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Buschbrände in Australien : Als würde man Kette rauchen

Das nunmehr düstere Zentrum von Sydney mit der berühmten Hafenbrücke liegt am 2. Dezember 2019 im Rauch der seit Wochen tobenden Waldbrände. Bild: EPA

In Australien brennt in vielen Regionen noch immer der Busch. Das gefährdet nicht nur die Menschen vor Ort, sondern lässt auch Metropolen wie Sydney unter dem aufziehendem Rauch ächzen.

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          Die Buschfeuer in Australien sind außerhalb des Landes weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Das bedeutet aber nicht, dass die Gefahr gebannt ist. So musste die Feuerwehr in New South Wales am Donnerstag wieder für sieben verschiedene Brände eine Warnung aussprechen. Die meisten der Feuer wüteten unweit der Millionenmetropole Sydney. Bewohner am rund 100 Kilometer entfernt liegenden Gospers Mountain wurden angehalten, die Gegend so schnell wie möglich zu verlassen. Dort hat das Feuer schon 230.000 Hektar Land niedergebrannt. Das Dorf Colo Heights wurde hingegen darüber informiert, dass es für seine Bewohner zur Evakuierung schon zu spät sei. Sie sollten stattdessen in den Häusern vor dem Feuer Unterschlupf suchen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          In dem Dorf haben einige Anwohner ihre Häuser unter anderem mit Sprinkleranlagen so ausgerüstet, dass sie einem Buschfeuer zumindest für eine Weile standhalten. Aber nicht alle dort sind so gut vorbereitet. Vor wenigen Wochen hatte das Feuer in Colo Heights schon ein Haus niedergebrannt. Viele Menschen sehen es offenbar trotzdem so wie die Anwohnerin Glenys Dowling aus Oakdale, die im Fernsehsender ABC zitiert wurde: „Ich werde nicht gehen. Dies ist das Haus meiner Familie. Ich weiß, was zu tun ist und wie ich mich schützen kann.“

          Luftstatus: „gefährlich“

          Betroffen sind neben New South Wales auch das Hauptstadtterritorium von Canberra sowie die Bundesstaaten Queensland und Westaustralien. Presseberichten zufolge sind allein in New South Wales seit Juli zwei Millionen Hektar Land verbrannt. Es wurden mehr als 7000 Feuer gezählt. Die Behörden sprechen von der bisher schlimmsten Buschfeuer-Saison überhaupt. Obwohl sie gerade erst begonnen hat, kamen schon sechs Menschen ums Leben. 673 Häuser wurden zerstört.

          Die Buschfeuer haben auch Auswirkungen auf die Luftqualität in Sydney. Die Millionenstadt war am Donnerstag vielerorts in dichten Rauch gehüllt. Der Index, mit dem die Luftqualität gemessen wird, kletterte auf die Stufe „gefährlich“. Seit Oktober wurden derartige Werte schon an 17 Tagen erreicht. Im vergangenen Jahr war es im gesamten australischen Sommer nur ein einziger Tag gewesen. Laut Umweltbehörde erlebt New South Wales die längste Periode starker Luftverschmutzung seit Beginn der Aufzeichnungen.

          In Sydney wächst die Sorge der Bewohner über den giftigen Rauch, den sie seit Wochen einatmen. In den Medien werden zunehmend die gesundheitlichen Risiken und die Vor- und Nachteile von Atemschutzmasken erörtert. Ärzte empfehlen, bei geschlossenen Fenstern und Türen in den Häusern zu bleiben. Das bringt seine eigenen Probleme mit sich. Einige Kinder in den Kindergärten sind seit zwei Wochen nicht mehr vor der Tür gewesen.

          Protest gegen australische Regierung

          „Stellen Sie sich vor, wie es ist, 19 Kleinkinder den ganzen Tag drinnen zu behalten. Wir werden schon ein wenig verrückt“, sagte eine Kindergärtnerin dem „Sydney Morning Herald“. Auch in den sozialen Medien berichten die Menschen ausführlich über ihre Beschwerden: „Mit Sicherheit einer der schlimmsten Tage heute. Mein ganzes Haus riecht wie ein Barbecue. Meine Augen und Kehle sind so trocken. Und meine Großmutter musste ins Krankenhaus“, schrieb die Nutzerin Gemini Gab am Donnerstag auf Twitter. „In der Nacht flog Asche durch mein Fenster“, twitterte Kate Lindsay. Ein Nutzer schrieb auf Twitter, bei dieser Luft joggen zu gehen sei, als ob man beim Laufen eine filterlose Camel nach der anderen rauche.

          Weiterhin für Kontroversen sorgt die Frage, inwieweit ein Zusammenhang zwischen den Buschfeuern und dem Klimawandel besteht. Am Donnerstag protestierte eine Frau gegen die von ihr wegen Untätigkeit kritisierte Klimapolitik der Regierung von Premierminister Scott Morrison, indem sie die Überreste ihres verbrannten Hauses vor dem Parlament in Canberra ablegte. Ihr Haus war in Nymboida, 45 Kilometer südwestlich von Grafton in New South Wales, den Flammen zum Opfer gefallen. „Morrison, Ihre Klimakrise hat mein Haus zerstört“, hatte sie auf ein Stück Wellblech gesprüht. Es hatte bis vor kurzem zum Dach ihres Hauses gehört.

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