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Brand im Krefelder Affenhaus : „Ein wirkliches Höllenfeuer“

  • -Aktualisiert am

Zahlreiche Kerzen, Bilder, Plüschtiere und Schilder liegen vor dem Haupteingang des Krefelder Zoos als Zeichen der Trauer. Bild: dpa

In der bundesdeutschen Zoogeschichte gibt es kein vergleichbares Unglück wie den tödlichen Brand im Krefelder Affenhaus. Die Bestürzung ist groß. Das Feuer ist auch ein Rückschlag für Programme zur Erhaltung bedrohter Arten.

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          Strafermittler wie Jens Frobel sind meist hartgesottene Profis. Doch was sich in der Neujahrsnacht in Krefeld ereignete, hat auch den Leiter der örtlichen Staatsanwaltschaft und seine Mitarbeiter bestürzt. „Das hat die Stadt ins Mark getroffen“, sagt Frobel. Bei einem Brand, der gegen 0.30 Uhr in der Nacht zu Mittwoch im Krefelder Zoo auf dem Dach des Affentropenhauses durch eine sogenannte Himmelslaterne ausgelöst wurde, kamen 30 Tiere, unter ihnen fünf Orang-Utans, zwei Flachland-Gorillas, ein Schimpanse und etliche kleinere Primaten ums Leben. Das Affenhaus ist komplett ausgebrannt. Der Sachschaden geht in die Millionen. Hinzu kommt der ideelle Verlust, der kaum taxierbar ist. „Es geht hier um bedrohte Tierarten, von denen es teilweise nur noch wenige hundert oder tausend Exemplare in freier Wildbahn gibt“, sagt Zoo-Sprecherin Petra Schwinn.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          In der bundesdeutschen Zoogeschichte gibt es kein vergleichbares Katastrophenereignis. Der Brand ist zudem ein herber Rückschlag für die diversen Zuchtprogramme zur Erhaltung der bedrohten Arten. Alle Zoos, die bestimmte Arten halten, müssen sich in solchen Programmen zusammenschließen. Die vielfältigen Verflechtungen macht ein Beispiel deutlich: Unter den Affen, die in den sich rasend schnell ausbreitenden Flammen ums Leben kamen, ist auch das 48 Jahre alte Gorillamännchen Massa, dessen Nachkommen in diversen Zoos in ganz Europa leben.

          Gorilla „Massa“ verendete in den Flammen.

          Eine gute Nachricht haben Oberstaatsanwalt Frobel und Kriminalhauptkommissar Gerd Hoppmann, der die polizeilichen Ermittlungen leitet, am Donnerstag aber doch. „Die Tat ist nach nur 36 Stunden aufgeklärt“, sagt Frobel. Möglich war der schnelle Ermittlungserfolg, weil sich unmittelbar nach einer am Mittwoch live übertragenen Pressekonferenz eine 60 Jahre alte Frau gemeinsam mit ihren beiden erwachsenen Töchtern bei der Polizei meldete und umfangreiche Aussagen machte. Gegen die drei wird wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Dass die Frauen sich umgehend gestellt haben, sei „hochanständig“ und sehr couragiert, lobt Hoppmann. Gerade auch, weil sie befürchten, angefeindet und bedroht zu werden. Tatsächlich kursieren im Internet einschlägige Kommentare gegen die Mutter und ihre beiden Töchter. Detaillierte Angaben, die Rückschlüsse auf die Wohnadresse der drei beschuldigten Frauen ermöglichen könnten, machen Polizei und Staatsanwaltschaft deshalb nicht. Zum Tatablauf selbst aber geben Hoppmann und Frobel am Donnerstag ausführlich Auskunft.

          Die Papierhüllen brennen leicht

          Demnach hatten die drei Frauen die Himmelslaternen bei einem Online-Versandhaus erworben. Es handelt sich um Mini-Ballons aus Papier; für den Auftrieb sorgt eine Kerze. Die zumeist in China hergestellten Himmelslaternen sind seit 2009 in Deutschland verboten – nachdem in Siegen ein kleiner Junge ums Leben gekommen war, weil ein Haus durch einen solchen Lampion in Brand geraten war. Im damaligen Strafverfahren sagte ein Brandsachverständiger, wer eine Himmelslaterne starte, schicke ein unkontrollierbares, offenes Feuer in die Luft; jederzeit könnten die leichten Papierhüllen in Brand geraten, wodurch die Laternen als brennende Fackeln herabstürzten. Bei den Himmelslaternen handle es sich um „ein wirkliches Höllenfeuer“.

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