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Buschbrände in Australien : Angst vor der nächsten Feuerwalze

Ein Buschfeuer vergangene Woche in New South Wales Bild: EPA

Trotz der Buschbrände in Australien soll das Feuerwerk in Sydney stattfinden. Für die kommenden Tage aber droht neue Gefahr.

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          Traditionell ist es das erste große Feuerwerk der Welt, mit dem das neue Jahr eingeläutet wird. Noch aber ist nicht ganz klar, ob Sydney auch in diesem Jahr die Raketen über Brücke und Opernhaus aufsteigen lassen wird – denn die Brandgefahr in dem ausgetrockneten Land ist extrem hoch. Angesichts von mindestens neun Toten, mehr als tausend abgebrannten Häusern und drohenden Feuerwalzen an diesem Montag und am Dienstag empfinden es viele Australier als zynisch, wenn die Metropole um Mitternacht vor Neujahr in Feierstimmung versetzt wird.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Mehr als eine Viertelmillion Menschen haben daher eine Petition zur Absage des Feuerwerks unterzeichnet, die vorsieht, dass das gesparte Geld an die mehr als 3000 freiwilligen Feuerwehrleute überwiesen werden soll, die seit Wochen gegen die Flammen im Land kämpfen. Im vergangenen Jahr soll das Spektakel rund sechs Millionen australische Dollar (3,8 Millionen Euro) gekostet haben. Allerdings ist ein großer Teil der Summe längst schon ausgegeben.

          Bunt und farbenfroh begrüßte Sydney das Jahr 2019.

          Scott Morrison, der gerade aus dem Urlaub auf Hawaii zurückgekehrte Ministerpräsident des Landes, sprach sich am Sonntag für das Abbrennen der Raketen aus: „Ich kann mir keinen besseren Zeitpunkt vorstellen, der Welt zu zeigen, wie optimistisch und positiv wir sind.“ Neben ihm stand Gladys Berejiklian, die Ministerpräsidentin des Bundesstaats New South Wales – sie war es gewesen, die vergangene Woche den Notstand hatte ausrufen lassen und ihren Parteifreund damit gezwungen hatte, aus dem Urlaub zurückzukehren. Viele Städte, unter ihnen die Hauptstadt Canberra, haben angesichts der Lage im Land die Feuerwerke bereits abgesagt. Sydneys Feier aber zieht jedes Jahr mehr als eine Million Menschen an und verschafft der Stadt Einnahmen von rund 130 Millionen australischen Dollar. Für Dienstag freilich werden neue Spitzentemperaturen von mehr als 40 Grad erwartet.

          „Wir erwarten eine sehr ernste, lebensgefährdende Lage“

          Am Sonntag ordnete Andrew Crisp, Leiter der Katastrophenschutzes, an, rund 30.000 Urlauber aus der Gippsland-Region bei Melbourne zu evakuieren. „Es wird heiß, es wird windig, es wird trocken“, warnte Crisp angesichts der gefährlichen Bedingungen, die für die nächsten Tage in mehreren Regionen des Kontinents erwartet werden. Die Lage könnte so schwierig werden, dass auch die rund 70 Löschflugzeuge und Hubschrauber nicht zum Einsatz kommen könnten, befürchtete Crisp. In der Region brennen rund 130.000 Hektar Land, drei Feuer gelten als „unkontrolliert“. Crisp mahnte: „Wir erwarten eine sehr ernste, lebensgefährdende Lage. Machen Sie keine Fehler in der Einschätzung.“ Schon am Sonntagmorgen war das Falls Music Festival in Lorne abgebrochen worden. Mehr als 9000 Fans mussten die Zeltstadt räumen, solange die Bedingungen dies noch erlaubten.

          Zum ersten Mal seit dem Jahr 1897 werde Melbourne in diesem Monat drei Tage mit Temperaturen jenseits von 43 Grad erleben, sagen Meteorologen für diesen Montag voraus. Südaustralien mit der Metropole Adelaide erwartet ähnliche Werte. In Australien geht die Sorge vor der nächsten Feuerwalze um – für diesen Montag wurde ein totaler Feuer-Bann im Staat verhängt.

          Angesichts der brisanten Lage und des politischen Desasters um seinen Familienurlaub in Krisenzeiten hat Morrison nun auch einen Kursschwenk bei den freiwilligen Feuerwehren vollzogen. Hatte er vor Tagen noch gesagt, die Frauen und Männer liebten es einfach, draußen im Feld zu stehen, kündigte er nun einen Ausgleich für deren Verdienstausfall an. Die Regierung habe daran „schon seit einiger Zeit gearbeitet“. Die Bundesstaaten New South Wales und Südaustralien wollen Selbständige oder Helfer, die für kleine oder mittelgroße Betriebe arbeiten, mit bis zu 300 australischen Dollar täglich entschädigen. Die Obergrenze werde bei 6000 Dollar liegen.

          „Es geht hier nicht darum, Freiwillige zu bezahlen. Hier geht es darum, die Anstrengungen unserer Freiwilligen aufrecht zu erhalten, indem wir die Leute vor finanziellen Verlusten bewahren“, sagte Morrison. Die Gesamtkosten schätzte er auf rund 50 Millionen Dollar. Vergangene Woche hatte die Regierung erklärt, dass Beamte wenigstens vier Wochen bezahlten Urlaub bekämen, wenn sie sich am Kampf gegen die Buschfeuer beteiligten. Allein in New South Wales waren am Sonntag rund 2300 freiwillige Helfer im Einsatz gegen die Flammen. Zwei von ihnen hatten vor wenigen Tagen ihr Leben verloren.

          Der Bundesstaat New South Wales hat unterdessen einen weiteren Beitrag zur Klimadebatte geliefert, die durch die nicht enden wollenden Feuer auflebt. Der Chef-Wissenschaftler des Landes, Hugh Durrant-Whyte, soll einen Plan ausarbeiten, um das Bundesland zu einem Weltführer bei nicht-fossiler Energie zu machen. Im Mittelpunkt soll dabei Wasserstoff stehen. „Wir sollten den Klimawandel ganz klar angehen, um unsere Umwelt zu schützen, aber auch mit demselben Gewicht, um unserer Volkswirtschaft eine Zukunft zu geben“, sagte Umweltminister Matt Kean. Die Bundesregierung um Morrison steht dem Klimawandel kritisch gegenüber und setzt weiterhin stark auf Kohle, um den Export zu steigern und Energie-Engpässe im eigenen Land zu vermeiden.

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