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Flugzeugunglück : Air-Asia-Absturz bleibt ein Rätsel

  • Aktualisiert am

Retter bergen ein Wrackteil aus dem Meer Bild: AFP

Ist die verunglückte Air-Asia-Maschine unkontrolliert nach oben gestiegen? Haben Messinstrumente falsche Daten geliefert? Täglich gibt es neue Informationen vom Absturz von Flug QZ8501. Nicht immer passen sie zusammen.

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          Seitdem vor einigen Tagen der Flugschreiber der verunglückten Air-Asia-Maschine gefunden wurde, gibt es täglich neue Nachrichten darüber,  was in den Minuten passierte, bevor das Flugzeug in die Javasee stürzte. Aber nicht alles, was als neue Erkenntnis der Ermittler vermeldet wird, ist am nächsten Tag noch Gewissheit. Einen Terroranschlag schließen die Ermittler aus, so viel ist klar. Sie gehen inzwischen von einem möglichen Pilotenfehler oder einem technischen Defekt als wahrscheinlichste Absturzursachen aus. Aber letztlich ist der Absturz noch immer ein Rätsel.

          Erst am Dienstag hatte der indonesische Verkehrsminister Ignasius Jonan davon gesprochen, dass sich die Air-Asia-Maschine kurz vor ihrem Absturz in einem ungewöhnlich rasanten Steigflug befunden habe, wie er selbst bei Kampfflugzeugen selten vorkomme. Dann sei es offenbar zu einem Strömungsabriss gekommen. Tom Ballantyne vom Luftfahrtmagazin „Orient Aviation“ nannte den Steigflug daraufhin „ganz einfach phänomenal“. Er könne sich nicht erinnern, „etwas derart Bemerkenswertes schon einmal gehört zu haben“. Ein Wetterphänomen – etwa eine „beispiellose Gewitterzelle“ – als Ursache könne nicht ausgeschlossen werden, wenn es auch eher seltsam sei. Es sei „möglich“, dass das Flugzeug wie in einem Kaminzug von einem Luftstrom erfasst worden sei, der es „um tausende Fuß aufsteigen ließ“.

          Andere Luftfahrtexperten zogen Vergleiche zum Absturz einer Air-France-Maschine über dem Atlantik Mitte 2009. „Die Ähnlichkeiten sind ziemlich auffällig“, sagte etwa Daniel Tsang, Gründer der in Hongkong ansässigen Beratungsfirma Aspire Aviation. Flug AF447 war nach dem Start in Rio de Janeiro in den Atlantik gestürzt. Defekte Instrumente hatten eine falsche Geschwindigkeit angezeigt. Die Piloten reagierten nach Überzeugung der Ermittler falsch, zogen das Flugzeug hoch und erzeugten einen Strömungsabriss, der die Maschine abstürzen ließ.

          Parallelen zum Air-France-Absturz?

          Mögliche Parallelen zur Air-France-Maschine, spektakuläre Wetterphänomene – bist jetzt ist das alles bloße Theorie, an diesem Mittwoch noch mehr als am Tag davor. Denn inzwischen ist nicht einmal mehr sicher, ob es den spektakulären Steigflug überhaupt gegeben hat. „Vielleicht ist die Maschine zu schnell gestiegen, vielleicht auch nicht“, sagte Wisnu Darjono, der Direktor für Sicherheit bei der Luftfahrtbehörde, am Mittwoch. Ein defektes Messgerät könne auch Bewegungen angezeigt haben, die es möglicherweise gar nicht gegeben habe. Für genauere Erkenntnisse müssten die Daten des Flugschreibers erst noch genauer ausgewertet werden. Die Ermittler haben für den 28. Januar einen ersten Untersuchungsbericht angekündigt.

          Über die letzten Minuten im Cockpit gibt es indes neue Erkenntnisse, die über jeden Zweifel erhaben sind. Schrille Alarmsignale im Cockpit haben die offenbar verzweifelt gegen die nahende Katastrophe ankämpfenden Piloten vor einem Absturz gewarnt. In den Aufnahmen des Stimmrekorders seien mehrere Warnsignale zu hören, darunter auch die Warnung vor einem drohenden Strömungsabriss, sagte ein Ermittler am Mittwoch: „Die Alarmsignale haben gekreischt, können wir sagen, während sie (die Piloten) im Hintergrund alles zur Rettung versuchten.“ „Zeitweise“ seien die Warntöne verstummt. Die Stimmen der Piloten seien in dem Getöse untergegangen.

          Die Maschine mit der Flugnummer QZ8501 war am 28. Dezember auf halbem Weg zwischen Surabaya in Indonesien und Singapur abgestürzt. An Bord waren 162 Menschen, überwiegend Indonesier. Der Pilot hatte keinen Notruf abgesetzt. Mehrere Wrackteile sind in etwa 30 Meter tiefem Wasser gefunden worden. Taucher arbeiten daran, sie zu heben.

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