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Ein Kontinent in Flammen : Die Wut und Angst der Australier

Das Verhalten der Politiker führt zu einer immer tieferen Spaltung in Australien. Denn die skeptische Haltung dem Klimawandel gegenüber, die insbesondere Bauern und Arbeiter in der Bodenschatzindustrie an den Tag legten, schmilzt in der Katastrophe. Mit einer Durchschnittstemperatur von 41,9 Grad verzeichnete Australien Mitte Dezember den heißesten Tag seiner Geschichte. Minister aber bezeichnen Klimaschützer als „Verrückte, die in den Innenstädten leben“ und drohen, Demonstranten die Sozialhilfe zu streichen. Die Erwärmung in Australien ließ nicht nur das Barrier-Reef in den vergangenen Jahren zu weiten Teilen sterben. Es steht als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Vereinten Nationen. Genauso wie große Waldgebiete von der Unesco geschützt werden, die nun den Flammen zum Opfer fallen. Spätestens jetzt könnten damit australische Regionen auf die Liste der gefährdeten Landstriche gesetzt werden, was Canberra im Fall des Barrier-Reef nur mit äußerstem diplomatischen Geschick noch verhindern konnte. Morrison selbst war vor nicht allzu langer Zeit noch mit einem Brocken Kohle in der Hand im Parlament erschienen, um für das „schwarze Gold“ zu werben und dessen Kritiker lächerlich zu machen. Wissenschaftler machen aber die fossilen Brennstoffe, auf die Australien setzt, für die Erderwärmung verantwortlich. Ausgerechnet in diesen Wochen öffnet der indische Adani-Konzern einer der größten Kohlegruben der Welt in Queensland. Immer mehr Unternehmenschefs hingegen fordern die eigenen Regierung zur Kehrtwende in ihrer Klimapolitik auf.

Der als Kohleanhänger umstrittene Energieminister, der frühere McKinsey-Berater Angus Taylor, verteidigte gerade die Energiepolitik der Regierung und erklärte, Australien werde von seinem klimapolitischen Kurs keinen Deut abrücken. Um die selbstverschuldete Energiekrise zu bekämpfen, die schon Morrisons-Vorgänger Malcolm Turnbull vor zwei Jahren ausgerufen hatte, will Taylor überalterte Kohlekraftwerke länger in Betrieb halten. Dennoch werde das Land alle Zielvereinbarungen zum Klimaschutz erreichen, behauptet er. Allerdings kann dies nur gelingen, wenn sich Australien dafür als einziges Land der Erde seine Übererfüllung der Klimaziele von Paris als „carryover credits“ gutschreiben lassen darf – was unter anderem Europa scharf kritisiert. Auch ein alter Australien-Freund, Fatih Birol, der einflussreiche Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), hat sich die Regierung unter großem Aufsehen nun vorgeknöpft: „Sie haben die finanziellen Möglichkeiten, die Bürger, die Sie unterstützen, und diese wundervoll innovativen Hirne im Land“, sagte er mit Blick auf den erhofften Schwenk in Australiens Energie- und Klimapolitik.

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