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Angst vor einem neuen Tsunami : Atomkraftwerk Hamaoka stillgelegt

  • Aktualisiert am

Arbeiter im Katastrophenreaktor 1 in Fukushima Bild: dapd

Aus Angst vor einem weiteren Tsunami ist das Atomkraftwerk Hamaoka vom Netz genommen worden. In Fukushima haben Arbeiter steigende Radioaktivität gemessen. Ein Arbeiter wurde gar unfreiwillig in die Atomruine geschickt.

          Aus dem zerstörten Atomkraftwerk in Fukushima Daiichi meldet der Betreiber erhöhte radioaktive Werte. Im zerstörten Gebäude des Reaktors 1 hat der Atomkonzern Tepco bis zu 700 Millisievert pro Stunde gemessen. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf einen Tepco-Bericht.

          Dort, wo Arbeiter neue Kühlsysteme installiert hatten, war die radioaktive Belastung zuletzt auf 10 bis 70 Millisievert pro Stunde gesunken. Der Grund für die erhöhten Werte war zunächst nicht bekannt. Sieben Arbeiter des Betreibers Tepco und zwei Vertreter der staatlichen Atom-Agentur hatten das Gebäude 1 am frühen Montagmorgen (Ortszeit) für Messungen der Strahlenwerte betreten.

          Der Kraftwerksbetreiber Tepco erklärte, möglicherweise Bleivorrichtungen und Metalltunnel einsetzen zu müssen, um die Arbeiter vor der radioaktiven Strahlung zu schützen.

          Die Rettungskräfte haben Strahlenwerte von bis zu 700 Millisievert pro Stunde gemessen

          Arbeiter unfreiwillig in Fukushima eingesetzt

          Ein Bewerber für einen Job als Lastwagen-Fahrer ist unfreiwillig für Arbeiten am beschädigten Atomkraftwerk Fukushima eingesetzt worden. Der Mann habe sich für eine vorübergehende Arbeit als Fahrer in der Präfektur Miyagi beworben, sich bei Antritt der neuen Stelle aber auf dem Gelände des bei dem schweren Erdbeben und anschließenden Tsunami im März stark beschädigten Atomkraftwerks wiedergefunden, sagte Satoshi Hoshino von der Arbeitsvermittlung in Osaka am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

          Der 60 Jahre alte Mann sei mit Atemmaske und Schutzkleidung ausgestattet worden und sollte Wasserschläuche an Pumpfahrzeuge anschließen und damit zur Kühlung der Reaktoren 5 und 6 beitragen.

          Der Arbeiter habe daraufhin die Arbeitsvermittlung angerufen und gefragt, ob er weiterhin nahe der beschädigten Reaktoren arbeiten solle, sagte Hoshino. Letztlich habe er seine Arbeit dort für die gesamte vorgesehene Dauer von 30 Tagen verrichtet. Angesichts der Arbeitsbedingungen sei der Mann möglicherweise Radioaktivität ausgesetzt worden, wodurch er gesundheitliche Probleme bekommen könnte, gestand der Behördenvertreter ein. Der Arbeitgeber in der Präfektur Gifu erklärte, es habe sich um eine Verwechslung gehandelt, die auf logistische Schwierigkeiten nach dem Erdbeben zurückzuführen seien.

          Laut einem Bericht von Kyodo gab es einen weiteren Fall, in dem ein Mann zu Arbeiten zum Atomkraftwerk Fukushima geschickt wurde, obwohl er sich für einen anderen Job beworben hatte.

          Radioaktivität am Atomkraftwerk Tsuruga freigesetzt

          Unterdessen ist am Atomkraftwerk Tsuruga Zwei an der Westküste Japans Radioaktivität freigesetzt worden. Das Ausmaß sei jedoch sehr gering, zitiert Kyodo den Betreiber Japan Atomic Power (Japco). Am Atomkraftwerk Tsuruga Zwei hatte es erst vor eine Woche Probleme gegeben, Substanzen im Kühlwasser des Reaktors hatten auf defekte Brennelemente hingewiesen. Der Meiler wurde zeitweise heruntergefahren.

          Ein Mitarbeiter der japanischen Atomsicherheitsbehörde Nisa hatte anschließend versichert: „Es gibt keine Auswirkungen auf die Umwelt.“ Warum nun doch radioaktive Substanzen in die Umgebung gelangten, wurde zunächst nicht bekannt.

          Atomkraftwerk Hamaoka heruntergefahren

          Derweil hat der Betreiber des Atomkraftwerks Hamaoka in Zentraljapan in der Region Shizuoka seine Atomanlage heruntergefahren. Das hat das Unternehmen Chubu Electric Power am Montag entschieden. Japans Regierung hatte Druck auf den Betreiber ausgeübt, da das Atomkraftwerk über einer geologisch kritischen Erdplatte liegt und bei einem weiteren schweren Erdbeben gefährdet sein könnte. Am Freitag hatte Japans Ministerpräsident Naoto Kan den Betreiber aufgefordert, das Atomkraftwerk abzuschalten, um einen weiteren Nuklearunfall bei einem neuen Erdbeben wie am 11. März zu vermeiden.

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