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Brand in Diskothek in Brasilien : Verbrannt, erstickt, totgetrampelt

  • -Aktualisiert am

Die brasilianische Präsidentin Rousseff verhängte eine Staatstrauer Bild: REUTERS

Als das „Kiss“ in der Universitätsstadt Santa María in Flammen aufgeht, gibt es für mehr als 230 meist junge Tanzende keine Rettung mehr. Mehr als 200 von ihnen sterben in dem Klub.

          Es ging alles sehr schnell. „Als der Sänger der Band aufhörte zu singen, schauten alle hin und warteten darauf, was jetzt kommt, und da brannte auch schon die Decke“, berichtete ein Überlebender der Brandkatastrophe am frühen Sonntagmorgen um 2.30 Uhr in dem Nachtclub „Kiss“ der südbrasilianischen Stadt Santa María. Nach offiziellen Angaben kamen 232 Personen ums Leben, 120 junge Männer und 113 Frauen, mehr als 200 weitere wurden verletzt. Die Band, „Gurizada Fandangueira“, die bei einem Studentenfest aufspielte, hatte ihre Darbietungen für eine pyrotechnische Schau unterbrochen. Auch ein Mitglied der Gruppe kam bei dem Feuer ums Leben.

          Nach Angaben der Polizei ist ein Feuerwerkskörper, der dann die Decke des Raums erreichte, möglicherweise auch von einem Zuschauer gezündet worden. Vor allem das Lärmdämmungsmaterial brannte sofort lichterloh. Flammen und giftige Dämpfe breiteten sich aus. Es kam zu einer Panik. Die meisten Opfer erstickten, viele wurden totgetrampelt. Die Toten wurden mit Militärlastwagen in ein Sportzentrum zur gerichtsmedizinischen Untersuchung und Identifizierung gebracht. Draußen hing eine Liste mit den Namen der bereits identifizierten Opfer. Sie wurde immer länger. Mehr als 100 Menschen sind noch in Krankenhäusern. Die Mehrheit leide an Rauchvergiftung. Etwa ein Fünftel der Verletzten habe bei dem Unglück Brandwunden erlitten, sagte Gesundheitsminister Alexandre Padilha. 30 Patienten seien an Atemgeräte angeschlossen.

          Die Feuerwehr schlug Löcher in die Wände

          Das Lokal hatte offenbar nur einen Ausgang, „der viel zu klein war für so viele Personen“, wie ein Besucher berichtete. Zeugen berichteten zudem, dass die Sicherheitsleute des Nachtclubs am Anfang nur Besucher hätten herauslassen wollen, die auch ihre Rechnung bezahlt hätten. In Brasilien ist es üblich, dass man Eintritt, Getränke und Essen auf einem eigenen Zettel vermerken lässt und erst beim Verlassen der Diskothek bezahlt. Viele Opfer gerieten irrtümlich in die Toiletten, weil sie deren Türen für Notausgänge hielten. Feuerwehrleute, die in das Lokal vordrangen, sahen sich einem Wall toter Körper gegenüber und mussten sich erst einen Weg bahnen. Vor allem die Personen, die sich im sogenannten VIP-Bereich in der Nähe der Tür aufgehalten hatten, konnten sich retten. „Gott sei Dank konnte ich sofort losrennen und war schnell draußen“, sagte eine Fotografin der Zeitung „O Globo“. Sie sollte von der VIP-Ecke aus Fotos machen. „Normalerweise mische ich mich unter die Leute“, sagte sie.

          Fassungslose Trauer: Die Brandkatastrophe von Santa Maria schockiert ganz Brasilien Bilderstrecke

          Auf Bildern vom Brandort in der Rua Andradas 1925 war zu erkennen, dass die Feuerwehr für das Löschen und Bergen große Löcher in die Wand des Gebäudes schlug. „Ich bin 40 Jahre bei der Feuerwehr, aber eine Tragödie solchen Ausmaßes habe ich noch nicht gesehen“, sagte Feuerwehrmann Moisés da Silva Fuchs. Der Eintritt für die Disco-Nacht mit mehreren Bands kostete 15 Reais (5,50 Euro), unter den Gästen waren viele junge Leute, wie es üblich ist in der Studentenstadt.

          Drei Tage Staatstrauer

          Die Betriebsgenehmigung für den Nachtklub war nach inoffiziellen Berichten im August vergangenen Jahres erloschen. Die Zahl der Personen, die sich in der Katastrophennacht in der Diskothek befanden, konnte am Tag danach noch niemand genau angeben. Besucher sprachen von etwa 500 Gästen. Es hieß, die Diskothek biete Platz für bis zu 2000 Besucher. Die Feuerwehr suchte den Sonntag über mit Rettungshunden in den Trümmern des Gebäudes nach weiteren Opfern. Die Verletzten wurden in sechs verschiedene Krankenhäuser gebracht. „Wir haben alles mobilisiert“, sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörden.

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