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Brände in Kalifornien : „Wir konnten hören, wie das Feuer knisterte“

  • -Aktualisiert am

Die warmen, trockenen Santa-Ana-Winde mit bis zu 80 Kilometern pro Stunde starken Böen trieben die Funken mit ungeahnter Geschwindigkeit durch die Canyons. Bild: CETRINO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Bewohner der kalifornischen Stadt Ventura wurden bisher von Feuern verschont. Nun herrscht auch für sie der Notstand. Der Gouverneur spricht von einer „neuen Realität“.

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          Für eine Warnung blieb in der Nacht zu Dienstag keine Zeit. Anstelle der üblichen Aufforderung, Taschen zu packen, Gashähne zu schließen und sich für eine mögliche Evakuierung bereitzuhalten, schickte die kalifornische Katastrophenschutzbehörde Mark Baettig und seinen Nachbarn per Mobiltelefon gleich eine Räumungsanweisung. „Wir haben schnell ein paar persönliche Dinge und unsere Reisepässe zusammengesucht, den Hund genommen und sind ins Auto gestiegen“, erzählt Baettig.

          Auf der Fahrt aus dem Viertel Hobson Heights in die Innenstadt von Ventura hielten der gebürtige Schweizer und seine Ehefrau Laya Moncrief einen Moment inne: „Wir saßen stumm im Auto und sahen hoch auf die brennenden Hügel. Es war gespenstisch.“ Baettig kann immer noch nicht fassen, wie schnell sich das Feuer durch die Canyons fraß. „Erst sahen wir am Horizont Rauch und Flammen. Zwei Stunden später bedrohte das Feuer unser ganzes Viertel“, sagt der Sechsundfünfzigjährige.

          Baettig und Moncrief gehören zu den mehr als 27.000 Bewohner der Küstenstadt Ventura, die ihre Häuser verlassen mussten. Das „Thomas Fire“ war am Montagabend aus weiterhin ungeklärter Ursache bei Santa Paula knapp 25 Kilometer nordöstlich von Ventura ausgebrochen. Nach fünf Dürrejahren und einigen regenlosen Monaten in Südkalifornien zogen die Flammen innerhalb weniger Stunden in Richtung Pazifik. Die warmen, trockenen Santa-Ana-Winde mit bis zu 80 Kilometern pro Stunde starken Böen trieben die Funken dabei mit ungeahnter Geschwindigkeit durch die Canyons des Los Padres National Forest. Das „Thomas Fire“, das sich bis zum Wochenende über fast 630 Quadratkilometer ausbreitete, ist schon jetzt der größte Flächenbrand der „Fire Season“ 2017. Allein in Ventura zerstörte das Feuer nach ersten Schätzungen bislang mehr als 500 Gebäude.

          Die Windböen suchten auch Hobson Heights heim. Als Baettig und Moncrief nach einigen Stunden in ihr Haus zurückkehrten, wurden sie nach kurzer Zeit von ungewohnten Geräuschen aufgeschreckt. „Es war das Haus unserer Nachbarn, etwa 100 Meter von uns entfernt. Wir konnten hören, wie das Feuer knisterte“, sagt Baettig. Die Feuerwehr, die gerade an den Hydranten der Straße ihre Löschfahrzeuge befüllte, erreichte das Haus in Sekundenschnelle. Es gab aber nichts mehr zu retten. „Wenn es erstmal brennt, ist alles Löschen überflüssig. Die Feuerwehr konnte nur noch die Nachbargebäude abspritzen, um sie vor Funken zu schützen.“ Wie die meisten seiner Nachbarn verbrachten auch der Geschäftsmann Baettig und seine Ehefrau die Nacht bei Freunden in der tiefergelegenen Innenstadt.

          Ein surreales Bild

          Bei der Rückkehr am nächsten Morgen bot sich ein surreales Bild. Das abgebrannte Haus der Nachbarn glich einer sauber gefegten Ruine. Der gemauerte Schornstein des historischen Anwesens in dem für Hobson Heights typischen spanischen Kolonialstil ragte einsam aus dem Boden. Die Asche des übrigen Hauses und seiner Einrichtung hatte der Wind bereits fortgetragen. Zwei Straßen den Hügel hinauf erinnerten auch die Überreste von mehr als zehn zerstörten Gebäuden an den Brand vom Vortag, der als verheerendste Feuer, das Ventura in den vergangenen 70 Jahren erlebte, in die Geschichte eingehen wird. „In Küstenorten wie Malibu sind die Leute an Brände gewöhnt. Dort werden die Häuser direkt in das leicht brennbare Grün gebaut“, sagt Baettig. „Ventura ist aber ein Stadtgebiet. Wie den meisten Bewohnern war auch uns bis zur Nacht zu Dienstag nicht mal bewusst, dass wir in einer Brandschneise wohnen und gefährdet sind.“

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