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Vermisste Air-Asia-Maschine : Behörden vermuten Flugzeug auf dem Meeresgrund

Böse Vorahnungen mischen sich mit Trauer: Angehörige von Passagieren der vermissten Air Asia-Maschine am Flughafen von Surabaya Bild: Picture-Alliance

Am Flughafen von Surabaya starren die Angehörigen der Passagiere auf ihre Mobiltelefone, viele sind bleich im Gesicht. Noch immer gibt es von Flug QZ8501 keine Spur. Die Behörden gehen inzwischen aber von einem Absturz aus.

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          Mehr als 24 Stunden, nachdem die indonesische Flugüberwachung den Kontakt zu dem Flug QZ8501 der Gesellschaft Indonesia Air Asia verloren hat, sind den Angehörigen der 162 Menschen an Bord  die Strapazen der vergangenen Stunden in die Gesichter geschrieben. Am Flughafen von Surabaya haben sich etwa 150 von ihnen in einem kargen Raum versammelt. Viele von ihnen sehen bleich aus, starren angestrengt auf die Bildschirme ihrer Mobiltelefone. Vor ihnen sitzen an Schreibtischen die Vertreter der indonesischen Luftfahrtbehörden. Journalisten sind zu dieser Informationsveranstaltung nicht zugelassen. Sie umringen stattdessen draußen eine Frau, die weinend das Foto einer fünfköpfigen Familie in die Kameras hält. Die Frau ist Kindermädchen der Familie, die sich mit Ausnahme einer kleinen Tochter komplett an Bord der Maschine befand.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Im Innenraum erhebt sich derweil einer der Angehörigen und spricht in ein Mikrofon. Es ist fraglich, ob er zufriedenstellende Antworten auf seine Fragen bekommt. Denn auch nach einem Tag gibt es noch keine Spur des Flugzeugs. „Wir gehen davon aus, dass die Maschine auf dem Meeresboden liegt“, sagt der Chef der Such- und Rettungsbehörde, Bambang Sulistyo. Nach Angaben der Behörden wird aber auch an Land gesucht. Dabei sollen nahe den Inseln Bangka und Belitung schon mindestens zehn Flugzeuge und sechs Schiffe im Einsatz sein. Neben indonesischen sind auch Kräfte aus Malaysia und Singapur im Einsatz. Auch Südkorea und Australien haben angeboten, die Sucharbeiten zu unterstützen. An Bord der Maschine waren neben 155 Indonesiern auch drei Koreaner, ein Malaysier, ein Brite, ein Passagier aus Singapur und der französische Co-Pilot.

          Trotz des bisher erfolgslosen Rettungseinsatzes wollen die Behörden an dem Suchgebiet festhalten, das sie anhand des letzten Kontakts mit dem Flugzeug eingegrenzt haben. Die Vertreter der Luftfahrtbehörden teilen auf der Pressekonferenz mit, sie hofften, dass das Flugzeug noch am Montag gefunden werden könne. Sehr überzeugt klingen sie dabei allerdings nicht. „Es ist ein ziemlich großes Gebiet“, sagt Trikora Harjo, der Geschäftsführer des Flughafens, bei einer Pressekonferenz vor dem Flughafengebäude. Mindestens 13.000 Quadratkilometer müssen  durchkämmt werden, ein Areal in etwa so groß wie Schleswig-Holstein. Dabei seien auch Geräte im Einsatz, die die Impulssignale der Flugdatenschreiber des Airbus aufnehmen könnten, wie die Mitarbeiter der Luftfahrtbehörden versicherten.

          Die Wetterverhältnisse in dem Suchgebiet waren am Montagmorgen Ortszeit den Angaben nach günstig. Vor dem Verschwinden des Flugzeugs am Sonntagmorgen hatte der Pilot um Erlaubnis gebeten, die Flughöhe anzupassen, um Gewitterwolken zu überfliegen. Die Hoffnung, dass zumindest ein Teil der Passagiere und der Besatzung noch lebend gefunden werden kann, schwindet jedoch stündlich. „Ich weiß nicht, ob jemand überlebt hat, aber die Möglichkeit besteht nach wie vor“, sagt Pramintohadi, ein Mitarbeiter der Betreibergesellschaften für die Flughäfen im Osten der indonesischen Insel Java.

          Berichte, wonach in dem Suchgebiet Trümmer und eine Ölspur gefunden worden seien, müssten erst noch verifiziert werden, sagte Vizepräsident Jusuf Kalla auf einer Pressekonferenz in Surabaya. Aber alle Informationen würden ernst genommen, sagte Kalla. Der stellvertretende Regierungschef hatte zuvor mit den Angehörigen gesprochen, um ihnen seine „Sympathien“ auszudrücken. Er habe ihnen gesagt, dass alle Institutionen der Regierung hart daran arbeiteten, das Flugzeug zu finden. „Es gibt dafür keine zeitliche Begrenzung“, sagte der Vizepräsident. Ob die Regierung noch Hoffnung habe, einige Passagiere lebendig bergen zu können? „Oh ja, unser Einsatz wird fortgesetzt“, sagte der Vizepräsident. Sogar Fischerboote und Schiffe von Privatunternehmen seien an der Suche beteiligt. Der Vizepräsident sprach zudem von mittlerweile 30 Schiffen und 15 Flugzeugen und Helikoptern, die im Einsatz seien. Trotzdem sei man auch auf das Schlimmste vorbeiratet, sagte der Politiker.

          „Mein Herz blutet“

          Vor dem Flughafen in Surabaya haben Dutzende Journalistenteams ihre Kameras aufgebaut. Auch sie bekommen kaum befriedigende Antworten. Die Ursache des Verschwindens werde noch ermittelt, sagt Pramintohadi auf die Frage, ob ein Terroranschlag bereits ausgeschlossen werde. Ein Vertreter der Billigfluglinie Air Asia sagt nur, die Priorität liege für das Unternehmen darauf, sich um die Familien der Passagiere zu kümmern. Der Chef der malaysischen Muttergesellschaft, Tony Fernandes, war zuvor ebenfalls nach Surabaya gereist, um sich direkt an die Familien der Passagiere zu wenden. „Mein Herz blutet für die Familien meiner Crew und der Passagiere“, schrieb der Air-Asia-Chef auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

          Infolge des Unglücks sackte der Aktienkurs von Air Asia am Montag deutlich ab. Zur Eröffnung der Börse in Kuala Lumpur brach der Börsenwert der malaysischen Billigfluglinie um 12 Prozent ein, erholte sich später etwas, lag jedoch immer noch 7 Prozent im Minus.

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