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Asteroid im Ural : So hell wie 30 Sonnen

Heller als die Sonne: Eine Amaturenbrettkamera hat den Asteroiden aufgenommen Bild: dpa

Monate nach der Explosion im Ural können Forscher Details über den Asteroiden vorlegen: Das 4,45 Milliarden Jahre alte kosmische Gesteinsbrocken habe bei seiner Explosion eine Sprengkraft von 600 Kilotonnen TNT gehabt.

          Die Explosion des Asteroiden, der am 15. Februar dieses Jahres 30 Kilometer über der russischen Stadt Tscheljabinsk explodierte, hatte die unvorstellbare Sprengkraft von etwa 600 Kilotonnen TNT entwickelt - was der Strengkraft von etwa 45 Hiroshima-Atombomben entspricht.   Durch die ungeheure Druckwelle der Explosion seien rund 7.000 Gebäude in der Region am Ural beschädigt worden. Die umherfliegenden Glassplitter der zerplatzten Fensterscheiben hätten mehr als 1.200 Menschen verletzt, die in den Krankenhäusern behandelt wurden.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das sind einige Ergebnisse der umfangreichen Untersuchungen, die drei internationale Forschergruppen jetzt in den renommierten Wissenschaftsmagazinen  „Science“ (doi: 10.1126/science.1242642)  und „Nature“ (doi: 10.1038/nature12671 und doi: 10.1038/nature12741) präsentieren. Außer einer großen Druckwelle löste die Detonation auch eine Hitzewelle aus, deren Auswirkungen viele Bewohner in der Umgebung der 1.500 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Stadt schmerzlich zu spüren bekamen.

          Ein Lichtblitz, dreißigmal so hell wie die Sonne

          „Zahlreiche Menschen klagten über Sonnenbrände im Gesicht und über eine Blendung des Augenlichts“, sagt Olga Popova von der russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau, für die das Ereignis in Tscheljabinsk der größte Asteroiden-Einschlag auf der Erde seit 100 Jahren war. Er sei nur zu vergleichen mit der Explosion des Tunguska-Asteroiden, der  im Jahr 1908 eine große Waldfläche in Sibirien verwüstete. Der Lichtblitz der Detonation über Tscheljabinsk sei dreißigmal so hell gewesen wie die Sonne.

          Simulation: Eintritt des Tscheljabinsk-Asteroiden in die Atmosphäre.

          Die Wissenschaftlerin hat mit ihren Kollegen 50 betroffene Dörfer im Umkreis von 90 Kilometern besucht, zahlreiche Zeugen des Ereignisses befragt und Videofilme ausgewertet, die Kameras von der Explosion festgehalten haben. Nach Angaben der Forscher hatte der Brocken aus dem All einen Durchmesser von etwa 20 Metern und ein Gewicht von etwa 10.000 Tonnen.

          Kein ausreichendes Bewusstsein für die Gefahren aus dem All

          Berechnungen zeigen, dass der Asteroid mit einer Geschwindigkeit von 19 Kilometern pro Sekunde unter einem Winkel von knapp 18 Grad  in einer Höhe von etwa hundert Kilometern in die Erdatmosphäre eingedrungen war. Mindestens drei Viertel des Asteroiden seien bei der Explosion in einer Höhe zwischen 40 und 30 Kilometern verdampft. Der Rest sei auf die Erde niedergegangen, zum größten Teil als Staub. Das größte Fragment war in den Tschebarkul-See gestürtzt. Dort hatten Taucher vor kurzem ein rund 600 Kilogramm schweres Bruchstück geborgen. Die aufgefundenen Meteoritenstücke gehören  offenkundig zur Klasse der LL-Chondriten und enthält somit nur wenig Metalle.

          Flugbahn des Tscheljabijnsk-Asteroiden. Innerhalb weniger Sekunden legte er eine Strecke von 200 Kilometern zurück.

          Die Forscher datieren den Tscheljabinsk-Asteroiden auf mindestens 4,45 Milliarden Jahre (Das Alter unseres Sonnensystems wird sich auf 4,57 Milliarden Jahre geschätzt.) Vermutlich war er ein Fragment eines größeren Asteroiden, der vor 1,2 Millionen Jahren auseinandergebrochen ist. Die übrigen Teile befinden sich wahrscheinlich noch im All und gehören zu den erdnahen Asteroiden.

          Tscheljabinsk: Ein großer Teil des Asteroiden wurde aus einem See gezogen

          Nach Ansicht des kanadischen Forschers Peter Brown von der University of Western Ontario ist man sich der Gefahren aus dem Weltall nicht ausreichend bewusst. Zurzeit werden nur etwa 500 erdnahe Objekte mit einem Durchmesser zwischen zehn und 20 Metern ständig beobachtet. Das ist nur rund ein Prozent der Himmelskörper, die potentiell gefährlich werden könnten.

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