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Erdbeben in Italien : „Zehn Sekunden und danach ist alles eingestürzt“

Ein Bild der Zerstörung im italienischen Ort Amatrice Bild: AP

Um 3.35 Uhr beginnen in der italienischen Region Umbrien die Möbel umzufallen, die Wände bewegen sich, Häuser fallen in sich zusammen. Eine Großmutter rettet ihre Enkel in einem Versteck. Mindestens 73 Menschen sterben, immer wieder finden die Helfer Überlebende.

          „Ich bin durch ein Wunder gerettet worden“, sagt Marco, ein Bewohner in Amatrice. Er arbeitet bei der Stadtreinigung und war am Mittwochmorgen gerade dabei, sich auf den Weg zu seiner Schicht zu machen, als das Erdbeben seine Stadt erschütterte. „Ich bin zeitig aufgestanden, um auf Arbeit zu gehen. Plötzlich gingen die Erdstöße los und alles ist zusammengebrochen. Zehn Sekunden genügten und dann war alles zerstört“, erzählte er der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ein anderer Augenzeuge aus Amatrice berichtete der italienischen Zeitung „Repubblica“: „Es war ein Albtraum. Wir wurden um 3.35 Uhr wach, als die Möbel auf den Boden fielen und sich die Wände um einen Meter verschoben. Es gelang uns, das Haus in Eile zu verlassen. Einige laufen hier noch in ihrer Unterwäsche durch die Straßen. Wir haben auf der großen Piazza ein Feuer gemacht und sind dann losgezogen, um die älteren Menschen aus ihren Häusern zu befreien. Ich habe versucht, meine Mutter in Nommisci, einem Ortsteil in der Nähe, zu erreichen. Aber das Telefon funktioniert nicht.“

          Das Beben hatte in den frühen Morgenstunden zum Teil mehr als Stärke 6 erreicht und war selbst in Rom und Neapel zu spüren. Neben Amatrice sind besonders die Orte Accumoli und Arquata del Tronto im Zentrum Italiens betroffen. Das Epizentrum des Bebens lag in der Nähe von Norcia in der Region Umbrien.

          Erst mit Sonnenaufgang wurde das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, sagte am Morgen dem Nachrichtensender „RaiNews24“: „Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr. Die Menschen sind unter den Trümmern“. Auch wenn immer mehr Tote geborgen werden und die Zahl der Opfer steigt, finden Helfer auch immer wieder Überlebende. So wurden in Arquata del Tronto zwei Brüder durch die Umsicht ihrer Großmutter gerettet. Als das Beben begann, hatte sie sich mit den beiden kleinen Jungen unter ihrem Bett versteckt. Sie konnten unversehrt aus dem Schutt des eingestürzten Hauses gezogen werden.

          Ähnlich positives berichtet die Zeitung „Repubblica“ aus Pescara del Tronto. Dort kam ein Vater gerade von einer Reise aus Rom zurück. Das Haus seiner Eltern, in dem seine Söhne an jenem Abend übernachtet hatten, fand er durch das Erdbeben zerstört vor. Er grub so lange in den Trümmern, bis er seine beiden Söhne befreien konnte. Einer war vollkommen unversehrt, der andere kam mit einigen Kratzern davon.

          Das italienische Verteidigungsministerium hatte den Einsatz der Armee in den Erdbebengebieten angekündigt. Zum Teil sind die betroffenen Orte so stark verschüttet, das sie über die normalen Zufahrtsstraßen kaum mehr erreichbar waren. Der Bürgermeister des ebenfalls massiv betroffenen Ortes Accumoli erzählte mit zitternder Stimme dem italienischen Sender „RaiNews24“: „Das, was wir in L'Aquila vor Jahren gesehen haben, ist nun hier geschehen.“

          Die Karte der amerikanischen Erdbebenwarte USGS zeigt das Erdbeben in Italien.

          Am 6. April 2009 um 3.32 Uhr hatte ein schweres Erdbeben die mittelitalienische Stadt L’Aquila verwüstet. Es starben damals insgesamt 309 Menschen, Tausende Häuser wurden beschädigt, rund 70.000 Menschen obdachlos. Die Region wird immer wieder von starken Erdbeben erschüttert, wie ein Seismologe des italienischen Nationalinstituts für Geophysik und Vulkanologie bestätigte: „Im Band des Apennins, das von Umbrien über die mittleren Marken bis in die Abruzzen führt, treten seismische Aktivitäten häufig und sehr stark auf.“ 

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