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Atomkatastrophe in Fukushima : Tepco: Strahlung 100.000 Mal höher als normal

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Reaktor 4, Bild vom 27. März Bild: dapd

Der Betreiber des schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima hat mit seinen Angaben über erhöhte Strahlenwerte für Verwirrung gesorgt. Das Wasser im Reaktor zwei sei zwar radioaktiv verseucht, ein Wert zehn Millionen Mal so hoch wie normal sei aber falsch, erklärte ein Sprecher.

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          Die radioaktive Verseuchung am japanischen Katastrophen-Atomkraftwerk Fukushima hat extreme Werte erreicht. Wasser in den Reaktoren ist hochgradig verstrahlt. Das Meer nahe der maroden Meiler ist immer stärker belastet. Der Kraftwerks-Betreiber ließ Bodenproben vom Gelände der havarierten Anlage von unabhängigen Spezialisten auf das hochgiftige Schwermetall Plutonium untersuchen. In Japans Bevölkerung stieg die Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Regierung. In Deutschland forderten bei den bislang größten Massenprotesten gegen Atomkraft bis zu 250.000 Menschen einen Sofortausstieg aus der Kernenergie.

          Die Strahlung im Wasser des Reaktors 2 lag nach Angaben des Betreibers Tepco vom Montagmorgen (Ortszeit) 100.000 Mal höher als normal. Zuvor hatte der Betreiber nach Messungen im Turbinenhaus sogar von einer zehn Millionen Mal höheren Belastung als sonst berichtet, danach aber von Messfehlern gesprochen. Arbeiter, die Messungen in dem Krisenmeiler durchführten, mussten wegen der tödlichen Strahlung das Feld räumen.

          Die japanischen Agenturen Jiji und Kyodo berichteten von einer Strahlenbelastung von 1000 Millisievert pro Stunde im Wasser von Block 2. Das würde bedeuten, dass ein Arbeiter den bereits von 100 auf 250 Millisievert angehobenen Grenzwert binnen 15 Minuten abbekommen hätte.

          Reaktor 4, Bild vom 27. März
          Reaktor 4, Bild vom 27. März : Bild: dapd

          Die Notlage in Fukushima wurde durch das Erdbeben und den Tsunami vom 11. März ausgelöst, bei dem die Kühlsysteme der Meiler ausgefallen waren. Nach der Umweltkatastrophe wurden 10.804 Leichen geborgen, 16. 244 Menschen werden noch vermisst. Die Lage der Erdbebenopfer ist noch immer dramatisch. Am Wochenende behinderten auch Schnee und eisige Temperaturen die Bergungsarbeiten. In vielen Unterkünften gibt es kein Heizmaterial.

          Kraftwerks-Betreiber Tepco ließ Bodenproben vom Gelände der havarierten Anlage von unabhängigen Spezialisten auf das hochgiftige Schwermetall Plutonium untersuchen. Mit Ergebnissen sei innerhalb der kommenden Tage zu rechnen. Tepco selbst hatte kein Plutonium nachweisen können. In Fukushima gilt Block 3 als besonders gefährlich, weil es sich bei dessen Brennelementen um Plutonium-Uran-Mischoxide (MOX) handelt. Das radioaktive Plutonium hat eine Halbwertzeit von 24.000 Jahren. Gerät der Stoff in den Körper, kann Krebs entstehen.

          Das Wasser in den Turbinenhäusern macht die verzweifelten Rettungsarbeiten in Fukushima lebensgefährlich. Es sollte dennoch abgepumpt werden, um an der dringend nötigen Verkabelung der Kühlsysteme arbeiten zu können. Mit der seit vielen Tagen erhofften Wiederherstellung der Stromzufuhr sollen die mächtigen Maschinen des regulären Kühlsystems wieder angeworfen werden. Wasser steht bis zu einem Meter hoch in den Turbinenhäusern von vier Reaktorblöcken von Fukushima Eins. Es ist jedoch unterschiedlich stark belastet.

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