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Brände in Australien : In der Hölle von Mallacoota

  • -Aktualisiert am

In Canberra scheint der Himmel zu glühen. Bild: EPA

Zwei Militärschiffe mit Geretteten aus Mallacoota sind am Samstag in Hastings gelandet. In dem Ort saßen wegen der Brände tagelang Tausende Menschen fest, unter ihnen auch ein deutsches Ehepaar. Wie ist es ihnen ergangen?

          7 Min.

          Der Rauch von den Buschfeuern an der Südostküste Australiens ist derzeit so dicht, dass man problemlos in den Himmel blicken kann, ohne geblendet zu werden. Der rote Feuerball gehört auch zu den Bildern, die sich der Deutschen Cosima Schroller besonders eingeprägt haben. Zusammen mit ihrem Ehemann Fabian Kostmann war sie zum Jahreswechsel tagelang in der kleinen Siedlung Gipsy Point nahe des Ortes Mallacoota von den Buschbränden eingeschlossen. Schroller und Kostmann hatten sich mit einigen Anwohnern und anderen Touristen in einem Haus verschanzt. Sie hatten das Steingebäude, das an einem Abhang über dem See lag, zum „Bunker“ erklärt, die Fenster mit Tüchern abgedichtet und in der Umgebung Büsche abgeschnitten und den Boden gewässert.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Gespenstisch war es, als sich der Himmel am Silvestermorgen erst komplett verdunkelte, bevor er dann blutrot leuchtete. Den tiefroten Himmel sah Schroller nur in der Reflektion von ein paar Granitsteinblöcken, die vor dem Gebäude standen. Es war der Moment, in dem die beiden deutschen Touristen zum ersten Mal so etwas wie Panik spürten. Die beiden Unternehmensberater kommen aus Berlin und Frankfurt, leben aber seit April im australischen Melbourne. Von dort hatten sie mit einem Mietwagen eine Tour entlang der Küste in Richtung Osten unternommen. „Es war das erste Mal, dass wir einen längeren Urlaub von zwei Wochen zusammen geplant hatten. Und dann gibt es so ein Drama“, sagt Cosima Schroller.

          Das Drama endete erst, als die beiden zusammen mit mehr als 1000 anderen Gestrandeten auf einem Marineschiff von Mallacoota in einen Hafen südlich von Melbourne gebracht wurden. Es war die größte Evakuierung in Australien in Friedenszeiten. Der Ort Mallacoota, wo inklusive Touristen zeitweise bis zu 4000 Menschen eingeschlossen waren, von denen sich viele vor den Flammen an den Strand gerettet hatten, ist zum Symbol der schwersten Buschfeuerkrise in der jüngeren australischen Geschichte geworden. Eine gewaltige Feuerwalze war dort zum Jahreswechsel bis nahe an die Küste vorgedrungen.

          In East Grippsland steigen Rauchschwaden auf.
          In East Grippsland steigen Rauchschwaden auf. : Bild: Reuters

          Apokalyptische Zustände

          Insgesamt zwei Militärschiffe mit Geretteten aus Mallacoota waren am Samstag in Hastings gelandet. Einige der Passagiere waren nach der Ankunft mit Reisebussen vom Anleger in ein Auffangzentrum gebracht worden. Dort fielen sie ihren Angehörigen in die Arme. Manche blieben minutenlang engumschlungen stehen. Viele trugen Taschen, Decken und Rucksäcke bei sich. Es waren Dutzende Hunde und auch einige Katzen mit dabei.

          Zu den Ankommenden gehörten drei 16 Jahre alte Mädchen, die aufgrund ihrer Asthma-Erkrankungen zu den Ersten gehörten, die in Sicherheit gebracht worden waren. Sie waren im Verlauf der Katastrophe Freundinnen geworden. „Wir hatten uns an unserem ersten Tag in Mallacoota kennengelernt. Nur ein paar Tage später haben wir uns zusammen durchgekämpft“, sagt Emily Wellington.

          Kostmann und Schroller an Bord des Rettungsschiffs.
          Kostmann und Schroller an Bord des Rettungsschiffs. : Bild: privat

          Wellington kommt wie ihre Freundin Tahnee Meehan aus Melbourne und war für ihre Sommerferien nach Mallacoota gereist. Die ebenfalls 16 Jahre alte Darcy Brown lebt dagegen in dem kleinen Ort. Ihre Familie hatte dort erst einen Monat vorher ein neues Haus bezogen. Ihr Zuhause ist nun bis auf die Grundmauern niedergebrannt. „Es ist komplett zerstört. Es hat sehr wehgetan, das zu sehen“, sagt sie.

          Viele der Geretteten waren von den Strapazen der vergangenen Tage gezeichnet. Insgesamt sind in dem Ort Dutzende Häuser zerstört worden. Es herrschten geradezu apokalyptische Zustände. Der aus Tasmanien stammende Tourist Nick Ritar erzählt, er habe am Strand von Mallacoota in den vergangenen Tagen Dutzende tote Vögel gesehen. Er warf der Regierung vor, sie habe den Beitrag des Klimawandels an den katastrophalen Buschbränden heruntergespielt. Gerade die Evakuierungsaktion zeige aber, wie unverantwortlich eine solche Haltung sei. „Es fühlt sich so an, als seien wir Australiens erste Klimaflüchtlinge. Und wir sind vielleicht auch nicht die letzten“, sagt Ritar.

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