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Bahamas nach dem Hurrikan : Szenen wie im Horrorfilm

Insel Abaco: Viele Menschen gelten noch als vermisst. Bild: AP

Auf den Bahamas steigt die Zahl der Toten nach dem Hurrikan Dorian. Bewohner der Insel Abaco berichteten von Leichen, die auf den Straßen und am Hafen herumlägen.

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          Erschütternde Augenzeugenberichte von Einwohnern der Bahamas lassen eine Woche, nachdem Hurrikan Dorian auf der Inselgruppe auf Land getreten war, Schlimmes über das Ausmaß der Katastrophe erahnen. Bewohner der Insel Abaco, die am Wochenende mit einem Kreuzfahrtschiff nach Palm Peach in Florida gebracht wurden, berichteten von Leichen, die auf den Straßen und am Hafen herumlägen – „wie in einem Horrorfilm“. Die Zahl der Opfer wurde inzwischen auf mindestens 43 korrigiert. Die Regierung des Inselstaats teilte mit, sie gehe aber davon aus, dass die Zahl noch erheblich steigen werde. Hunderte Menschen, manche sprechen von Tausenden, gelten noch als vermisst. Der bahamaische Gesundheitsminister Duane Sands sagte im Rundfunk, er glaube, die endgültige Zahl der Todesopfer werde „überwältigend“ sein.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Am Sonntag vor sieben Tagen war „Dorian“ als Hurrikan der höchsten Stufe – Kategorie fünf – auf die nördlichen Inseln der Bahamas getroffen. Fatal war nicht nur seine Stärke, sondern auch das langsame Tempo, mit dem er sich über dem Atlantik bewegte. Teilweise kam er über der Insel Abaco zum Stillstand. Insgesamt wütete er über den Karibikinseln drei Tage lang und hinterließ eine Schneise der Zerstörung. Am Mittwoch war er weiter Richtung amerikanische Ostküste gezogen.

          Da der Flughafen von Freeport auf der Insel Grand Bahama westlich von Abaco unter Wasser stand und zum Teil zerstört wurde, konnte die Rettungs- und Bergungsarbeiten nicht gleich beginnen. Auch noch Tage später haben Katastrophenschützer und Rettungskräfte angesichts der Zerstörungen Schwierigkeiten, in die betroffenen Gebiete zu kommen. Abaco soll zu 60 Prozent verwüstet sein. Tausende Bewohner sind obdachlos. Diejenigen, die das Glück hatten, mit einer Fähre nach Nassau, in die Hauptstadt des Inselstaates, oder nach Florida zu gelangen, das 140 Kilometer entfernt ist, berichten über die prekäre Versorgungslage.

          Es mangele an Trinkwasser und Lebensmitteln, zudem gebe es keine Elektrizität und keine funktionierenden Tankstellen. Hinzu komme, dass es nun in den betroffenen Gebieten zum Teil auch nicht sicher sei, da Plünderer ihr Unwesen trieben. Die Vereinten Nationen teilten mit, dass 70.000 Personen, knapp ein Fünftel der gesamten Bevölkerung des Inselstaats, auf Hilfslieferungen angewiesen seien.

          Schon vor dem Wochenende hatten die amerikanische Küstenwache und die britische Marine Hilfseinsätze begonnen. So flogen Hubschrauber der Coast Guard Verletzte nach Nassau, wo sie in Krankenhäusern versorgt wurden. Bahamaische und amerikanische Hilfsorganisationen begannen zudem damit, Lebensmittel in die betroffenen Gebiete zu bringen. Der amerikanische Präsident Donald Trump bedankte sich bei Hubert Minnis, dem Premierminister des Inselstaates. Dieser hatte gesagt, ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten, wäre die Opferzahl noch sehr viel höher.

          Die Europäische Union stellte 500.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung. Auch die Bundeswehr beteiligt sich an den Hilfsaktionen. Das Verteidigungsministerium in Berlin teilte mit, 70 deutsche Marinesoldaten seien auf dem niederländischen Docklandungsschiff „Johan de Witt“, das Kurs auf die Bahamas nehme. Das Schiff, ein Hubschrauberträger, liege vor der Karibikinsel St. Martin und erhalte Ladung und Material. Es soll am Montag auslaufen.

          Am Freitag war Dorian an der Küste North Carolina auf Land getroffen, allerdings nur noch als Hurrikan der Kategorie eins. Wie in South Carolina, wo das Auge des Sturms vor der Küste geblieben war, verursachte der Wirbelsturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern in dem benachbarten Bundesstaat, unter anderem in der Urlaubsregion „Outer Banks“, Überschwemmungen und Stromausfälle. Mehrere örtliche Tornados hatten zudem zahlreiche Häuser zerstört. Auf seinem Weg nach Neufundland und Nova Scotia in Kanada wurde Dorian zwischenzeitlich wieder auf die Kategorie zwei hochgestuft.

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