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Bergung der Costa Concordia : Krücken für einen gekenterten Riesen

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP

Zentimeter um Zentimeter hebt sich die Costa Concordia aus dem Wasser. Die Stimmung in der Kommandozentrale ist angespannt. Und die Bewohner der Insel Giglio freuen sich, dass das Wrack nun endlich verschwinden soll.

          Langsam hebt sich die Costa Concordia aus dem Meer. Mit bloßem Auge ist der braune Schmutz auf der Schiffswand zu sehen, die bislang unter Wasser lag. „Alles läuft nach Plan“, sagt der italienische Projektleiter Sergio Girotto. „Das Schiff hat sich vom Felsen gelöst“. Doch in der Kommandozentrale herrscht weiter höchste Spannung. Zu früh wären zu dieser Stunde am Montagnachmittag Gefühle der Erleichterung. Erst am späten Abend soll die Concordia wieder aufrecht stehen.

          Am Morgen hatte es noch gewittert, prasselte der Regen auf die Zelte und Verkaufsstände vom Feiertag für den Inselheiligen Mamiliano, den Giglio und seine Gäste am Wochenende gefeiert hatten. Schaumkronen schmückten das Meer. Da beschloss das Rettungsteam unter dem südafrikanischen Koordinator Nick Sloane, den Beginn der Arbeit um ein paar Stunden zu verschieben.

          Seit dem 13. Januar 2012 liegt die Costa Concordia vor dem Hafen der toskanischen Insel mitten in einem Naturschutzgebiet. Sie war damals bei goldrotem Sonnenuntergang zu dicht an die Insel gesteuert worden, schrammte ein Riff, riss einen Felsblock mit, der ein mehrere Meter langes Loch in den Rumpf schlug und legte sich in seichtem Wasser auf die Seite.

          In den dann folgenden Nachtstunden herrschten Chaos und Hilflosigkeit. Die Schiffsführung widersprach sich in ihren Anordnungen, schickte manche Passagiere – „um Ruhe zu bewahren“ – in ihre Kajüten, aus denen manche nicht mehr herauskamen. 32 der gut 4200 Personen auf dem 290 Meter langen und 57 Meter hohen Schiff kamen ums Leben, unter ihnen zwölf Deutsche. Kapitän Francesco Schettino verließ – nachdem erst etwa 3200 Menschen von Bord waren – vorzeitig das Schiff. Er sei in ein Rettungsboot gefallen, beteuert er. Gegen ihn läuft ein Prozess wegen fahrlässiger Tötung, der am 23. September fortgesetzt werden soll. Weitere führende Kräfte an Bord und bei der Reederei Costa konnten sich gegen Schuldeingeständnisse mit geringen Strafen aus dem Prozess lösen.

          Nach der Havarie sprengten Techniker der holländischen Bergungsfirma Smit Löcher in den Rumpf, um noch Menschen zu retten. Sie konnten nur noch Tote bergen, zwei Personen werden noch immer vermisst. Dann wurde das Schweröl aus dem Havaristen gepumpt, so dass an diesem Montag der Meeresbiologe Gian Domenico Ardizzone aus Bologna sagen kann, es seien wohl „nicht mehr viele gefährliche Stoffe an Bord, die das Naturschutzgebiet aus der Balance bringen können.“ Es ist mittlerweile sonnig und warm geworden. Spiegelblank liegt das Meer vor dem Hafen und leckt an dem gestrandeten Riesen. Das Aufrichten werde um 9 Uhr beginnen, lässt Sloane bekanntgeben.

          Ein dunkler Streifen markiert den Teil des Schiffes, der 20 Monate unter Wasser lag.

          Vom Grundstück der Markgrafen von Canossa hat man einen guten Blick auf den Havaristen, von dem zwei Drittel unter Wasser liegen. Wie der unsichtbare Teil beschaffen ist, der auf dem Granitrücken der Küste aufliegt, weiß niemand. In der Nacht des 13. Januar waren viele Schiffbrüchige aus dem Wrack ins Wasser geglitten und hatten diese Uferfelsen erreicht. Der Verwalter des Anwesens und seine Frau versorgten sie mit Decken und dem köstlichen Mirto-Likör aus den Beeren vom Grundstück. Es war kalt, erinnern sich die Eheleute, und sie hatten zu wenige Decken. Ihr Sohn habe damals am Schiff Menschen gerettet.

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