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Ein Kontinent in Flammen : Die Wut und Angst der Australier

An der Küste, wo viele der Beamten Canberras ihren Weihnachtsurlaub verbringen, hatte am Dienstag blankes Entsetzen geherrscht. Menschen versteckten sich hinter Sanddünen am Meer, um sich vor den extremen Temperaturen im angrenzenden Busch zu schützen. An den Häusern explodierten in der Hitze die Gasflaschen, die den Australiern zum Kochen dienen. Rund um den Surf Live Saving Club in Bermagui im Süden Canberras warteten mehr als 5000 Menschen auf Rettung. Als der Sturm in Mallacoota nach vielen Stunden des Bangens seine Richtung drehte, erschallte aus tausenden Kehlen ein befreiender Schrei. Die Bilder vor dem Widerschein der Flammen wirkten, als warteten die Menschen auf die rettende Arche Noah.

Die Hilfe aber braucht Zeit. Marineschiffe wurden am Mittwoch mobilisiert. Die Rettungskräfte kämpfen am Rande der Erschöpfung. Kanadier und Amerikaner sollen zum Entsatz eingeflogen werden. Doch nach einer Abkühlung in den nächsten Tagen droht die nächste Feuerwelle schon am Wochenende, sagen Meteorologen. Auf dem ganzen Kontinent sind die Temperaturen auf Rekordwerte von mehr als 40 Grad gestiegen. Die extreme Trockenheit der vergangenen Jahre lässt Bäume zu Zündhölzern werden. Kraftwerken fehlt das Kühlwasser, Stauseen verzeichnen Niedrigpegel.

Gegen Trockengewitter sind die Wehren machtlos

Die Katastrophenschützer warnen derweil vor „Feuergewittern“, die die riesigen Brände selbst erzeugen. Die hochauflodernden Flammen ziehen immer mehr Sauerstoff an, was zu Stürmen führt, die ihrerseits die Brände noch weiter beschleunigen. Der Pyro-Cumulonimbus führe zu „unberechenbaren Stürmen, Trocken-Blitzen und deshalb deutlich höheren Feuergeschwindigkeiten“, die die Brände in ganz unterschiedliche Richtungen trieben. Die Regierung spricht von „Flammagenitus“-Wolken, in denen sich „wie bei einem Atompilz oder einer Wolke nach einem Vulkanausbruch“ Gewitter bilden. Dabei steigt die Wolke bis in die Stratosphäre, um dort auf Eispartikel zu treffen: die unterschiedlichen Temperaturen führen zu Aufladungen, aus denen Gewitter ohne Regen entstehen. Diese Trockengewitter, bei denen jeder Niederschlag auf dem Weg zum Boden verdampft, entfachen aufgrund der Blitze immer neue Brandherde – ein Inferno, gegen das die besten Wehren am Boden machtlos sind.

Heiße Rauchschwaden (1) steigen in die Luft. In der Höhe mischen sie sich mit kälterer Luft (2) und kühlen ab. Steigen sie hoch genug und stimmen die Bedingungen in der Atmosphäre, entstehen Wolken (3) und ein Gewitter (4).  Es kommt zu Regen und Fallböen (5). Dabei können Blitze entstehen (6) die neue Brände verursachen.

Nachdem die Temperaturen am Mittwoch sanken, schlugen die Helfer weitere Schneisen, um die für das Wochenende erwarteten neuen Großbrände aufzuhalten. „Die Wetterbedingungen am Samstag werden mindestens so schlimm werden wie am Dienstag“, warnte die Ministerpräsidentin von New South Wales, Gladys Berejiklian. Sie hatte vor Tagen für ihren Bundesstaat den Notstand ausgerufen. Da weilte ihr Parteifreund, Ministerpräsident Morrison, noch im Familienurlaub auf Hawaii. Für ihn – und die Lügen seiner Mitarbeiter über seinen Aufenthalt – musste er sich nach seiner Rückkehr entschuldigen. Seitdem versuchte er, politischen Boden zurückzugewinnen. Zwar sagte Morrison, er werde „keinen Schlauch“ halten, zumindest aber ließ er sich in Einsatz-Leitständen und beim Hubschrauberüberflug fotografieren. Währenddessen trat der Katastrophenminister von New South Wales, David Elliott, einen Europaurlaub an – aus dem er nun nach dem Inferno zu Wochenbeginn vorzeitig zurückkehren muss.

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