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Hochhaus-Brand in London : Mindestens sechs Tote, mehr als 70 Verletzte, viele Vermisste

  • Aktualisiert am

Der Brand in dem Hochhaus ist noch nicht gelöscht. Teams suchen in dem 24-stöckigen Gebäude nach Opfern. Bild: AFP

Die Polizei erwartet nach dem Hochhaus-Brand von London, dass die Zahl der Todesopfer noch steigt. 20 Verletzte liegen auf Intensivstationen. Eine Baufirma beteuert, dass bei der jüngsten Sanierung alle Sicherheitsstandards eingehalten worden seien.

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          Die Londoner Polizei geht von weiteren Todesfällen nach dem Hochhausbrand aus. „Es werden noch Menschen vermisst“, sagte Stuart Cundy von Scotland Yard am Mittwoch. Nach jüngsten Angaben sind sechs Menschen ums Leben gekommen, mehr als 70 Verletzte werden in Kliniken behandelt, 20 auf Intensivstationen. Auch mehrere Feuerwehrleute sind verletzt worden. Es handle sich aber um kleinere Verletzungen, sagte Feuerwehrchefin Dany Cotton Reportern am Mittwoch. Ihr großer Einsatz bei den Lösch- und Rettungsarbeiten ehre die Männer und Frauen des Brandschutzes. Rettungsteams suchen in dem 24-stöckigen Gebäude unterdessen weiter nach Opfern. Der Brand in dem Hochhaus ist noch nicht gelöscht.

          Das Feuer war in der Nacht zum Mittwoch ausgebrochen, am frühen Morgen stand das Gebäude mit mehr als 20 Stockwerken noch lichterloh in Flammen, eine Rauchsäule war weithin zu sehen. Rettungskräfte kämpften unermüdlich gegen das Feuer und brachten zahlreiche Bewohner des Grenfell Towers in Sicherheit. Die Ursache des Brands ist noch unklar, es handelt sich nach Angeben von Scotland Yard nicht um einen Terroranschlag.

          Nach Angaben einer Augenzeugin war es unmöglich, den um Hilfe schreienden Menschen im brennenden Hochhaus zu helfen. Das ganz Gebäude habe in relativ kurzer Zeit in Flammen gestanden, sagte die Frau am Mittwoch in London. „Wir konnten nichts tun. Ich habe viele Leute gesehen, die mit Laken am Fenster standen. Meine Freunde haben beobachtet, wie Menschen weit oben aus den Fenstern gesprungen sind.“

          Die Fassade des Hochhauses ist komplett verkohlt. Bilderstrecke

          Dem Sender BBC zufolge sollen am Morgen jedoch noch immer viele Menschen in dem Haus eingeschlossen gewesen sein. Trotz der Feuerkatastrophe in dem Londoner Hochhaus halten die Einsatzkräfte das Gebäude derzeit für stabil genug, um weiter darin nach möglicherweise eingeschlossenen Menschen zu suchen. Ein Experte überprüfe laufend die Statik des Grenfell Towers, sagte die Londoner Feuerwehrchefin Dany Cotton am Mittwoch in der Nähe des Gebäudes, aus dem immer noch Rauchschwaden emporstiegen. Einsatzkräfte seien bislang bis zum 19., 20. Stockwerk gelangt.

          Wie viele Menschen genau ums Leben kamen, sagte Cotton nicht. Sie verwies auf den laufenden Einsatz, der sehr kompliziert sei. Sobald neue Informationen vorlägen, würden sie veröffentlicht. Cotton rief alle Bewohner, die sich in Sicherheit gebracht und noch nicht gemeldet hätten, auf, den Behörden Bescheid zu geben.

          Die Einsatzkräfte waren nach eigenen Angaben innerhalb von sechs Minuten am Ort des Geschehens. Der erste Notruf sei um 00.54 Uhr (Ortzeit) eingegangen, hieß es in einem Feuerwehr-Statement. Die Crews arbeiteten „unter extrem schwierigen Bedingungen, um Menschen zu retten und den Großbrand unter Kontrolle zu bekommen“. Im Einsatz waren den Angaben nach 200 Feuerwehrkräfte und 40 Löschfahrzeuge. „In meinen 29 Jahren als Feuerwehrfrau habe ich noch nie etwas von solchem Ausmaß gesehen“, sagte Dany Cotton von der Londoner Feuerwehr. Nach Angaben der Rettungskräfte sind mehr als 200 Feuerwehrleute im Einsatz.

          Hin und wieder knallt es in dem Gebäude

          Die Polizei twitterte, dass zahlreiche Verletzte behandelt würden. In dem Apartmenthaus sollen viele Familien mit Kindern gelebt haben. Einwohner wurden gebeten, die Gegend nordwestlich vom Hyde Park zu meiden. Eine Schule in der Nähe des brennenden Gebäudes blieb geschlossen.

          Augenzeugen berichteten in der Nacht auf Twitter von Schreien. Menschen seien aus dem brennenden Gebäude gesprungen, hieß es auch dort. Trümmerteile flogen aus dem Gebäude. Hin und wieder knallte es in dem Gebäude. Die Polizei hat alle Wege hermetisch und weiträumig abgeriegelt.

          Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einem „bedeutenden Vorfall“ – eine Bezeichnung der britischen Behörden für eine Lage, die besondere Vorkehrungen durch einen oder mehrere Rettungsdienste erfordert.

          „Es ist entsetzlich“

          Der britische Schauspieler Tim Downie, der 600 Meter von dem brennenden Hochhaus entfernt wohnt, sagte der britischen Nachrichtenagentur Press Association, er befürchte, der Tower könne einstürzen. „Es ist entsetzlich. Das ganze Gebäude ist in Flammen gehüllt. Es ist verloren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor dieses Gebäude zusammenbricht.“

          Ein Mitarbeiter der Feuerwehr berichtete, die Einsatzkräfte würden Atemmasken tragen. Die Arbeit sei extrem hart und die Bedingungen sehr schwierig. „Das ist ein großer und sehr schwerwiegender Vorfall.“  Man habe zahlreiche Helfer und Spezialisten entsandt. Die Beamten wurden eigenen Angaben zufolge am Mittwoch kurz nach 1 Uhr (Ortszeit) alarmiert. Wegen des Brandes wurde am frühen Morgen eine angrenzende Fernstraße gesperrt, die durch zahlreiche Vororte Londons führt. Nach Angaben des Stadtbezirks Royal Borough of Kensington and Chelsea sind in dem Hochhaus 120 Wohnungen. Das Gebäude wurde 1974 erbaut und war von 2014 bis 2016 saniert worden.

          Die Baufirma Rydon war für die Sanierung des 24-stöckigen Grenfell Towers zuständig. Alle erforderlichen Kontrollen, Bestimmungen im Brandschutz und sonstigen Sicherheitsstandards seien eingehalten worden, teilte die Firma am Mittwoch mit. Bewohner und Nachbarn des Hauses hatten unzureichende Sicherheitsmaßnahmen im Grenfell Tower kritisiert.

          Die britische Premierministerin Theresa May ist nach eigenen Worten „tief betroffen von den tragischen Todesfällen“. Das teilte sie am Mittwoch in der britischen Hauptstadt mit. Auch die Bundesregierung reagierte mit Bestürzung auf den Hochhausbrand und würdigte den Kampf der Rettungskräfte gegen die Flammen. „Es ist heroisch, wie die Feuerwehr gegen den Brand um das Leben der Menschen, die sich noch in dem Haus befinden, kämpft“, sagte eine Regierungssprecherin am Mittwoch in Berlin. Es sei tragisch, dass Menschen bei dem Feuer ums Leben gekommen seien. „Die Bundeskanzlerin ist in Gedanken in tiefer Anteilnahme bei den Opfern und ihren Familien.“ Die Bundesregierung hoffe, dass die Rettungskräfte noch weitere Leben retten können.

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