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Kopilot Andreas Lubitz : Germanwings-Absturz von langer Hand geplant

Bild: dpa

Der Kopilot der Germanwings-Maschine probte in einem unbemerkten Moment offenbar schon auf dem Hinflug nach Barcelona einen starken Sinkflug per Autopilot. Das geht aus dem Zwischenbericht der französischen Flugunfallbehörde hervor.

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          Der Absturz des Germanwings-Flugzeugs mit 150 Menschen an Bord am 24. März in den französischen Alpen war das Ergebnis einer von langer Hand geplanten Aktion des Kopiloten. Zu diesem Schluss kommt der Zwischenbericht der französischen Flugunfallbehörde BEA in Le Bourget bei Paris, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. BEA-Leiter Rémi Jouty wies allerdings Pressespekulationen darüber zurück, Andreas Lubitz könne den Absturz schon auf dem Hinflug von Düsseldorf nach Barcelona geplant gehabt haben.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Eine gründliche Auswertung des Flugdatenschreibers hat ergeben, dass Lubitz während des Hinflugs wiederholt den Autopiloten verstellte und die Flughöhe sekundenlang auf 100 Fuß senkte, als er allein im Cockpit saß. Das geschah aber während eines von der Flugsicherung in Bordeaux angeordneten Sinkflugs, so dass den Fluglotsen und der Crew die kurzen, ungewöhnlichen Flugbewegungen nicht auffielen. Zudem korrigierte Lubitz die Einstellungen umgehend wieder. Auch öffnete er dem Flugkommandanten sofort die Cockpittür, als dieser um Eintritt bat.

          Während der Abwesenheit des Flugkommandanten im Cockpit von 7.19 Uhr bis 7.24 Uhr zeichnete der Flugschreiber jedoch ungewöhnliche Flugbewegungen auf. So reduzierte Lubitz die eingestellte Flughöhe um 7.20 Uhr „für drei Sekunden“ auf 100 Fuß, gut 30 Meter. Dann stabilisierte er die Flughöhe wieder auf 35 000 Fuß. Um 7.22 Uhr schaltete er wieder auf 100 Fuß, korrigierte es wieder, schaltete nochmals auf 100 Fuß und stabilisierte das Flugzeug um 7.24 Uhr bei Rückkehr des Flugkommandanten auf 25 000 Fuß. BEA-Leiter Jouty äußerte den Verdacht, Lubitz habe die Handgriffe üben wollen. „Dies hatte aber keinen einschlägigen Effekt auf den Flugverlauf“, sagte Jouty. Anders als beim Unglücksflug blieb Lubitz beim Hinflug in ständigem Kontakt mit dem Kontrollzentrum in Bordeaux.

          Lubitz erhöhte während des Sinkflugs die Geschwindigkeit

          Während des Flugs von Barcelona nach Düsseldorf schaltete Lubitz den Autopiloten von 38 000 Fuß auf 100 Fuß, sofort nachdem der Flugkommandant das Cockpit verlassen hatte. Im Zwischenbericht ist festgehalten, dass das Kontrollzentrum in Marseille ihn von diesem Augenblick an bis zum Aufprall insgesamt elf Mal auf drei verschiedenen Frequenzen zu kontaktieren versuchte. Auch die französische Luftwaffe wurde alarmiert und nahm drei Mal vergeblich Kontakt zum Kopiloten auf. Während dieser Zeit wurden regelmäßige Atemgeräusche aufgenommen. Lubitz ließ den Autopiloten bis zum Aufprall eingeschaltet, er erhöhte während des Sinkflugs wiederholt die Fluggeschwindigkeit.

          In dem Zwischenbericht wird darauf hingewiesen, dass Germanwings als Arbeitgeber von Lubitz die medizinischen Probleme des Piloten nicht ignorieren konnte. In der Fluglizenz von Lubitz sei ein sogenannter SIC-Eintrag („Specific medical examinations“) vermerkt gewesen. Dies bedeute, dass die Flugtauglichkeit des Piloten regelmäßig ärztlich zu überprüfen gewesen sei. Das Flugmedizinische Zentrum der Lufthansa habe zudem das Tauglichkeitszeugnis von Lubitz im Jahr 2009 zwei Mal nicht erneuert.

          BEA-Leiter Jouty sagte, das beweise, dass das medizinische Problem dem Arbeitgeber bekannt war. Er spielte damit auf eine Äußerung von Lufthansa-Chef Carsten Spohr an, der Lubitz als „100 Prozent flugtauglich“ bezeichnet hatte. Die französischen Ermittler kündigten an, die „gegenwärtige Balance zwischen ärztlicher Schweigepflicht und Flugsicherheit“ untersuchen zu wollen. Auch solle geklärt werden, ob die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verschärften Sicherheitsbestimmungen für den Zugang zum Cockpit noch im Einklang mit den Anforderungen an die Flugsicherheit stehen. Im BEA-Zwischenbericht wird darauf hingewiesen, dass vor Lubitz bereits sechs Piloten Flugzeuge mutwillig abstürzen ließen. Die französische Staatsanwaltschaft erhält den Zwischenbericht und erwägt auch Ermittlungen gegen die Lufthansa wegen Vernachlässigung der medizinischen Sorgfaltspflicht.

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