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Brände in Kalifornien : Schlimmer als in einem Katastrophenfilm

  • -Aktualisiert am

Die Bekämpfung der Brände geht schleppend voran Bild: dpa

Nicht nur Winde und Brandstifter werden für die Feuersbrunst in Kalifornien verantwortlich gemacht. Die Feuerwehr sagt, es seien zu wenig Geräte und Einsatzkräfte bereitgehalten worden.

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          Das Victory-Zeichen, das die aus Malibu abrückenden Feuerwehrleute aus ihren mit Asche bedeckten Wagen zeigten, war hart erkämpft. Drei Tage lang hatten sie versucht, des Flammenmeers in den Canyons oberhalb des berühmten Pacific Coast Highways Herr zu werden. Mit Löschflugzeugen schöpften sie Wasser aus dem Ozean und ließen es über den Buschbränden ab, mit Gasmasken wagten sie sich die steilen Hänge hinauf, um dem Feuer den Weg über die Berge zu versperren.

          Tagelang schien die Mission der etwa 1500 Einsatzkräfte trotz aller gefährlichen Einsätze vergebens. Immer wieder wurden die Flammen durch starke Winde mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern in der Stunde angefacht und sprangen fast unaufhaltbar von Canyon zu Canyon.

          „Gnade der Winde“

          Am Dienstagabend stellte sich dann endlich die „Gnade der Winde“ ein, auf die Bürgermeisterin von Malibu, Pamela Conley Ulin, und die 17.000 Bewohner des noblen Küstenortes tagelang gehofft hatten. Nach Angaben der Feuerwehr des Bezirks Los Angeles sind die Brände unter Kontrolle. Mehrere tausend Bewohner Malibus, das für seine Strände und Naturkatastrophen ebenso berühmt ist wie für seine Filmstars, konnten inzwischen aus Hotels und Notunterkünften in ihre Häuser zurückkehren.

          Viele Menschen verloren ihre Häuser

          Während das 17 Millionen Dollar teure Schloss Kashan, eine Kirche und mehrere Villen in Flammen aufgingen, blieben die bereits am Sonntag geräumten Anwesen von Prominenten wie Tom Hanks, Mel Gibson, Tanya Tucker und Olivia Newton John unversehrt.

          Die größte Evakuierung in der Geschichte Amerikas

          Für die Menschen im Bezirk San Diego scheint die Gefahr dagegen erst begonnen zu haben. Nördlich der mexikanischen Grenze wüten inzwischen so viele Brände, dass die Einsatzkräfte ihnen Namen gegeben haben. Die Feuer „Witch“, „Harris“, „Rice“ und „Poomacha“ hatten bis Dienstag fast 1200 Gebäude zerstört und etwa 700.000 Menschen in die Flucht getrieben. Besonders folgenreich wütete „Green Valley“, 150 Kilometer östlich von Los Angeles. Die Hügel am dortigen Lake Arrowhead sind kaum mehr wiederzuerkennen.

          Innerhalb weniger Stunden machten die Brände aus dem Feriengebiet mit alpinem Ambiente ein fast apokalyptisches Szenario: Mehr als 200 Holzhäuser, die einst als Kulissen für Filme wie „Space Jam“ und „Heidi“ dienten, sind vollkommen zerstört. Die Brände im Süden Kaliforniens haben damit die größte Evakuierung in der Geschichte der Vereinigten Staaten nach sich gezogen. Der Schaden beträgt nach ersten Schätzungen etwa 500 Millionen Dollar.

          Die Zerstörung auf Großbild

          Unter rot leuchtendem Nachthimmel fanden sich am Dienstag fast 15.000 Menschen im Qualcomm-Stadion von San Diego ein, um dort die zweite Nacht zu verbringen. Auf riesigen Monitoren, die sonst den Football-Spielern der San Diego Chargers vorbehalten sind, verfolgten sie die Brände in ihren evakuierten Wohnorten. Einige brachen in Tränen aus, als sie in qualmenden Ruinen ihr Zuhause wiederzuerkennen glaubten. In den Gängen hatte das Rote Kreuz Notbetten aufgestellt, auf dem riesigen Parkplatz ganze Wagenladungen von Windeln, Wasser und anderen Notwendigkeiten gestapelt.

          „Dies ist ein Moment, in dem ein Nachbar dem anderen helfen muss“, sagte Bürgermeister Jerry Sanders. Immer mehr Bewohner kommen seinem Aufruf nach. Da sämtliche Hotelzimmer der Stadt ausgebucht sind, bieten auch Privatpersonen den Flüchtenden Übernachtungsmöglichkeiten oder ein Abendessen an. Wann die Einwohner wieder nach Hause zurückkehren können, ist unklar. Durch heftige Böen werden die Feuer immer wieder neu entfacht. Spezialgeräte wie das Löschflugzeug Super Scooper können wegen der starken Winde oft nicht eingesetzt werden.

          Nicht genügend Geräte und Einsatzkräfte

          Auch im Bezirk Orange regnete seit Tagen Asche vom Himmel. Nach Brandstiftungen in der Nähe der Stadt Irvine bedroht eine Feuerfront von fast 50 Kilometern Länge mehrere tausend Häuser. „Die Canyons sind nicht mehr sicher“, sagte der Sprecher der Feuerwehr von Orange und ordnete Evakuierungen an. Nachdem sich die Flammen in der Nacht zum Dienstag auch den Weg über Straßen gebahnt hatten, sind mindestens 2000 Anwesen gefährdet.

          Für die Brände machte der Feuerwehrsprecher nicht nur starke Winde und Trockenheit verantwortlich. Er warf dem Bundesstaat Kalifornien vor, nicht genügend Geräte und Einsatzkräfte für die Löschung aus der Luft bereitgehalten zu haben. Als im Bezirk Orange die ersten Brände ausbrachen, seien bereits alle Flugzeuge und Hubschrauber an anderen Brandherden im Einsatz gewesen.

          Gouverneur Arnold Schwarzenegger, seit Tagen in den Brandgebieten zwischen Malibu und San Diego unterwegs, lobte dagegen „die gute Zusammenarbeit unter den schwierigen Umständen“. Der amerikanische Präsident Bush hatte bereits den Notstand ausgerufen, um Mittel bereitstellen zu können. Zusätzlich wurden 1500 Angehörige der Nationalgarde von der amerikanisch-mexikanischen Grenze abgezogen, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Auch ein paar hundert Häftlinge wurden zu Löscharbeiten eingeteilt.

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