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Tödliche Autounfälle : Ein Mensch stirbt, 113 sind betroffen

Jeder Unfall mit tödlichem Ausgang belastet im Durchschnitt elf Familienangehörige, vier enge Freunde, 56 Freunde und Bekannte, 42 Einsatzkräfte. Bild: dpa

Ehepartner, Verwandte, Freunde, Ärzte, Sanitäter, Zeugen – sie alle sind betroffen, wenn ein Mensch bei einem Autounfall ums Leben kommt. Wer kümmert sich um sie?

          5 Min.

          Im Jahr 2005 kamen 5361 Menschen im Straßenverkehr ums Leben. Drei davon gehörten zu Katharina Körner: ihr Sohn, ihr Mann, ihr Bruder. Die drei saßen gemeinsam im Auto. In ihrer Heimatstadt Baden-Baden wurde Körner zu der Frau „mit den drei Toten“. Man tuschelte über sie, wenn sie mit ihrem Zwillingskinderwagen in den Supermarkt kam. Katharina Körner ging durch diese erste Zeit im Überlebensmodus, überstand so Beerdigung, Behördengänge, Papierkram. Langsam, jeden Tag ein wenig mehr, fraß sich jedoch die Erkenntnis ins Bewusstsein: Die kommen nicht wieder. Der Schmerz war nicht auszuhalten.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Am schlimmsten waren die Nächte. Manchmal rannte sie in den Wald, einfach nur, um zu schreien. Sie wollte den Fahrer des Wagens umbringen, der eine Woche nach dem Unglück seine Arbeit als Anwalt wiederaufnahm. Die Konsequenzen für ihn, den besten Freund ihres Mannes, waren überschaubar. Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung, Geldstrafe, neun Monate Bewährung. „Er ist ein Jahr lang Bahn und Bus gefahren, das war’s.“ Und Körner wollte sterben, um ihrem Sohn nahe zu sein. „Das Kind, das eigene Kind, das wird dir aus dem Herzen gerissen.“ Als der Polizist ihr an dem furchtbaren Tag sagte, dass ein „schwerer Unfall“ passiert sei, fragte sie als Erstes nach ihrem Kind. Der Polizist sah auf den Boden. Dann fragte sie nach ihrem Mann und ihrem Bruder, und der Polizist konnte nichts sagen, sondern nur auf den Boden schauen. „Da wusste ich: Auf den Boden schauen heißt tot.“

          Helfer auf der Autobahn 2 bei Peine im Juni an einer Unfallstelle, an der ein Lkw-Fahrer getötet wurde.

          Heute, zwölf Jahre später, unterstützt Katharina Körner die neue Plakatkampagne der Aktion „Runter vom Gas“. Initiiert wurde sie vom Bundesverkehrsministerium und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Die Aktion gibt es mit wechselnden Kampagnen schon seit 2008; sie will durch „emotionale Ansprache“ Autofahrer für die Ursachen von Verkehrsunfällen sensibilisieren. Diesmal stehen das Leid der Angehörigen und die Belastungen der Rettungskräfte im Vordergrund. Seit Mitte Mai sind die neuen Plakate, die trauernde Menschen zeigen, entlang von Autobahnen zu sehen. Katharina Körner sagt, sie habe nach dem Unglück viele Jahre gebraucht, um ihrem Leben einen „Rahmen“ zu geben, in dem sie sich „zurechtfindet“.

          Auch Ablenkung verursacht Verkehrsunfälle mit Todesfolge

          Sie kann sich also, wie vor kurzem während der Vorstellung der Kampagne, vor eines der neuen Autobahnplakate stellen. Auf dem Plakat ist das Gesicht einer weinenden Frau zu sehen, darüber steht „Runter vom Gas!“. Katharina Körner lächelte für die Fotografen und erklärte kurz, dass dieses Motiv am besten passe, weil ihre Familie ja auch durch „überhöhte Geschwindigkeit“ verunglückt sei. Direkt neben ihr stand ein Plakat mit Tränengesicht und „Finger vom Handy!“ Dazu erzählte ein Polizist, wie man bei einem tödlich verunglückten jungen Mann, nachdem man ihn aus dem Blechberg geschnitten hatte, noch das Handy auf dem Schoß fand. Auf dem Display stand „Hallo“, er wollte wohl gerade eine Nachricht beantworten. Dabei krachte er auf der Gegenfahrbahn in einen Vierzigtonner.

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