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Tornado über Norddeutschland : Am Tag danach wird der Schaden sichtbar

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Abgedeckte Dächer, geborstene Dachziegel, abgerissene Regenrinnen: Eine Frau schiebt am Morgen nach dem Sturm ihr Rad durch Bützow. Bild: dpa

In Bützow wird erst am Tag nach dem Tornado der ganze Schaden sichtbar. Die Innenstadt bleibt gesperrt. In Hamburg kommt ein Mann ums Leben, in Schleswig-Holstein stehen etliche Keller unter Wasser.

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          Nach dem schweren Unwetter in der Kleinstadt Bützow bei Rostock sollen die Aufräumarbeiten am Mittwoch auf Hochtouren laufen. Ein Tornado hatte am Dienstagabend die Dächer vieler Häuser abgedeckt, auch ein Krankenhaus und ein Pflegeheim waren betroffen. „Den Schäden nach zu urteilen war es eine kräftige Windhose, wie Augenzeugen ja bereits berichtet hatten“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes am Mittwoch. Trümmerteile blockierten die Straßen. Mehr als 150 Einsatzkräfte waren bereits bis zum frühen Mittwochmorgen mit ersten Aufräumarbeiten beschäftigt. Ab 7 Uhr wollen sie ihre Arbeit fortsetzen.

          Die Innenstadt von Bützow soll bis mindestens 6.00 Uhr am Mittwoch gesperrt bleiben. Der Unterricht in zwei Schulen, der Grundschule und der allgemeinen Förderschule, fällt aus. Das Bildungsministerium teilte zur Begründung mit, die Gebäude seien zu stark beschädigt. Die Abitur-Prüfungen am Gymnasium Bützow dagegen finden statt.

          Bei den Unwettern waren nach Angaben von Landrat Sebastian Constien etwa 30 Menschen durch umherfliegende Trümmerteile leicht verletzt worden. Bürgermeister Christian Grüschow sprach von „massiven Schäden“. Das ganze Ausmaß werde sich erst am Mittwoch zeigen, dann solle eine Bestandsaufnahme gemacht werden.

          Notunterkünfte

          Für Betroffene waren zwei Sporthallen zu Notunterkünften umfunktioniert worden. Rund 300 Betten standen nach Grüschows Darstellung dort zur Verfügung. Wegen der zum Teil stark beschädigten Gebäude können zahlreiche Bewohner wahrscheinlich erst am Wochenende in ihre Häuser zurückkehren. „Davon ist in den meisten Fällen auszugehen. Zunächst werden bei Tageslicht alle Schäden gesichtet“, sagte ein Sprecher der Rettungsleitstelle Bad Doberan am frühen Mittwochmorgen.

          Der Katastrophenschutz des Landkreises richtete eine Einsatzleitstelle in der Stadt mit ihren knapp 8000 Einwohnern ein. Der Landkreis Rostock schaltete ein Bürgertelefon unter der Nummer 038461-500.

          Unwetterartige Regenfälle und Gewitter ließen auch in anderen Regionen von Mecklenburg-Vorpommern zahlreiche Bäume umstürzen und Verkehrsschilder umknicken. Der Verkehr war behindert, weil die Einsatzkräfte Bäume und Äste von den Straßen räumen mussten. In Grimmen (Landkreis Vorpommern-Rügen) wehte der Sturm Dachziegel auf ein fahrendes Auto. Es entstand aber nur geringer Sachschaden, Menschen wurden nicht verletzt.

          Toter in Hamburg

          In Hamburg ist bei dem Unwetter ein 26-Jähriger am Fischmarkt durch ein einstürzendes Vordach getötet worden. Die Teile seien auf sein Auto gefallen und hätten den Mann eingeklemmt, sagte ein Polizeisprecher. Die schwangere Lebensgefährtin des Opfers, die ebenfalls im Wagen saß, kam verletzt in ein Krankenhaus.

          Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometern und Starkregen ließen in der Hansestadt Bäume und Äste auf Straßen und Autos stürzen, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Dabei seien drei weitere Menschen in ihren Wagen eingeklemmt worden. Besonders im Nordosten Hamburgs behinderten Böen und heftiger Regen den Verkehr. Eine S-Bahn-Linie konnte etwa eine Stunde lang nicht fahren, weil ein Baum auf die Gleise gestürzt war. Wegen des Unwetters war nur ein eingeschränkter Betrieb der Buslinien in Hamburg möglich. Auch die U-Bahn war betroffen.

          Dieser Dachstuhl eines Hauses in der Bützower Altstadt wurde vom gestrigen Sturm schwer beschädigt. Bilderstrecke
          Dieser Dachstuhl eines Hauses in der Bützower Altstadt wurde vom gestrigen Sturm schwer beschädigt. :

          Die Feuerwehr war wegen überfluteter Keller und umgestürzter Bäume im Dauereinsatz. Innerhalb kurzer Zeit gingen rund 300 Notrufe ein. Auch der Sprecher der Hamburger Feuerwehr konnte seinen Lagedienst mehr als eine Stunde nicht erreichen. Die Zugstrecke zwischen Hamburg und Lübeck war vorübergehend in beide Richtungen gesperrt - ein Baum war auf die Bahngleise gefallen. Die Fahrgäste wurden mit Bussen weitertransportiert. Ein ICE musste auf dem Weg zwischen Hamburg und Dortmund auf Gütergleise umgeleitet werden, weil ein Baum auf eine Oberleitung gekippt war.

          Am Burchardkai im Containerhafen in Hamburg-Waltershof rissen sich durch den heftigen Sturm fünf Containerschiffe los. Sie trieben aufeinander zu und berührten sich, sagte der Polizeisprecher. Dabei sei Schaden in unbekannter Höhe entstanden. Schlepper mussten die Schiffe zurück an die Kaianlagen bugsieren.

          Teile des Holstentors unter Wasser

          In Schleswig-Holstein verzeichneten die Einsatzkräfte zunächst keine größeren Zwischenfälle. Nach Angaben der Feuerwehr waren Keller überflutet, einzelne Verkehrsschilder flogen durch die Luft.

          In Lübeck drang Starkregen auch in das Holstentor ein und überflutete Teile des Museums, wie die Feuerwehr mitteilte. „Ebenso wurde das Dach des Heiligen-Geist-Hospitals durch Sturmböen beschädigt, so dass auch hier Regenwasser eindringen konnte.“ Die Einsatzkräfte pumpten das Wasser aus den Gebäuden. Am Nordlandkai stürzte ein Hafenkran auf ein Containerschiff. Menschen wurden nicht verletzt, hieß es.

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