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Atom-Glossar : Von Becquerel bis Strahlenkrankheit

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Die Lage im japanische Atomkraftwerk Fukushima gerät außer Kontrolle. Inzwischen hat die radioaktive Strahlung im Umkreis gesundheitsgefährdende Werte erreicht. FAZ.NET erklärt die wichtigsten Fachbegriffe.

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          Die Lage im japanische Atomkraftwerk Fukushima gerät außer Kontrolle. Inzwischen hat die radioaktive Strahlung im Umkreis gesundheitsgefährdende Werte erreicht. FAZ.NET erklärt die wichtigsten Atom-Fachbegriffe.

          Becquerel

          Becquerel (Bq) ist ein Maß dafür, wie aktiv eine radioaktive Substanz ist. Sie gibt die Anzahl der Atomkerne an, die pro Sekunde radioaktiv zerfallen und dabei radioaktive Strahlung aussenden. Ein Becquerel entsprichte einem Zerfall pro Sekunde. Dabei spielt die Art der Strahlung keine Rolle.

          Borsäure

          Borsäure ist eine Sauerstoffsäure mit einem hohen Absorptionskoeffizient für thermische Neutronen. Das heißt, dass die Säure dazu benutzt werden kann, die nukleare Kettenreaktion zu unterbinden. In Druckwasserreaktoren wird sie deshalb dazu eingesetzt, die Leistung des Reaktors zu steuern, in Siedewasserreaktoren dagegen nur im Notfall - wie jetzt in Fukushima.

          Brennstab

          Brennstäbe sind Röhren, die mit zur Kernspaltung vorgesehenem Brennstoff gefüllt ist. Die Brennstabhülle besteht aus Metall und verhindert, dass der Kernbrennstoff und Spaltprodukte in das Kühlmittel gelangen.

          Cäsium

          Das Element Cäsium kommt in geringen Mengen in der Natur vor. Natürliches Cäsium 133 ist ein goldglänzendes Metall im Gestein. Das radioaktive Isotop Cäsium 137 entsteht bei der Kernspaltung. Cäsium 137 kann bei einem schweren Reaktorunfall wie jetzt in Japan oder vor 25 Jahren in Tschernobyl über die Abluft oder das Abwasser aus dem Reaktorkern in die Umwelt entweichen. Aus der Luft wird es von Tieren und Pflanzen aufgenommen. So gelangt es auch in Milch, Fleisch und Fisch. Hohe Konzentrationen von Cäsium 137 können Muskelgewebe und Nieren des Menschen schädigen. Es verteilt sich im Körper, so dass seine Strahlung den ganzen Organismus trifft. Cäsium 137 wird auch zur Strahlenbehandlung in der Krebstherapie, bei Materialprüfungen oder zum Betrieb von Atomuhren eingesetzt. Es zerfällt mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren - das ist die Zeitspanne, die vergeht, bis die Hälfte der ursprünglichen Menge einer radioaktiven Substanz zerfallen ist.

          Containment

          Als „Containment“ (Eindämmung) wird der Sicherheitsbehälter bezeichnet, der den Reaktordruckbehälter umschließt. Er soll in Störfällen den Austritt von Radioaktivität verhindern. Er besteht aus Stahl und ist meistens in das Reaktorgebäude aus meterdickem Beton eingebaut. Oft gibt es auch mehrere solcher Behälter (deshalb „Containment 1“ und „Containment 2“).

          GAU

          Ein GAU ist der „größte anzunehmende Unfall“. Kommt es infolge eines schweren Störfalls in einem Kernkraftwerk zu einer Katastrophe, die nicht mehr beherrscht werden kann, ist umgangssprachlich oft von einem „Super-GAU“ die Rede. Dies ist der Fall, wenn der Reaktorkern schmilzt oder der Druckbehälter birst - wie bei dem bislang größten bekanntgewordenen Unfall in einem Atomkraftwerk 1986 in Tschernobyl in der Ukraine.

          Gray

          In der Einheit Gray (gy) wird angegeben, wie intensiv die Bestrahlung ist. Sie findet vor allem Anwendung in der Medizin, wo sie die angewendete Strahlungsdosis bei der Strahlentherapie und der nuklearmedizinischen Therapie angibt. Über die biologische Wirkung sagt dieser Wert allerdings nicht viel aus.

          INES

          Störfälle oder schwere Unfälle in kerntechnischen Anlagen werden mit Hilfe einer internationalen Bewertungsskala eingestuft. Diese Skala für nukleare Ereignisse heißt INES (International Nuclear Event Scale). Sie reicht von 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) bis 7 (schwerste Freisetzung mit Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld).

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