https://www.faz.net/-gum-87w7j

Kran-Unglück mit 100 Toten : Bin-Ladin-Baukonzern verantwortete Arbeiten in Mekka

  • Aktualisiert am

Der Kran stammte vom deutschen Unternehmen Liebherr, Bauherr für die Arbeiten an der Großen Moschee ist jedoch der saudische Bin-Ladin-Konzern. Bild: AP

Der Baukran, der am Freitag in die Große Moschee in Mekka stürzte, gehörte zur Baugruppe der Bin-Ladin-Familie. Für das Unternehmen der Verwandten des getöteten Al-Qaida-Chefs bleibt das Unglück nicht folgenlos.

          Nach dem Kranunglück in Mekka mit mehr als hundert Toten hat der saudiarabische König Salman Strafmaßnahmen gegen die Baugruppe Bin Ladin verhängt. Wie die amtliche Nachrichtenagentur SPA am Dienstagabend meldete, wird die Verwandten des getöteten Al-Qaida-Chefs Osama bin Ladin gehörende Baugruppe künftig von öffentlichen Ausschreibungen und neuen Projekten ausgeschlossen. Mitglieder des Firmenvorstands dürfen Saudi-Arabien bis zum Abschluss der Ermittlungen zu dem Unglück nicht verlassen. Die Bin Ladin Baugruppe gehört zu den größten Bauunternehmen der Welt.

          Ein Untersuchungsausschuss war zuvor zu dem Schluss gekommen, dass das Unternehmen für das Unglück „teilweise“ verantwortlich ist. Sie habe die Sicherheitsvorschriften auf dem Baugelände nicht berücksichtigt, meldete SPA. Der Kran stammt vom Baumaschinen-Hersteller Liebherr in Baden-Württemberg, der seinen Hauptsitz in der Schweiz hat.

          Der Kran stammt aus Baden-Württemberg

          Der Liebherr-Kran des Typs LR-11350 war am Freitag bei einem schweren Unwetter auf einen Teil der Großen Moschee in Mekka gestürzt. Mindestens 107 Menschen kamen dabei ums Leben, etwa 400 wurden verletzt. Der Unglückskran war in Ehingen hergestellt worden. Bei dem Kran handele es sich um das zweitgrößte Modell der Liebherr-Palette, sagte ein Unternehmenssprecher von Liebherr. Der Raupenkran könne bis zu 1350 Tonnen heben.

          Liebherr lieferte seit 2006 nach eigenen Angaben 30 dieser Kräne weltweit aus. Der Konzern bestätigte drei Unfälle mit dem Modell in der Vergangenheit. „In allen Fällen können wir sagen: Es war kein technisches Versagen des Krans“, sagte der Unternehmenssprecher.

          Hingegen seien die Kräne falsch bedient worden. Beim Bau des WM-Stadions im brasilianischen São Paulo sei beispielsweise 2013 einer dieser Kräne umgestürzt. Zwei Arbeiter kamen dabei ums Leben.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Das Kranunglück ist einem saudischen Gericht zufolge jedoch keine Folge grober Fahrlässigkeit, wie der der Nachrichtensender Al-Arabija am Dienstag berichtete. Laut SPA-Agentur sollen die Familien der Todesopfer umgerechnet rund 237.000 Euro Entschädigung bekommen.

          Um die Große Moschee herum stehen mehrere Baukräne. Sie sind Teil eines riesigen Bauprojekts zur Erweiterung des Moscheebereichs um 400.000 Quadratmeter. Dadurch sollen dort gleichzeitig bis zu 2,2 Millionen Menschen Platz finden können.

          In der heiligsten Stätte des Islams werden trotz des schweren Unglücks in der kommenden Woche Millionen Muslime zur jährlichen Wallfahrt erwartet. Das oberste Gericht des Königreichs legte laut staatlicher Nachrichtenagentur SPA das Datum für den Höhepunkt des Hadsch fest: Das Gebet auf dem Berg Arafat ist für den 23. September anberaumt. Die Pilgerfahrt beginnt damit einen Tag später als zunächst angenommen. Auch das Opferfest Eid Al-Adha wird einen Tag später als erwartet gefeiert, nämlich am 24. September.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.