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Air-Algérie-Unglück : Keine Überlebenden nach Flugzeugabsturz in Mali

  • -Aktualisiert am

Schwer zugängliches Trümmerfeld in der Wüste: Erste Bilder zeigen die Absturzstelle. Bild: Reuters

Französische Streitkräfte sind am Wrack der von Air Algérie geleasten abgestürzten Maschine in Mali eingetroffen. Ein Abschuss des Flugzeugs durch islamische Extremisten wird mittlerweile ausgeschlossen.

          Das am Donnerstag über Mali abgestürzte algerische Passagierflugzeug mit 118 Menschen an Bord ist in der Nacht zum Freitag gefunden worden. Niemand habe das Unglück überlebt, sagte der französische Präsident François Hollande am Freitag in Paris. Nach Angaben des französischen Generalstabes stürzte die Maschine der Air Algérie südlich der malischen Stadt Gao ab, rund 50 Kilometer von der Grenze zu Burkina Faso entfernt. Das Flugzeug war auf der Route von Ougadougou in Burkina Faso nach Algier unterwegs. Das Wrack war in der Nacht zum Freitag von einer in Niamey in Niger stationierten französischen Militärdrohne ausgemacht worden, nachdem die Franzosen einen Hinweis der burkinischen Armee erhalten hatten. Diese wiederum war offenbar von Bewohnern des Dorfes Boulekessi informiert worden, die den Absturz der brennenden Maschine beobachtet hatten.

          Unmittelbar nach Entdeckung des nach französischen Angaben völlig zerstörten Flugzeugs seien französische Soldaten aus Gao mit Hubschraubern an die Unglückstelle gebracht worden. Zudem hatte die malische Regierung der burkinischen Armee erlaubt, die Grenze zu überschreiten, um zu dem Wrack zu gelangen. Nach Angaben des burkinischen Generalstabes hätten die Soldaten keinen Überlebenden gefunden. Am Freitagmorgen habe sich eine Hundertschaft französischer Soldaten auf dem Landweg von Gao aus zu der Absturzstelle aufgemacht. Der Fundort liegt deutlich weiter südlich als die von Air Algérie zunächst angegebene letzte Position des Flugzeuges nahe der algerischen Grenze hoch im Norden Malis.

          Angehörige eines Passagiers trauern in seinem Heimatdorf Zrairiyeh im Süden des Libanon. Bilderstrecke

          Flugzeug war kurz zuvor in Frankreich geprüft worden

          Die Maschine vom Typ McDonnell Douglas MD 85 war am Donnerstagmorgen um 1.27 Uhr von Ougadougou nach Algerien gestartet, als 50 Minuten nach dem Start der Funkkontakt abriss.  Air Algérie hatte die Zahl der Menschen an Bord zunächst mit 116 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern angegeben. Am Freitag hieß es dann, an Bord haben sich insgesamt 118 Menschen befunden, einschließlich der sechsköpfigen Besatzung aus Spanien. Das abgestürzte Flugzeug gehört einer spanischen Leasinggesellschaft.  Nach Angaben des französischen Außenministers Laurent Fabius stammt die Hälfte der Passagiere, nämlich 54, aus Frankreich. Unter den Opfern befand sich auch eine vierköpfige Familie aus Deutschland. Hollande verschob am Freitag eine geplante Auslandsreise.

          Die Absturzursache ist zurzeit völlig unklar. Die Hypothese eines Abschusses, etwa durch radikale Islamisten, schloss der Staatssekretär im französischen Transportministerium, Frédéric Cuvillier, am Freitag aber aus. Das sei „extrem unwahrscheinlich, sogar unmöglich“, sagte Cuvillier. Zum Zeitpunkt des Absturzes tobten über weiten Teilen von Burkina Faso und Mali heftige Gewitterstürme, die das Abfeuern einer schultergestützten Abwehrrakete unmöglich machten. Zudem operieren die Radikalen von „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) weder soweit südlich in Mali, noch ist bekannt, dass sie überhaupt über solche Waffen verfügen.

          Die wahrscheinlichste Absturzursache scheinen deshalb die meteorologischen Bedingungen gewesen zu sein, wobei ein technischer Defekt nicht auszuschließen sei, sagte Cuvillier. Allerdings war das Flugzeug der spanischen Leasinggesellschaft Swiftair erst in der vergangenen Woche in Frankreich inspiziert und als „in einem guten Zustand“ befunden worden. Ein Mitarbeiter von Air Algérie hatte am Donnerstag geäußert, Flug AH 5017 sei 50 Minuten nach dem Start ein Kurswechsel empfohlen worden, um einer massiven Schlechtwetterfront zu entgehen. Unmittelbar danach sei der Funkkontakt abgebrochen. Die Luftaufsichtsbehörde in Ouagadougou teilte indes mit, der spanische Pilot habe aufgrund des schlechten Wetters schon vor Abflug um die Freigabe einer alternativen Route gebeten, die ihm auch gewährt worden sei. Die Monate Juli und August sind traditionell eine Schlechtwetterperiode im Sahel. Die Temperaturen am Boden liegen konstant über 40 Grad, während gleichzeitig warme und feuchte Luftschichten vom Atlantik her nach Norden treiben. Trifft diese feuchte Luft auf den extrem warmen Boden, können Gewitterwolken bis zu einer Höhe von 15 Kilometern entstehen.

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