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Michigan : Obama erklärt Notstand wegen verseuchten Wassers

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Ein Soldat hilft einer Bewohnerin von Flint, Wasserflaschen in ihre Wohnung zu tragen. Das Trinkwasser der Stadt ist mit Blei verseucht. Bild: Reuters

Um zu sparen, hatte eine amerikanische Großstadt begonnen, Trinkwasser aus ihrem Fluss zu gewinnen. Doch ihre Kläranlage ist dafür nicht stark genug. Jetzt ist das Wasser mit Blei verseucht und Prominente wie Michael Moore und Erin Brokovich fordern den Rücktritt des Gouverneurs.

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          Weil das Trinkwassers in der Großstadt Flint mit Blei verseucht ist, hat der amerikanische Präsident Barack Obama den Notstand im Bundesstaat Michigan erklärt. Obama habe Bundeshilfe angeordnet, um die Behörden der Stadt und des Bundesstaates zu unterstützen, erklärte das Weiße Haus am Samstag. Zu den Maßnahmen der Regierung gehört, Trinkwasser, Wasserfilter und Test-Sets für eine Dauer von bis zu drei Monaten bereitzustellen.

          Die Ausrufung des Notstands diene dazu „Leben zu retten und die öffentliche Gesundheit und Sicherheit zu schützen“ und eine drohende Katastrophe abzuwenden, erklärte das Weiße Haus. Michigans Gouverneur Rick Snyder hatte den Präsidenten am Donnerstag um den Schritt gebeten, mit dem leichter Bundesmittel bereitgestellt werden können.

          Nicht nur die Bewohner von Flint, sondern auch amerikanische Politiker und Prominente fordern Gouverneur Snyder unterdessen zum Rücktritt auf. Etwa der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders und Erin Brokovich, die Rechtsanwaltsgehilfin, die bei einem Prozess gegen die Trinkwasserverseuchung des kalifornischen Orts Hinkley berühmt wurde.

          Im Rahmen von Sparmaßnahmen hatte die Stadtverwaltung von Flint im April 2014 damit begonnen, Wasser aus dem Flint-Fluss zur Trinkwassergewinnung zu entnehmen. Laut einer Klage von Bürgerrechtlern genehmigte die Unweltbehörde des Bundesstaates den Schritt, obwohl die Kläranlage der Stadt das Flusswasser nicht entsprechend den Trinkwasservorschriften aufbereiten kann.

          Blei ist gesundheitsschädigend

          Die Bewohner Stadt klagen, dass stinkende und trübe Wasser aus dem Fluss löse Hautausschlag, Erbrechen und Haarausfall aus. Tatsächlich ist Blei im Wasser sehr gesundheitsschädigend, vor allem für junge Menschen. So warnt der Verein des Gas- und Wasserfaches auf seiner Internetseite, Bleiaufnahme beeinträchtige die Blutbildung und Intelligenzentwicklung bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern.

          Die Stadt Flint hat mehr als 100.000 Einwohner und liegt rund 100 Kilometer nordwestlich von Detroit. Über viele Jahre war sie der größte Standort von General Motors. Mit der Verlagerung der Produktion ins Ausland begann in den achtziger und neunziger Jahren der Niedergang der Stadt, in der die Umwelt durch die Automobilindustrie schon schwer geschädigt war. Heute lebt mehr als ein Viertel der Stadtbewohner unterhalb der Armutsgrenze.

          Der amerikanische Filmemacher Michael Moore kommt aus Flint und hat die Stadt in seinen Filmen immer wieder als Beispiel für Armut und verfehlte Industriepolitik dargestellt, etwa in „The Big One“ und „Bowling for Columbine“. Auch an den Protesten der Einwohner gegen das verseuchte Trinkwasser hat er medienwirksam teilgenommen.

          Filmemacher Michael Moore kommt am Samstag in Flint an. Er wirft dem Gouverneur von Michigan vor, das Trinkwasser der Stadt vergiftet zu haben und fordert dessen „Festnahme“.

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