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Brückeneinsturz in Genua : Betreiber will keine Schuld haben

  • Aktualisiert am

Eingestürzte Brücke in Genua: Wer hat Schuld an dem Unglück? Bild: dpa

Die Betreibergesellschaft der eingestürzten Morandibrücke weist alle Vorwürfe von sich. Dafür nennt sie die Höhe der eingeplanten Investitionen in Genua und der Hilfszahlungen für die Opfer.

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          Die private Betreibergesellschaft Autostrade per l’Italia hat die Verantwortung für den verheerenden Brückeneinsturz von sich gewiesen. „Wir denken nicht, dass die Voraussetzungen vorliegen, Verantwortung für ein Ereignis zu übernehmen, dessen Ursache zunächst noch ermittelt werden muss“, sagte Hauptgeschäftsführer Giovanni Castellucci. In seiner Rolle als Betreiber habe Autostrade stets korrekt gehandelt, beteuerte er. Dennoch wurden 500 Millionen Euro für Investitionen in der Hafenstadt sowie Hilfszahlungen an die Opfer in Aussicht gestellt. Mit diesen Mitteln soll auch die betroffene Brücke wieder aufgebaut werden.

          Experten vermuten, dass der Einsturz durch den Riss eines Tragseils verursacht worden sein könnte. Premierminister Giuseppe Conte hatte bereits am Freitag einen Prozess eingeleitet, um der Betreibergesellschaft ihre Lizenz zum Betrieb der landesweiten Autobahnen zu entziehen. Dazu wollte sich Castellucci zunächst nicht äußern. Er kondolierte dafür den Angehörigen der Opfer und kündigte an, bei der Aufklärung des Unglücks eng mit den Behörden zusammenzuarbeiten.

          Ein bei dem Unglück verletzter Mann ist derweil im Krankenhaus gestorben. Dies bestätigte ein Sprecher des San Martino Hospitals in der norditalienischen Stadt. Damit erhöht sich die inoffizielle Zahl der Todesopfer auf 43. 40 davon sind offiziell bestätigt, drei Leichen müssen über forensische Untersuchungen zunächst identifiziert werden. Ansa hatte am Samstagmorgen berichtet, es handle sich um ein neun Jahre altes Mädchen und seine Eltern. Die drei seien am Dienstag mit dem Auto auf der Morandi-Brücke unterwegs gewesen, als die Straße unter ihnen nachgab.

          Der Samstag wurde zum nationalen Trauertag erklärt. Am späten Vormittag fand eine Trauerfeier für die Todesopfer statt. „Auf Genua schaut derzeit die ganze Welt, in einer großen Umarmung aus Emotionen, Zuneigung und Erwartung“, sagte Erzbischof Angelo Bagnasco. Die Feuerwehrleute wurden bei ihrer Ankunft bei der Feier mit Applaus begrüßt. Zuvor hatte Präsident Sergio Mattarella den Unglücksort in Genua besucht, um den Rettern zu danken. Bei der Zeremonie gab es lediglich 18 Särge: Einige Angehörige von Opfern nahmen aus Protest gegen die Regierung nicht an der Veranstaltung teil, wie Medien berichteten. Andere hielten Trauerfeiern in ihren eigenen Gemeinden ab, wie etwa im piemontischen Alessandria oder im süditalienischen Torre del Greco.

          Nach der Trauerfeier kündigte die italienische Regierung an, weitere 28,5 Millionen Euro Soforthilfe bereitzustellen, zusätzlich zu den am Mittwoch angekündigten 5 Millionen Euro.

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