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Bahnkatastrophe : Hunderte Tote bei verheerendem Zugunglück in Pakistan

  • Aktualisiert am

Verletzt und geschockt: Überlebende des Zugunglücks Bild: Reuters

Bei einem der schwersten Zugunglücke in Pakistan sind am Mittwoch morgen mehrere Hundert Menschen ums Leben gekommen. Das staatliche Fernsehen spricht von bis zu 300 Toten und etwa 1000 Verletzten.

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          Der Fehler eines Zugführers hat am Dienstag in Pakistan eine tödliche Kettenreaktion ausgelöst: Drei Personenzüge kollidierten in einem abgelegenen Bahnhof im Süden des Landes. Aus den insgesamt 17 entgleisten und zerstörten Waggons bargen Einsatzkräfte mindestens 127 Tote. Rund 170 Menschen wurden verletzt, viele davon wurden mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert. Etwa 75 Verletzte schweben noch in Lebensgefahr, so daß die Polizei befürchtet, daß die Zahl der Todesopfer noch ansteigen wird.

          Die Katastrophe ereignete sich in der Nähe von Ghotki in der südlichen Provinz Sindh, rund 600 Kilometer nordöstlich von Karachi. Der Lokführer des Schnellzugs von Lahore nach Karachi habe ein Signal mißachtet und sei so auf den stehenden Personenzug nach Quetta aufgefahren, der wegen technischer Probleme hatte anhalten müssen. Dies teilte der Direktor der Bahngesellschaft Pakistan Railways, Abdul Wahab Awan, mit. Bei der Kollision wurden drei Wagen auf ein anderes Gleis geschoben, in das ein dritter Zug hineinraste, der von Karachi nach Rawalpindi unterwegs war. In den drei Zügen befanden sich rund 1000 Fahrgäste.

          „Grauenhafte Situation“

          Der örtliche Polizeichef Agha Mohammed Tahir sprach von einer „grauenhaften Situation“. An der Unglücksstelle seien Metallfstücke, Glassplitter und Körperteile verstreut. Die Helfer müßten die Wagen teilweise aufschneiden, um zu den eingeschlossenen Fahrgästen vorzudringen. „Ich weiß nicht genau, wieviele Menschen starben, weil einige noch in den Trümmern liegen“, sagte der örtliche Polizeichef. Durch die Wucht des Aufpralls sollen viele Opfer bis zur Unkenntlichkeit entstellt sein. Viele Anwohner versuchten noch am Abend, die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

          Bahnhof Ghotki: 17 Waggons verkeilten sich ineinander
          Bahnhof Ghotki: 17 Waggons verkeilten sich ineinander : Bild: AP

          „Wir schliefen und wurden von einem lauten Knall geweckt“, sagte die 22 Jahre alte Suraya, die das Unglück überlebte. „Ich fiel auf den Boden. Dann hörte ich die Schreie.“ Ein Kameramann der Nachrichtenagentur AP, Naveed Zubairi, der mit seiner Familie nach Karachi unterwegs war und leicht verletzt wurde, beschrieb die Szenen der Verzweiflung nach der Kollision: „Meine Kinder schrien im Dunkeln. Mit meinem Mobilrelefon leuchtete ich die Umgebung ab. Es gab Verletzte. Ich stieg aus dem Wagen. Vier Wagen eines anderen Zuges lagen auf dem Nachbargleis auf der Seite, und die Leute darin riefen um Hilfe. Sie schlugen Fenster ein, um herauszukommen.“

          Präsident ordnet Untersuchung an

          Pakistans Präsident Pervez Musharraf ordnete Medienberichten zufolge eine Untersuchung des Unglücks an. Vertreter der Eisenbahn sprachen von menschlichem Versagen, ebenso wie die Provinzregierung. „Es ist eine Katastrophe, ganz klar das Ergebnis von Fahrlässigkeit“, sagte ein Sprecher der regionalen Regierung. „Wie kann es sein, daß zwei Züge auf demselben Gleis fahren?“ Die Polizei geht von einem Unglück aus und hält einen Sabotageakt von Regierungsgegnern für unwahrscheinlich.

          Die pakistanische Eisenbahn gilt als technisch veraltet. Wiederholt kam es in der Vergangenheit zu Zugunglücken, die auf Materialdefekte oder menschliches Versagen zurückgeführt wurden. Im Dezember 1989 kamen bei Sangi, 60 Kilometer von Ghotki entfernt, 400 Zugfahrgäste ums Leben. Zuletzt wurden am 5. März dieses Jahres fünf Menschen tödlich verletzt, weil ein Zug in der Provinz Punjab entgleiste. Ob die Untersuchung der unglücksursache Konsequenzen haben wird, also die Sicherheit der Passagiere verbessern wird, muß die Zukunft zeigen.

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