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Brände in Kalifornien : Was die Kritik von Trump so unglaubwürdig macht

  • -Aktualisiert am

In Kalifornien wüten weiter verheerende Feuer: In den vergangenen Tagen waren mehrere Tausend Feuerwehrleute im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen. Bild: dpa

Die Flächenbrände in Kalifornien haben unterschiedliche Ursachen. Eine davon: Dass in den Wäldern, für die der Staat zuständig ist, lange die Maßgabe galt, jeden Brand so schnell wie möglich zu löschen – mit fatalen Folgen.

          Der Rauch der Flächenbrände in Kalifornien hat sich wie ein grauer Schleier über weite Teile des bevölkerungsreichsten amerikanischen Bundesstaates gelegt. Das Sonnenlicht ist fahl, die Luft diesig. Sogar in San Francisco, fast 250 Kilometer vom nächsten Brandherd entfernt, tragen die Menschen Staubmasken, um sich gegen die Rauchpartikeln in der Luft zu schützen.

          Die beiden größten Brände haben sich in den vergangenen sechs Tagen über eine Fläche von insgesamt mehr als 820 Quadratkilometern ausgedehnt. Das entspricht etwa der Größe Berlins. Mehr als 30 Menschen kamen in den Flammen ums Leben, etwa 200 Personen werden noch vermisst. Mehr als 7000 Häuser, darunter zahlreiche teure Anwesen mit Blick auf den Pazifik in Malibu, brannten nieder. Angefacht werden die Brände von sehr trockenen östlichen Winden.

          Kalifornien brennt, heißt es oft stark vereinfachend. Aber die ausgedehnten Flächenbrände, die den westlichen amerikanischen Bundesstaat mit großer Regelmäßigkeit in jedem Sommer und Herbst heimsuchen, haben unterschiedliche Ursachen. So nahm das Woolsey-Feuer in einem von dichtem Chaparral-Gebüsch bewachsenen hügeligen Gelände nördlich von Los Angeles seinen Anfang. Weil es in Südkalifornien seit Mai nicht mehr geregnet hat, war das mannshohe Buschwerk völlig ausgetrocknet, und die Flammen konnten sich explosionsartig ausbreiten. Der Wind trieb das Feuer dann schnell nach Süden, wo es die vielbefahrene Autobahn 101 übersprang und sich dann in der durchweg wenig besiedelten Hügellandschaft weiter nach Süden und Westen ausdehnte. Mittlerweile haben die Flammen auf einer Länge von fast fünf Kilometern die Pazifikküste erreicht und dabei unter anderen zahlreiche Häuser in Malibu zerstört.

          Das Chaparral ist stellenweise so dicht und das Gelände so steil, dass es fast unmöglich ist, das Gebüsch mit mechanischen Mitteln auszudünnen und damit das Brandrisiko zu verringern. Allerdings kommt es in dieser Gegend immer wieder zu kleineren Buschbränden, die das Wachstum des Buschwerks hemmen. So berichteten Einwohner des Ortes Newbury Park, dass die Flammen des Woolsey-Feuers am Wochenende zwar die Hügel oberhalb der Stadt erreichten, sich aber trotz des starken Windes nicht weiter ausdehnten, weil das Gelände vor wenigen Jahren schon einmal von einem Buschbrand heimgesucht wurde.

          Entlang des Pacific Coast Highways in Malibu, Kalifornien, wütet das sogenannte Woolsey-Feuer. In der Prominentensiedlung brannten mehrere Villen nieder. In ganz Kalifornien sind laut Behörden noch 228 Personen vermisst gemeldet. Bilderstrecke

          Ganz anders ist die Lage dagegen beim Camp-Feuer im Norden des Landes. Das Feuer, dem fast der gesamte Ort Paradise im nordkalifornischen Landkreis Butte zum Opfer fiel, nahm in einem dichten Waldgebiet des Plumas National Forest am Westhang der Sierra Nevada seinen Anfang. Vom Ostwind getrieben, breitete es sich sehr rasch nach Westen aus. Dabei zerstörte es zunächst Wälder und Orte. Je weiter die Flammenfront aber in Richtung Westen gelangte, traf sie auf vollkommen  anderen Bewuchs. Die Wälder weichen dort den hügeligen Graslandschaften, in denen hauptsächlich große Rinderherden weiden. In diesem Gelände wurde der Waldbrand zu einem weniger gefährlichen Grasbrand. Die Feuerwehren konnten dessen weitere Ausbreitung nach Westen entlang der als Brandschneise dienenden Autobahn 99 bisher verhindern.

          Das Feuer vom vergangenen Donnerstag begann also in einem Staatsforst. Das macht die Kritik, die Präsident Trump während seiner Europareise an der Brandbekämpfung in Kalifornien übte, so unglaubwürdig. Die bundesstaatliche Forstverwaltung untersteht nämlich dem Landwirtschaftsministerium in Washington. Das Bundesministerium – nicht die von Trump kritisierte bundesstaatliche Behörde – regelt, wie Waldbrände bekämpft werden. Über Jahrzehnte galt in den Staatswäldern die Maßgabe, jeden Brand so schnell wie möglich zu löschen. Dadurch konnte sich in den Wäldern sehr viel Tot- und Unterholz ansammeln, das jetzt in der Trockenzeit wie Zunder wirkt und die Waldbrände anfacht.

          In den Nationalparks, die dem Innenministerium in Washington unterstehen, geht man Waldbrände dagegen ganz anders an. Seit den verheerenden Bränden im Yellowstone-Nationalpark in den achtziger Jahren löschen die Parkfeuerwehren Brände nur dann, wenn sie Gebäude oder wertvolle Naturdenkmäler bedrohen. Dadurch werden große Teile des Tot- und Unterholzes reduziert, und künftige Waldbrände finden weniger Nahrung. Zum Teil legen die Feuerwehren sogar kontrolliert Brände in den Nationalparks, um das Unterholz abzubrennen. Immerhin unterstehen fast 40 Prozent der Landesfläche Kaliforniens diesen beiden Behörden. Dem vom Trump kritisierten Bundesstaat selbst gehören dagegen nur weniger als drei Prozent der Waldgebiete.

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