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Bangladesch : Textilfirmen wollen Einsturzopfer entschädigen

  • Aktualisiert am

Wütende Demonstranten forderten am Dienstag die Todesstrafe für den Besitzer des eingestürzten Gebäudes. Bild: dpa

Die Zahl der Todesopfer ist sechs Tage nach dem Einsturz eines Hochhauses in Bangladesch auf 390 gestiegen. Textilhersteller wie Primark kündigen nun Hilfe an. Die Polizei ging gegen hunderte Demonstranten vor.

          Der Einsturz eines achtstöckigen Gebäudes mit mindestens 390 Toten hat den Druck auf internationalen Firmen erhöht, für bessere Bedingungen bei ihren Lieferanten zu sorgen. Neben einer britischen will auch eine kanadische Firma Opfer der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch unterstützen. Die Supermarktkette Loblaw kündigte an, die Betroffenen und ihre Familien sollten „jetzt und in der Zukunft“ Hilfe erhalten, ohne schon einen konkreten Betrag zu nennen.

          Die Einzelheiten müssten noch ausgearbeitet werden, hieß es in der Erklärung. Loblaw bestätigte, dass Zulieferer der Supermarktkette in der Unglücksfabrik herstellen ließen. Zudem trafen sich Vertreter von 45 Unternehmen - darunter H&M, JC Penney, Nike und Wal-Mart - mit dem Verband der Textilexporteure von Bangladesch, um über die Sicherheitsstandards zu sprechen.

          Zuvor hatte die irische Billigtextilkette Primark Unterstützung für die Opfer angekündigt. Sie will Betroffene und Hinterbliebene entschädigen. Das Primark-Team in Bangladesch arbeite daran, den Menschen Soforthilfe wie auch längerfristige Hilfe zukommen zu lassen, teilte das irische Unternehmen am Dienstag mit: „Wir arbeiten mit einer örtlichen Hilfsorganisation zusammen.“

          Entschädigungszahlungen für die Opfer

          Primark werde auch Entschädigungszahlungen an diejenigen Opfer und Hinterbliebenen leisten, die für einen Lieferanten der Billig-Kette gearbeitet haben. Das schließe auch langfristige Hilfen für Kinder ein, die ihre Eltern verloren haben. Der Lieferant hatte eine Etage in dem achtstöckigen Gebäude in der Hauptstadt Dhaka angemietet. Die spanische Kleidermarke Mango erklärte hingegen, sie habe in einer der Werkstätten lediglich Muster fertigen lassen. Der italienische Konzern Benetton bestätigte eine „einmalige Bestellung“ in der Fabrik.

          Das mehrstöckige, illegal errichtete Gebäude mit fünf Werkstätten war am Mittwoch vergangener Woche eingestürzt, bis zum Dienstag wurden 390 Todesfälle bestätigt. Zum Unglückszeitpunkt sollen sich etwa 3000 Menschen in der Fabrik aufgehalten haben. Es war der schlimmste Industrieunfall in Bangladeschs Geschichte.

          Knapp eine Woche nach dem Einsturz haben die Rettungskräfte so gut wie keine Hoffnung mehr auf Überlebende. „Ich denke nicht, dass irgendwer am sechsten Tag nach dem Unfall noch unter den Trümmern überlebt hat, wenn kein Wunder passiert“, sagte Abdus Salam von der Feuerwehr am Unglücksort nahe der Hauptstadt Dhaka. Am Montag wurde erstmals den ganzen Tag kein einziger Überlebender mehr geborgen.

          Feuer verhinderte die Bergung

          Rettungskräfte bargen stattdessen weitere Leichen aus dem zusammengestürzten Gebäude, in dem zuvor vor allem Textilarbeiterinnen beschäftigt waren. Nach Angaben der Behörden werden immer noch etwa 600 Menschen vermisst. Etwa 2400 Menschen waren verletzt worden, als das achtstöckige Gebäude am letzten Mittwoch einstürzte. Salam sagte, zuletzt sei am Sonntag eine Textilarbeiterin lebendig gefunden worden. Der Ausbruch eines Feuers habe ihre Bergung aber trotz verzweifelter Versuche verhindert. Als der Brand gelöscht worden sei, sei die Frau tot gewesen. Armee-Sprecher Shahinul Islam sagte, Helfer würden die Trümmer vorsichtig mit Kränen und Baggern wegräumen, um eventuelle Überlebende nicht zu gefährden.

          Derweil legten Textilarbeiter im Großraum Dhaka am Montag die Arbeit nieder. Sie forderten die Todesstrafe für Sohel Rana, den Besitzer des Gebäudes. „Hängt Rana, hängt den Mörder“, riefen etwa 100 Menschen. Demonstrierende Arbeiter griffen Textilfabriken an und setzten Autos in Brand. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. Etwa 20 Menschen wurden verletzt. Der Rana wurde am Montag erstmals vor Gericht angehört, er war zuvor an der Grenze zu Indien festgenommen worden. Der Gebäudebesitzer soll beim Bau minderwertiges Material verwendet haben. Von der Staatsanwaltschaft wird er der fahrlässigen Tötung beschuldigt.

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