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„Scandinavian Star“ : Rätsel mit 159 Toten

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Unglücks- oder Tatort? Am 8. April 1990 versuchen Löschboote im Hafen Lykesil die Flammen auf der Scandinavian Star zu ersticken. Bild: dpa

Vor 26 Jahren starben bei einem Brand auf der Fähre „Scandinavian Star“ 159 Menschen. Steckten Mitglieder der Crew hinter dem Feuer? Jetzt stellt die Polizei ihre neuen Erkenntnisse vor.

          Das Rätsel um die Brandkatastrophe auf der Nordseefähre „Scandinavian Star“ mit 159 Toten vor 26 Jahren bleibt vorerst ungelöst. Zwei Jahre nach Wiederaufnahme der Ermittlungen legt die Polizei den Fall zu den Akten. Man habe keine neuen Beweise gefunden, die zu Anklagen wegen Brandstiftung führen könnten, erklärten die Ermittler bei einer Pressekonferenz in Oslo am Dienstag. „Es gibt viele Informationen in dem Fall, aber es gibt auch eine Menge Zweifel“, sagte der Osloer Polizeichef Hans Sverre Sjøvold.

          Ursprünglich hatten die Ermittler nach dem Feuer im April 1990 einen dänischen Lastwagenfahrer zum Täter erklärt, weil dieser als Pyromane vorbestraft war. Der Mann war bei dem Unglück ums Leben gekommen. Eine Expertenkommission hatte aber den Verdacht geäußert, dass Mitglieder der Crew das Feuer gelegt haben könnten, um eine Entschädigung der Versicherung zu kassieren. Daraufhin war der Fall 2014 neu aufgerollt worden.

          Ein Schock für die Angehörigen

          Dafür sei die Polizei 60.000 Seiten Dokumente noch einmal durchgegangen, habe 70 Zeugen befragt und 18 Länder auf fünf Erdteilen an den neuen Nachforschungen beteiligt. Die Ermittler schalteten auch zwei Sachverständige ein, die den Fall bereits 1990 unter die Lupe genommen hatten, nachdem das Schiff auf der Nordsee in Brand geraten war.

          Die Experten entkräfteten unter anderem den Verdacht, dass das Feuer an mehreren Stellen auf dem Schiff ausgebrochen sei. Wahrscheinlicher sei, dass die Flammen nach dem ersten großen Feuer wegen der großen Hitze auf andere Bereiche der Fähre übergegriffen hätten, hieß es.

          Für die Hinterbliebenen waren die Neuigkeiten am Dienstag ein Schock. „Wir sind verzweifelt und entmutigt“, sagte ein Sprecher der Stiftung, die sich für die neuen Ermittlungen eingesetzt hatte, der norwegischen Nachrichtenagentur Norsk Telegrambyrå. Die Polizei habe nicht die richtigen Schritte unternommen. „Es ist ein umfangreicher Fall, und wir können leider nicht erwarten, Antworten auf alle Fragen zu bekommen“, sagte Chef-Ermittler Terje Bechmann Dahl in Oslo.

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