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Schuss von Alec Baldwin : Keine Cold Gun

  • -Aktualisiert am

Gedenken an die getötete Kamerafrau Halyna Hutchins Bild: Getty

Mit den Worten „Cold Gun“ hatte der stellvertretende Regisseur dem Schauspieler Alec Baldwin eine Waffe gereicht. Der Revolver war aber wohl doch mit echter Munition geladen.

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          Nach dem töd­lichen Unglück bei den Dreharbeiten zu dem Western „Rust“ haben sich die Andeutungen der Gewerkschaft der Filmtechniker (IATSE) über echte Munition in Alec Baldwins Re­quisitenwaffe bewahrheitet. Wie es in einem Antrag zu einem Durch­suchungs­beschluss für die Filmranch Bonanza Creek im amerikanischen New Mexico heißt, ging der Schauspieler aber davon aus, der Revolver sei mit Platzpatronen geladen.

          Der Antrag, aus dem das Branchenportal Deadline.com am Wo­chenende zitierte, beschrieb auch den mutmaßlichen Ablauf des Un­glücks am Donnerstag: Vor einer Kirche der Filmranch soll die Waffenmeisterin Hannah Gutierrez bei ei­ner Probeszene drei Revolver auf einem Rollwagen platziert haben. Der stellvertretende Regisseur Dave Halls nahm eine der Waffen und gab sie Baldwin mit den Worten „Cold Gun“, an amerikanischen Sets der Hinweis auf Platzpatronen.

          Nach den bisherigen Ermittlungen zielte der Dreiundsechzigjährige da­raufhin aus kurzer Entfernung in Richtung Kamera. Als Baldwin den Abzug betätigte, wurde die Cinematographin Halyna Hutchins, die un­mittelbar neben der Kamera stand, von einer Kugel getroffen. Auch der Re­gisseur Joel Souza erlitt eine Schussverletzung. Die 42 Jahre alte Hutchins wurde per Hubschrauber in die Universitätsklinik nach Albuquerque gebracht, wo sie noch am Donnerstag starb. Souza konnte das Krankenhaus in Santa Fe einige Stunden nach dem Unglück wieder verlassen. Wie ein Sprecher des ­San­ta Fe County Sheriff Office am Wo­chenende bestätigte, wurde die Filmranch inzwischen durchsucht. Ob die Ermittler auf beschlagnahmten Ka­meras und Smartphones Aufnahmen der tödlichen Filmszene fanden, blieb vorerst offen.

          Chaotische Szenen

          Schon vor dem tödlichen Schuss soll es bei den Dreharbeiten von „Rust“ zu chaotischen Szenen ge­kommen sein. Wenige Stunden vor dem Unglück hatten einige Mitglieder der Crew – viele von ihnen Mitglieder der Gewerkschaft International Alliance of Theatrical Stage Employees – unerwartet gekündigt. Sie warfen der Produktionsfirma Rust Movie Productions LLC Zeitdruck, unsichere Arbeitsbedingungen und Verstöße gegen Corona-Auf­lagen vor. Angeblich hatte das Unternehmen ihnen zudem eine Unterbringung in Hotels in Santa Fe, wenige Kilometer entfernt von der Filmranch Bonanza Creek, zugesagt, für sie dann aber in Albuquerque, etwa 70 Kilometer entfernt, Zimmer ge­mietet.

          Wie die Requisiteurin Maggie Goll dem Sender NBC am Samstag sagte, galt auch der stellvertretende Regisseur Halls als unzuverlässig. „Er hat nicht dafür gesorgt, dass das Arbeitsumfeld sicher ist. An seinen Filmsets wurde es immer klaustrophobisch, es gab keine Rettungswege, Ausgänge wurden blockiert, Sicherheitsbriefings fielen aus“, erinnerte sich Goll an die frühere Zusammenarbeit mit Halls, unter anderem bei der Serie „Into the Dark“.

          Dass Halls den Revolver kontrollierte, bevor er ihn Baldwin reichte, wurde bislang nicht bestätigt. Wie Waffenmeisterin Gutierrez den Re­volver für die Probenszene in der Kirche vorbereitete, blieb ebenfalls of­fen. Laut Polizeiprotokoll entfernte die Vierundzwanzigjährige, die im ver­gangenen Jahr auch bei den Dreharbeiten für den Western „The Old Way“ mit Nicolas Cage in der Hauptrolle die Waffen präparierte, nach Baldwins Schuss eine Patronenhülse aus dem Revolver. Wie die Los Angeles Times meldete, soll es am Set von „Rust“ bereits einige Tage vor dem Un­glück zu Fehlzündungen der Re­quisitenwaffen gekommen sein. An­geblich sollen Mitglieder der Filmcrew die Waffen in ihrer Freizeit zu­dem wiederholt für Schießübungen in der Wüste benutzt haben.

          Baldwin, der auch zu den Pro­duzenten des Westerns zählt, sprach Matthew Hutchins, dem Ehemann der verstorbenen Kamerafrau, und ihrem neun Jahre alten Sohn An­dros am Freitag sein Beileid aus. „Ich stehe mit ihrem Ehemann in Verbindung und biete ihm und seiner Familie meine Hilfe an“, twitterte er. Baldwin, der nach einer Anhörung durch den Sheriff des Bezirks Santa Fe am Donnerstag in Tränen ausbrach, versicherte zudem, die polizeilichen Ermittlungen zu dem „tragischen Unfall“ zu unterstützen. Gemeinsam mit Hutchins’ Ehemann und Sohn besuchte der Golden-Globe-Preisträger am Freitag die private Trauerfeier für die Zweiundvierzigjährige in Santa Fe.

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