Station einen Omnibus erfasste, der eine halb geöffnete Schranke durchfuhr. Der dabei entgleiste Zug rammte dabei den Zug aus der Gegenrichtung. Vor einem Jahr gab es bei einem Zusammenstoß zweier Personenzüge im Großraum Buenos Aires vier Tote und 50 Verletzte. Insgesamt kam es im argentinischen Eisenbahnnetz innerhalb eines Jahres mindestens zu einem Dutzend Unglücken und Zwischenfällen.

          Verletzte werden aus dem zerstörten Abteil befreit.

          In den meisten Fällen waren technische Mängel an den Lokomotiven und Wagengarnituren oder an den Sicherheitseinrichtungen wie den Schranken und Signalanlagen die Ursache. Das Eisenbahnnetz, das für den Transport Tausender Argentinier zwischen der Provinz Buenos Aires und der Hauptstadt Buenos Aires unentbehrlich ist, befindet sich seit Jahren in einem maroden Zustand. Die Linien wurden bisher vom Staat hoch subventioniert. Die Betreibergesellschaften investierten nur wenig in den Erhalt des Fahrzeugparks und noch weniger in die Modernisierung der Wagengarnituren. Der Unglückszug war 50 Jahre alt. Er sei erst am Tag zuvor untersucht worden, versicherten Techniker. Dabei seien keine Mängel an den Bremsen festgestellt worden.

          Der frühere Verkehrsstaatssekretär Ricardo Jaime, gegen den wegen Korruption verschiedene Gerichtsverfahren laufen, hatte in größerer Zahl gebrauchte Zuggarnituren in Spanien und Portugal gekauft, die sich zum Teil als nicht mehr gebrauchsfähig oder schrottreif erwiesen. Sein Nachfolger Schiavi ist im Auftrag der Regierung der Präsidentin Cristina Kirchner damit befasst, die staatlichen Zuschüsse für die Eisenbahnen zu kappen, um die Staatskasse zu entlasten. Das dürfte für die Benutzer der Regionalbahn-Linien eine drastische Erhöhung der extrem günstigen Tarife bedeuten. Der Staat hat sich auch der bislang von ihm stark bezuschussten „Subte“, der Metro von Buenos Aires, entledigt, sie in die Obhut der Stadtverwaltung übergeben und versucht, die Zahlung der Subventionen einzustellen. Der Streit über die Übergabemodalitäten könnte dazu führen, dass sich die Stadt doch nicht auf den Deal einlässt. Die Tarife hat sie schon auf mehr als das Doppelte erhöht.

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