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Tödliche Schüsse beim Filmdreh : Wer war für die scharfe Munition in der Waffe verantwortlich?

  • -Aktualisiert am

Trauerfeier für die Kamerafrau Halyna Hutchins im kalifornischen Burbank Bild: AFP

Die Dreharbeiten zum Western „Rust“, bei dem ein Schuss eine Kamerafrau tötete, sind für unbestimmte Zeit eingestellt. Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf den Regieassistenten, der die Waffe mit scharfer Munition an Alec Baldwin übergab.

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          Vor Alec Baldwins tödlichem Schuss auf die Kamerafrau Halyna Hutchins während der Dreharbeiten zu dem Western „Rust“ hat der Schauspieler mit dem Revolver Grifftechniken geübt. Wie der Regisseur Joel Souza, der bei dem Unfall am Donnerstag ebenfalls eine Schussverletzung erlitt, beim Sheriff des Bezirks Santa Fe zu Protokoll gab, probierte Baldwin einen Cross Draw, als sich eine Kugel löste.

          Bei der Technik wird der Revolver mit dem Griff nach vorne auf der gegenüberliegenden Seite der Schusshand getragen, um ein schnelles Ziehen der Waffe zu ermöglichen. Baldwin soll während der Probenszene in einer Kirche der Filmranch Bonanza Creek bei Santa Fe (New Mexico) an einer Bank gelehnt und auf die Kamera gezielt haben. Souza erinnerte sich an ein Plopp-Geräusch und wie Hutchins neben ihm zusammenbrach.

          Der Regieassistent Dave Halls hatte Baldwin die Requisitenwaffe zuvor mit den Worten „Cold Gun“, bei Dreharbeiten der Hinweis auf Platzpatronen, gereicht. Die 42 Jahre alte Kamerafrau erlitt einen Brustschuss, der 48 Jahre alte Regisseur wurde an der Schulter getroffen. Nach dem Transport mit einem Rettungshubschrauber war Hutchins noch am Donnerstag in der Universitätsklinik in Albuquerque verstorben. Souza wurde wenige Stunden nach dem Unglück wieder aus dem Krankenhaus entlassen.

          Dreharbeiten für unbestimmte Zeit eingestellt

          Während Sheriff und Staatsanwaltschaft am Wochenende weiter ermittelten, stellte die Produktionsfirma Rust Movie Productions LLC die Dreharbeiten für unbestimmte Zeit ein. Baldwin, der auch Koproduzent des Westerns ist, gab zudem bekannt, sich vorerst von allen Film- und Fernsehprojekten zurückzuziehen. „Er braucht Zeit für sich selbst, um sich wieder zu fangen“, sagte ein Vertrauter des Dreiundsechzigjährigen der Zeitschrift People. Nach einer Anhörung im Sheriffsbüro in Santa Fe war Baldwin am Donnerstag in Tränen ausgebrochen. In Begleitung von Hutchins‘ Ehemann, dem Juristen Matthew Hutchins, und dessen neun Jahre altem Sohn Andros hatte der Golden-Globe-Preisträger am Wochenende an Gedenkveranstaltungen für die Kamerafrau in Santa Fe und Albuquerque teilgenommen.

          Verschiedene Branchenblätter in Hollywood äußerten derweil Zweifel an der Fortsetzung der Dreharbeiten zu „Rust“. Der Western, eine Produktion mit einem eher kleinen Budget von sieben Millionen Dollar, soll zu knapp 50 Prozent abgedreht sein. Baldwin und seine Ko-Stars, unter ihnen Frances Fisher, Jensen Ackles und Travis Fimmel, hatten seit Anfang Oktober in New Mexico vor der Kamera gestanden.

          Vorwürfe gegen Regieassistenten

          Nach ersten Hinweisen auf eine gespannte Atmosphäre am Set wurden am Wochenende Vorwürfe gegen Souzas Assistenten Halls laut. Halls, der in der Vergangenheit an den Sets von „Matrix Reloaded“, „Kaltes Land“ und „Fargo: Blutiger Schnee“ arbeitete, soll Sicherheitsauflagen vernachlässigt haben und durch aggressives Verhalten aufgefallen sein. Halls hatte Baldwin am Donnerstag auch die Waffe übergeben.

          Wie Blumhouse Television am Sonntag bestätigte, hatte die Produktionsfirma die Zusammenarbeit mit dem Regieassistenten 2019 nach zwei Episoden der Serie „Into The Dark“ beendet. Einige Stunden vor Hutchins‘ Tod hatten mehrere Mitglieder der Filmcrew unerwartet gekündigt. Angeblich war es am Set zuvor zu Auseinandersetzungen über Arbeitsstunden, Unterbringung und Sicherheit gekommen. Auch die Arbeit der Waffenmeisterin Hannah Gutierrez, bei den Dreharbeiten verantwortlich für Requisitenwaffen, Platzpatronen und Training der Schauspieler, soll schon vor dem tödlichen Schuss auf Hutchins Fragen aufgeworfen haben. „Sie war ein wenig unvorsichtig mit Waffen und hat gelegentlich mit ihnen herumgewirbelt“, erinnerte sich ein Kollege an die Zusammenarbeit mit der Vierundzwanzigjährigen bei dem Western „The Old Way“. „Ein paar Mal hat sie die Platzpatronen in einer Art geladen, die wir für unsicher hielten.“

          Die Leitende Staatsanwältin des Bundesstaates New Mexico, Mary Carmack-Altwies, teilte derweil mit, vorerst keine Anklage zu erheben. „Die Ermittlungen stecken noch ganz am Anfang. Wir werden alle Umstände und Beweise mit größter Sorgfalt untersuchen“, sagte die Juristin. Der Sheriff des Bezirks Santa Fe kündigte für Mittwoch eine Pressekonferenz zu dem Stand der Ermittlungen an.     

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