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Bergrettung in Chile : Bei 785 Meter Tiefe nur 38 Zentimeter Abweichung

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Bei der Rettung der Bergleute in Chile kommt auch Hilfe aus Deutschland zum Einsatz. Das „wichtige Gerät“ ist „Hitech pur“. Seit 1981 wird das das RVDS-System eingesetzt. Die Ergebnisse der Bohrungen sind erstaunlich.

          Zur Rettung der verschütteten Bergleute in Chile kommt ein wichtiger Beitrag aus Deutschland. Es handelt sich um das „Rotary Vertical Drilling System“ (RVDS) des Unternehmens „Micon - Mining and Construction Products GmbH und Co. KG“ in Nienhagen bei Celle, nach Angaben des Herstellers ein „wichtiges Gerät“ innerhalb des Bohrstrangs. Näheres wolle man erst mitteilen, wenn der Auftraggeber seine Zustimmung gegeben habe, teilte das Unternehmen am Mittwoch auf Anfrage mit.

          Nach Angaben von Sebastian Wagner vom Institut für Bergbau und Spezialtiefbau an der Technischen Universität Freiberg ist das RVDS zwischen dem Bohrkopf mit den Bohrmeißeln und dem Bohrgestänge installiert. Es diene der Stabilisierung, der exakten Lenkung und dem Antrieb der Bohrung. Eine solche Steuereinheit sei „Hitech pur“. Sie werde mit Hilfe von vier Hydraulikschienen im Bohrloch verspannt, um die Bohrung während des Schlagens und Drehens präzise zu lenken.

          RVDS-System seit 1981 in 78 Projekten eingesetzt

          Auf der Internetseite von Micon heißt es, das selbststeuernde Vertikalbohrsystem sei während der Jahre 1991 bis 1993 für die kontinentale Tiefbohrung in Windischeschenbach entwickelt worden. Bei der kontinentalen Tiefbohrung in Windischeschenbach bei Weiden in der Oberpfalz, dem ersten deutschen Großprojekt geowissenschaftlicher Grundlagenforschung, wurde in den Jahren 1990 bis 1994 bei der Hauptbohrung eine Tiefe von 9101 Meter erreicht. Ziel des RVDS sei es gewesen, ein selbststeuerndes System zu entwickeln, mit dem tiefe Bohrlöcher mit großer Präzision vertikal abgeteuft werden können. „Durch die Geradheit der abgeteuften Bohrungen“ sei die Bohrstrangreibung erheblich verringert worden.

          Die chilenischen Bohrungen sollen durch ein „wichtiges Gerät” aus Celle unterstützt werden

          Die vertikale Position des Systems werde dauernd überwacht. Weiche die Bohrung vom Soll ab, werde hydraulisch nachgesteuert. Der hydraulische Stabilisator bestehe aus vier Rippen, die unmittelbar oberhalb des Bohrmeißels angeordnet seien. Seit 1981 sei das RVDS-System in 78 Projekten eingesetzt worden. Die Abweichung vom Zielpunkt der Bohrung habe im Durchschnitt weniger als fünf Promille betragen.

          Bau und Konstruktion einer Rettungsbombe

          In der Schweiz sei bei einer Pilotbohrung für das Projekt Alptransit eine Abweichung von 0,38 Meter bei einer Teufe von 785 Meter gemessen worden, was einer Abweichung von 0,48 Promille entspreche. In Südafrika sei beim Einsatz in einer Diamantenmine sogar eine Abweichung von nur 0,07 Meter bei einer Teufe von 709 Meter erreicht worden, was 0,09 Promille entspreche.

          Unterdessen erwartet der Verband des Deutschen Anlagen- und Maschinenbaus eine Anfrage des chilenischen Kupferminenbetreibers Coldeco, einen deutschen Fachmann nach Chile zu entsenden, um Hilfen bei der Rettung der Bergleute zu besprechen. Zum Beispiel dürfte es um die Konstruktion und den Bau einer Rettungsbombe für die Bergleute gehen. Eine Rettungsbombe ist eine torpedoförmige Metallkapsel, in der die Bergleute durch ein Bohrloch aus ihrer Lage befreit werden können.

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